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Meck-Pomm: Teil der Tagestouristen darf wieder an die Ostsee

| Lesedauer: 12 Minuten
Ostsee: Der Hafen in Boltenhagen. Tagestouristen dürfen wieder nach Mecklenburg-Vorpommern.

Ostsee: Der Hafen in Boltenhagen. Tagestouristen dürfen wieder nach Mecklenburg-Vorpommern.

Foto: imago images / Westend61

Tschentscher fürchtet zweite Welle und ändert private Pläne. Zahlen korrigiert, 2000 Euro Extraprämie für Künstler. Der Newsblog.

Hamburg. Maskenpflicht, Lockerung, zweite Welle, sorgloses Baden an der Ostsee, durchatmen an der Nordsee: In Hamburg und Norddeutschland diskutieren nicht nur die Bürger über die Maßnahmen wie die Abstandsregeln in der Corona-Pandemie. Auch die Touristen von Westerland auf Sylt bis zum Timmendorfer Strand und weiter nach Mecklenburg-Vorpommern wollen wissen, ob und wie sie ihre Sommerferien 2020 genießen können.

Derweil hatten sich am Dienstag in Hamburg zunächst keine weiteren Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ergeben. Das teilte die Sozial- und Gesundheitsbehörde auf ihrer Internetseite mit. Kurz darauf wurden die Angaben jedoch auf zwei neue Fälle korrigiert.

In Hamburg gehen Fahrten ins Wattenmeer los, die bis dato festliegenden Kreuzfahrtschiffe im Hafen machen sich wieder auf, die Handelskammer legt ein Konzept zur Wiederbelebung der City vor – und der Bürgermeister warnt. Der habilitierte UKE-Labormediziner Peter Tschentscher macht seinen privaten Urlaub vom Infektionsgeschehen abhängig. Möglicherweise bleibt er in Deutschland.

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Dienstag, 7. Juli

Elton John singt 2021 in Hamburg

Das Konzert von Elton John auf seiner „Farewell Yellow Brick Road Tour“ wird um ein Jahr verlegt auf den 15. September 2021. Elton John sagte laut Veranstalter: „Die Verschiebung meiner Konzerte ist nie eine leichte Entscheidung, aber meine Priorität ist immer die Sicherheit aller Beteiligten, einschließlich meiner Tournee-Crew, der Mitarbeiter am Veranstaltungsort und natürlich Ihnen, meinen erstaunlichen Fans. Es bricht mir das Herz, dass wir die Konzerte für 2020, auf die wir uns alle so sehr gefreut haben, verschieben mussten, aber mein Team und ich haben intensiv an der Verschiebung der Pläne für 2021 gearbeitet.“

Und so ein gebrochenes Herz – das wünscht ja gerade Elton John niemand.

Studie: Experten testen Tourismus-Mitarbeiter rund um Timmendorf

Was passiert, wenn Touristen in den Sommerferien nach Schleswig-Holstein strömen? Führen die Lockerungen wieder zu einem Anstieg der Corona-Infektionen? Diese Fragen stellen sich derzeit Wissenschaftler an der Universität Lübeck. In einer Studie testen sie stichprobenartig Angestellte im Tourismussektor entlang der Lübecker Bucht.

"Vor einer Woche haben wir mit Timmendorfer Strand begonnen", sagt Prof. Dr. Jan Rupp, Direktor der Klinik für Infektiologie und Mikrobiologie an der Universität zu Lübeck dem Abendblatt. Die Studie, die von der Landesregierung finanziert wird, werde auf weitere Orte wie Scharbeutz ausgedehnt. "Die Studie hat auch eine therapeutische Wirkung für die Beschäftigten im Tourismus", sagt Rupp. Denn die Tests würden zeigen, ob Hygienemaßnahmen wirkten.

Kreativ: Kunst-Kopien in der Quarantäne

In der Corona-Krise haben Menschen weltweit berühmte Kunstwerke nachgestellt und auf sozialen Medien wie Instagram veröffentlicht. Die Kunsthalle in Bremen zeigt von diesem Mittwoch an 77 solcher Fotos in der Ausstellung „Und jetzt Du! Kunstwerke in Quarantäne nachgestellt“. Die Bilder wurden nach einem Aufruf des Museums eingereicht und stellen Gemälde, Skulpturen, zeitgenössische Installationen und Arbeiten auf Papier aus unterschiedlichen Jahrhunderten nach. Nachgestellt wurden Werke etwa von Albrecht Dürer, Caspar David Friedrich, Claude Monet, Paula Modersohn-Becker und Pipilotti Rist.

Mecklenburg-Vorpommern: Noch mehr Lockerungen

In Mecklenburg-Vorpommern dürfen sich die Menschen von Freitag an wieder ohne strenge Kontaktbeschränkungen treffen. Für Veranstaltungen gelten höhere Teilnehmerzahlen und mit Busreisegruppen dürfen erstmals seit März auch wieder Tagestouristen ins Land. Die Landesregierung habe die Lockerungen in einer neuen Verordnung verankert, die nun zum 10. Juli wirksam werde, teilte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Dienstag mit.

Jeder könne nun entscheiden, mit wem er sich im öffentlichen Raum treffen wolle, sei zugleich aber gehalten, die coronabedingten Hygieneregeln zu beachten. „Wir setzen auf die Vernunft aller, egal ob Einheimischer oder Urlauber“, sagte der Vize-Regierungschef, der die Beratung wegen des Urlaubs von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) geleitet hatte.

50 Millionen für Start-ups und kleine Mittelständler

Hamburg will Start-ups und wachstumsorientierte kleine Unternehmen in der Corona-Krise genauer fördern. Wie Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Dienstag sagte, stünden im Corona Recovery Fonds 50 Millionen Euro dafür zur Verfügung. Es sollten Unternehmen aus dem kleinen Mittelstand mit bis zu 50 Mitarbeitern unterstützt werden. Westhagemann sagte, Hamburg werde auch später hinschauen, ob es möglicherweise noch einen gesteigerten Bedarf bei einigen Firmen gebe. Wie Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) sagte, gebe es für die Unternehmen bis zu 250 Mitarbeitern den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, für die größeren dann die Hilfen des Bundes.

Der Vorstandschef der Hamburgischen Investitions- und Förderbank, Ralf Sommer, sagte: „Mit der Hamburger Corona Soforthilfe und dem Modul für innovative Start-ups konnte unser Förderinstitut Solo-Selbstständige und Unternehmen, unabhängig von Branche und Unternehmensgröße, unterstützen. Bis zum Programmende sind rund 65.000 Anträge auf Soforthilfe bei uns eingegangen. Mit dem Corona Recovery Fonds unterstützen wir weiterhin zielgerichtet die Zukunftsfähigkeit und die wirtschaftliche Vielfalt der Hansestadt Hamburg."

2000 Euro Extraprämie für Künstler und Kreative

Wie Kultursenator Carsten Brosda (SPD) in der Landespressekonferenz erklärte, wolle Hamburg zusätzlich zur Neustart-Prämie für Künstler und Kreative (2500 Euro) eine weitere Prämie für diesen Personenkreis auflegen. Für die erste Prämie rechne man mit 8000 bis 10.000 Anträgen. Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse (KSK) oder die Aufnahmekriterien, die dort gelten.

Die neue Prämie betrage 2000 Euro und könne sofort unter www.hamburg.de/neustartpraemie beantragt werden. Dieses Geld werde aber, so Brosda, auf eine mögliche Grundsicherung angerechnet.

Gute Zahlen aus Schleswig-Holstein

Zwei neue Fälle zwischen Nordsee und Ostsee: In Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der offiziell erfassten Infektionen mit dem neuen Coronavirus um 2 auf 3189 erhöht. Das erklärte die Landesregierung unter Berufung auf das Robert Koch-Institut. Es gab bisher 152 Tote. Rund 3000 der seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Virus Infizierten gelten inzwischen als genesen. In Krankenhäusern wurden zuletzt fünf an Covid-19 Erkrankte behandelt.

HanseMerkur: Mitarbeiter genießen flexible Arbeitszeiten

Die Hamburger HanseMerkur-Versicherung will die positiven Effekte aus der Corona-Krise mit Blick auf Arbeitszeitmodelle für die etwa 1400 Mitarbeiter nutzen. Wie aus der Vorlage der Bilanz am Dienstag hervorgeht, die um 11,7 Prozent gestiegene Beitragseinnahmen zeigt (rund 2,3 Milliarden Euro), hätten zwischenzeitlich 90 Prozent aller Angestellten im Homeoffice gearbeitet. Nach einer großen freiwilligen und anonymen Umfrage im Unternehmen wollten viele dabei bleiben, ihre Arbeitszeit und den Arbeitsort flexibel zu halten.

Die HanseMerkur hat nach eigenen Angaben für Eltern mit Kindern die Arbeitszeit auf das Wochenende erweitert. Das Geschäft mit Reiseversicherungen und Freizeit ist eingebrochen, auch für 2020 werden dort Verluste zwischen 50 und 60 Millionen Euro erwartet. Das schmälert aber offenbar nicht die guten Zahlen zum gestiegenen Eigenkapital (689,4 Millionen Euro) und dem Gruppen-Jahresüberschuss nach Steuern (98,6 Millionen Euro).

Hamburger Verbraucherzentrale: Buchen Sie Pauschalreisen!

Die Hamburger Verbraucherzentrale empfiehlt für die Ferienreise 2020 eher ein Pauschal-Arrangement: „Mit einer Pauschalreise ist man in der Regel besser abgesichert“, sagt Expertin Julia Rehberg. Im Krisenfall sei der Reiseveranstalter dazu verpflichtet, den Gast wieder nach Deutschland zu bringen – und zwar auf eigene Kosten. „Der Veranstalter muss hier für meinen Rücktransport sorgen“, betont Rehberg. Individualreisende haben im Zweifel Pech: „Es kann sein, dass mich die Airline im Regen stehen lässt.“ Urlauber sind sowohl einem Quarantäne-Risiko am Zielort ausgesetzt wie einem denkbaren neuen Lockdown wegen gesteigerter Infektionszahlen.

Hamburg und Corona: Zahlen korrigiert

Es gab am Dienstag nach offiziellen Angaben in Hamburg zunächst keine weiteren bestätigten Coronavirus-Neuinfektionen. Dann hat die Behörde jedoch zwei neue Fälle gelistet. Von den 5222 bislang Infizierten Hamburgern gelten 4900 nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) als geheilt. In den Krankenhäuser werden aktuell 14 Corona-Infizierte aus Hamburg und dem Umland behandelt, 6 von ihnen auf der Intensivstation.

Interaktive Karte: Coronavirus in Hamburg, Deutschland und weltweit

Corona-Ferien 2020: Tschentscher ändert private Pläne

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher setzt auf die Vernunft der in den Urlaub fahrenden Hamburgerinnen und Hamburger. Anders als noch in den Frühjahrsferien im März wüssten nun alle, „dass es jetzt darauf ankommt, das niedrige Infektionsrisiko zu halten“, sagte er. Er selbst plane, in den Sommerferien für drei Wochen zu verreisen. „Aber unser Reiseziel steht noch nicht fest. Wir machen es abhängig von den aktuellen Empfehlungen und Bedingungen“, sagte Tschentscher. „Vielleicht bleiben wir zum ersten Mal in Deutschland. Es gibt bei uns ja auch wunderschöne Gegenden, zum Beispiel an der Mosel.“ Sonst sei er immer Richtung Österreich unterwegs gewesen.

Tschentscher warnte vor einer zweiten Corona-Welle. „Eine zweite Welle wäre ein großes Unglück, nicht nur wegen der psychologischen und der sozialen Folgen, sondern auch weil wir die wirtschaftlichen Folgen kaum verkraften würden.“

Von Hamburg ins Wattenmeer, nach Sylt und Amrum

Die Reederei Adler-Schiffe bietet von Ende Juli an Fünf-Tages-Expeditionen von Hamburg ins Weltnaturerbe Wattenmeer an. Die Tour mit dem aus Norwegen eingecharterten kleinen Expeditionsschiff „Quest“ startet am 25. Juli mit der Einschiffung in Hamburg, wie die Reederei am Montag in Westerland auf Sylt mitteilte. An den Reisetagen erwarten die Gäste Programme auf den Inseln Helgoland, Sylt und Amrum sowie auf den Halligen Hooge und Langeneß.

Maske ein "Konsumkiller"?

In der Debatte um eine Maskenpflicht fordern niedersächsische Arbeitgeber neue Regelungen. „Die Maske wird zum Konsumkiller“, sagte Volker Schmidt von der Allgemeinen Arbeitgebervereinigung Hannover und Umgebung (AGV). Der Hauptgeschäftsführer plädierte dafür, die Maskenpflicht durch ein Maskengebot zu ersetzen, wo der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.

Nordkirche hilft in Indien und erbittet Spenden

Die evangelisch-lutherische Nordkirche unterstützt mit 10.000 Euro Hilfsmaßnahmen der Evangelisch-Lutherischen Jeypore-Kirche (JELC) in Indien. Die Mittel aus einem Nothilfe-Fonds kommen Menschen zugute, die aufgrund der Corona-Pandemie ihre Arbeit und ihr Einkommen verloren haben und dadurch in ihrer Existenz bedroht sind. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt bittet, die Arbeit der Partnerkirchen durch weitere Spenden und Gebete zu unterstützen.

Urlaub 2020: Interaktive Karte

Kinder-Tag fällt aus

Wegen der Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie muss der diesjährige Kinder-Hit-Tag von Polizei und Feuerwehr ausfallen, teilte die Polizei mit. Der Tag war ursprünglich für den 4. August auf dem Gelände der Polizei an der Carl-Cohn-Straße in Winterhude geplant. Die kostenlose Veranstaltung, bei der auch Diensthunde oder die Reiterstaffel ihr Können zeigen, ist bei Kindern sehr beliebt.

Positive Touristin in Timmendorf: Vier Personen in Quarantäne

Bei einer Touristin aus Düsseldorf wurde in Timmendorfer Strand das Coronavirus nachgewiesen. Doch dem Kreis Ostholstein liegen keine weiteren positiven Tests von Kontaktpersonen vor. Aber für vier Menschen wurde eine Quarantäne angeordnet. Der Hotelbetrieb in Timmendorf laufe "uneingeschränkt" mit dem geltenden Hygienekonzept weiter, hieß es. Die Touristin kam zunächst ins UKSH nach Lübeck.

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( HA/ade/ryb/dpa )

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