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Corona-Ausbruch: 187 Kieler nach Familienfeier in Quarantäne

| Lesedauer: 27 Minuten
Am Freitag wurden Corona-Tests bei Kindern sowie Eltern und Erziehern in einer Kita im Stadtteil Mettenhof durchgeführt (Symbolbild).

Am Freitag wurden Corona-Tests bei Kindern sowie Eltern und Erziehern in einer Kita im Stadtteil Mettenhof durchgeführt (Symbolbild).

Foto: dpa Picture Alliance/Hendrik Schmidt/Zentralbild

Corona-Zahlen auch für Hamburg. Hamburger Virologe bremst Hoffnung auf "Superimpfstoff". Virtuelle Millerntor Gallery.

Hamburg. In Hamburg hat der Senat zwar weitreichende Corona-Lockerungen beschlossen, Großveranstaltungen wird es in naher Zukunft höchstwahrscheinlich jedoch nicht geben. Sowohl der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher als auch Sportsenator Andy Grote (SPD) bremsten die Hoffnung. „Die Vorzeichen sind nicht gut“, sagte Grote bei einer Online-Diskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Kleinere Veranstaltungen dürfen derweil wieder stattfinden: Der erste Eventveranstalter Hamburgs plant bereits das ein Open-Air-Dinner mit 50 prominenten Gästen.

Interaktiv: Deutschlands Urlaubsgebiete im Corona-Vergleich:

Alle Entwicklungen zum Coronavirus in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen hier im Newsblog:

Corona-Ausbruch nach Familienfeier: 187 Kieler in Quarantäne

Nach der Infektion von sieben Menschen mit dem neuartigen Coronavirus bei einer Familienfeier in Kiel hat sich die Zahl der Infizierten bis Freitag nicht weiter erhöht. „Die Zahl der aktuell Infizierten liegt in Kiel weiter bei 13“, sagte ein Sprecher der Stadt. Die anderen Fälle haben aber nichts mit der Feier zu tun. Auf der im Rahmen der geltenden Corona-Regeln erlaubten Feier im Freien am vergangenen Wochenende hatten sich mindestens sechs Erwachsene und ein Kind angesteckt.

Nach Angaben der Stadt arbeiten drei Infizierte der Familienfeier in Einrichtungen der Altenhilfe. Diese sind nicht geschlossen worden. Ein sechs Jahre altes Kind besucht eine Kita im Stadtteil Mettenhof, die am Mittwoch geschlossen wurde. Dort seien am Freitag Corona-Tests bei Kindern sowie Eltern und Erziehern erfolgt, sagte der Sprecher. Ergebnisse würden voraussichtlich am Sonnabend vorliegen.

Die Kita war wegen der Ferien nach Angaben der Stadt nicht voll besetzt. Die etwa 50 betreuten Kinder, Eltern und Erzieher wurden in Quarantäne geschickt worden. Mit Stand Freitagnachmittag waren 187 Kieler in der Quarantäne. In 120 bis 130 Fällen sei die Quarantäne auf die Familienfeier zurückzuführen. "Das ist für uns ein Warnschuss! Man darf nicht unvorsichtig werden", sagte der Sprecher gegenüber dem Abendblatt.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten

Corona-Neustart am Ohnsorg-Theater mit Karaoke-Komödie

Nach fast vier Monaten Corona-Zwangspause kommt auch im plattdeutschen Ohnsorg-Theater wieder Leben auf die Bühne. Das traditionsreiche Haus in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofes startet am 16. Juli mit der Premiere der hochdeutschen Karaoke-Komödie „Tussipark“ in seine restliche Spielzeit. „Es ist grandios, dass überhaupt wieder etwas auf der Bühne stattfindet. Das ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn eine Bühne, die vier Monate leer stand, nun endlich wieder ihrer eigenen Bestimmung zugeführt und Leben auf die Bühne gebracht wird“, sagte Intendant Michael Lang.

Das Ohnsorg-Theater spielt im Sommer mit Blick auf die Touristen, die kein Plattdeutsch verstehen, meist hochdeutsche Produktionen. Ein weiterer Grund dafür: „Unsere ganze plattdeutsche Kompetenz ist in den Theaterferien“, so Lang. Denn schon am 29. August startet die neue Spielzeit - mit der Komödie „Twee as Bonnie un Clyde“. Der Spielplan musste an die Corona-Bedingungen angepasst und auf Stücke mit wenig Schauspielern umgestellt werden. Größere Stücke wurden um ein Jahr geschoben. Spielzeitmotto ist „So bunt as dat Leven“.

In den Saal werden wegen der Abstandsregeln zunächst nur 123 Zuschauer passen. Sonst haben dort 410 Menschen Platz. Alle Stücke werden ohne Pause gespielt und auf den Laufwegen gilt Maskenpflicht, am Platz nicht. Die Abstandsregel sollen zudem „ästhetisch und künstlerisch“ in die Stücke eingebaut werden. Ein Beispiel dafür wollte der Intendant nicht verraten. „Da muss man schon hingehen und sich das selbst ansehen“, so Lang lachend.

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Rechnungshof kritisiert geplante Neuverschuldung

Der niedersächsische Landesrechnungshof hält die von der Landesregierung geplante Schuldenaufnahme zur Bewältigung der Corona-Krise für zu hoch. Es liege zwar auf der Hand, dass das Land zusätzliches Geld benötigte, sagte Rechnungshof-Präsidentin Sandra von Klaeden. „Die hierfür eingeplante Kreditaufnahme halten wir jedoch nicht in voller Höhe für erforderlich.“ Das Land verfüge noch über Reserven von rund zwei Milliarden Euro. Außerdem gebe es Zweifel, ob alle im zweiten Nachtragshaushalt geplanten Ausgaben mit der Bewältigung der Corona-Krise zusammenhängen. „Nur dann aber darf sich das Land ausnahmsweise neu verschulden.“

Der zweite Nachtragshaushalt soll ein Volumen von 8,4 Milliarden Euro haben, wovon 6,4 Milliarden Euro laut Rechnungshof aus Krediten finanziert werden sollen. Die Regierung hatte angekündigt, der neue Schuldenberg werde vom Jahr 2024 an binnen 25 Jahren abgebaut.

Auch mit Blick auf den Haushalt 2021 forderte der Rechnungshof die Landesregierung zum Sparen auf. „Nur mit einer nachhaltigen Finanzpolitik wird es gelingen, das Land auch für künftige Krisensituationen zu wappnen“, sagte Präsidentin von Klaeden. Die Regierung will ihre Pläne für den Haushalt 2021 am Montag vorstellen.

Niedersachsen: Spielbetrieb im Amateurfußball bleibt untersagt

Amateurfußballer in Niedersachsen müssen weiter auf ihr nächstes Spiel gegen eine andere Mannschaft warten. Zwar wird Kontaktsport wie Fußball und Handball von Montag an wieder erlaubt - allerdings nur in „festen Kleingruppen von nicht mehr als 30 Personen“. Test- und Punktspiele bleiben somit untersagt, wie die Staatskanzlei betonte.

Lediglich Trainingsspiele innerhalb einer Mannschaft sind ab kommender Woche wieder möglich. Hintergrund ist die Sorge vor einem neuen großen Corona-Ausbruch. Um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, müssen auch bei Trainingsspielen die Kontaktdaten aller Beteiligten erfasst werden.

14 positive Corona-Fälle in Braunschweiger Aufnahmebehörde

In der Landesaufnahmebehörde (LAB) in Braunschweig sind 14 Neuankömmlinge positiv auf das Coronavirus getestet worden. Sie gehörten zu einer Gruppe von 45 Spätaussiedlern aus Kasachstan, sagte eine LAB-Sprecherin. „Wir haben uns entschlossen, alle 45 Personen in Separierung zu nehmen“, hatte Hintze zuvor dem Sender „Radio38“ gesagt.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass es nach dem Flug und der anschließenden Busreise weitere Fälle geben könnte. Hintze zufolge war die Gruppe vor zwei Tagen in Frankfurt am Main gelandet und am Donnerstag mit dem Bus nach Braunschweig gebracht worden. In der Aufnahmestelle im Stadtteil Kralenriede seien sie getrennt von den Asylsuchenden dort untergebracht. „Wir stehen im Austausch mit dem Gesundheitsamt Braunschweig, inwiefern für die komplette Gruppe eine Quarantäne angeordnet wird und wann eine zweite Testung der bisher negativ Getesteten erfolgt“, sagte Hintze.

Eigentlich hätten die Spätaussiedler ins Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen gebracht werden sollen. Die Kapazität dort ist aber nach einem Corona-Ausbruch mit 59 Infizierten erschöpft. „Wir sind voll und können derzeit keine weiteren Menschen mehr aufnehmen“, hatte Hintze dazu am Donnerstag gesagt. Friedland hat eigentlich 700 Betten. Derzeit befinden sich 317 in der Einrichtung. Die Aufnahmegrenze sei aber erreicht, weil infizierte und gesunde Bewohner getrennt untergebracht würden.

„Sommer der Möglichkeiten“: Erstes Konzert mit Publikum

Mit der Übertragung eines Eröffnungsfestes beginnt am Sonntag der „Sommer der Möglichkeiten“ des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF). Das Konzert, an dem zahlreiche Porträtkünstler der vergangenen Jahre mitwirken, wurde nach Angaben des Festivals vorab ohne Publikum auf Gut Hasselburg aufgezeichnet und wird am Sonntag auf 3sat und NDR Kultur ausgestrahlt (20.15 Uhr). Anstelle der Geigerin Janine Jansen werde der Pianist Kristian Bezuidenhout zu erleben sein, sagte eine Sprecherin des SHMF am Freitag.

Das erste Konzert mit Publikum des Festivalsommers wird nach Angaben des SHMF am 10. Juli stattfinden. Das Open Air-Konzert bei der Kulturakademie der Vorwerker Diakonie bestreitet den Angaben zufolge der Geiger Daniel Hope gemeinsam mit dem jungen Lübecker Pianisten Ilja Ruf und der Helene Blum & Harald Haugaard Band Open Air.

Das Festival sei unglaublich glücklich, Konzerte für Publikum vor Ort anbieten zu können, sagte Festival-Intendant Christian Kuhnt am Freitag. Das sei noch vor ein paar Wochen undenkbar gewesen. Damit wolle das Festival auch das Signal aussenden, dass die Kultur noch da sei, sagte er.

Keine zusätzlichen Sonntagsöffnungen in Schleswig-Holstein

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht keine Möglichkeit für zusätzliche verkaufsoffene Sonntage ohne Anlassbezug in Schleswig-Holstein. „Wir haben das intensiv geprüft, aber bedauerlicherweise lässt das Ladenöffnungszeitengesetz diese anlasslose Öffnung nicht zu“, sagte Buchholz. Die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein hatte angeregt, bis Jahresende an jedem ersten Sonntag im Monat die Möglichkeit für verkaufsoffene Sonntage ohne Anlassbezug zu schaffen.

Buchholz hält den Vorstoß der Wirtschaft zwar grundsätzlich für sinnvoll. Er habe deshalb in Gesprächen mit Kirchen und Gewerkschaften ausgelotet, ob diese eine entsprechende Gesetzesänderung akzeptieren würden, sagte Buchholz. „Leider konnte keine Lösung für diesen Weg gefunden werden.“ Kirchen und Gewerkschaft wären bei einer Gesetzesreform klagebefugt.

Der FDP-Politiker forderte die Kommunen auf, möglichst Anlässe zu schaffen – wenn auch in kleinerem Maßstab – um eine Sonntagsöffnung zu ermöglichen. Das könnten kleine Stadtfeste oder Stadtteilfeste sein, bei denen – unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln – idealerweise auch die derzeit notleidenden Schausteller oder andere Veranstalter in Schleswig-Holstein eingebunden werden.

Corona-Diagnosezentrum in Lüneburg schließt

Da im Landkreis Lüneburg alle mit dem Coronavirus infizierten Personen genesen sind, schließt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen ihr Diagnosezentrum in Lüneburg. Kreisweit wurden 167 Corona-Fälle registriert. Seit vergangenem Freitag haben 260 Menschen über das Bürgertelefon einen Termin im Landkreis erhalten, teilte eine Sprecherin mit.

Ab dem 11. Juli sollen niedergelassene Ärzte die Test-Abstriche vornehmen. „Das bedeutet: Wer vermutet, am Virus erkrankt zu sein, wendet sich an den Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117“, erklärte die Leiterin des Fachbereichs Soziales Yvonne Hobro.

Nach Corona-Pause: Handwerkskammer bietet Termine an

Die Handwerkskammer bietet wieder Beratungstermine am Holstenwall und am Elbcampus an. Besuche vor Ort sollten jedoch die Ausnahmeregelung bleiben, schreibt die Handwerkskammer auf ihrer Internetseite. Sollte eine direkte Beratung nötig sein, muss vorher ein Termin vereinbart werden. Auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist Pflicht.

Hamburger Virologe bremst Hoffnung auf "Superimpfstoff"

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit rechnet nicht damit, dass es im kommenden Jahr einen Impfstoff geben wird, der ein Leben lang vor dem Coronavirus schützt. Es sei sei wahrscheinlicher, dass es mehrere Impfstoffe geben wird, die „mehr oder weniger gut“ funktionierten, sagte er der Redaktion "Frühstart" von RTL/ntv.

„Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, so Schmidt-Chanasit, „Leben bedeutet aber eben auch leben und sich nicht in eine Glaskugel einzuschließen.“

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden zurzeit eine Reihe von Impfstoffen am Menschen getestet. Viele dieser Kandidaten werden sich nicht durchsetzen, schätzt Schmidt-Chanasit mit Blick auf die geringe Prozentzahl der Impfstoffe in Testverfahren, die im Schnitt Marktreife erlangen. Unter Idealbedingungen könne es frühestens im nächsten Jahr einen Impfstoff geben.

Wegen Corona: Virtuelle Millerntor Gallery

Die Millerntor Gallery, das soziale Kunst- und Kulturfestival von „Viva con Agua“ im Hamburger Millerntorstadion, findet in diesem Jahr virtuell statt. Vom 8. bis zum 10. Juli bietet Viva con Agua ein buntes Programm – Musiker, Aktivisten und Künstler treten auf. Auch die jedes Jahr stattfindende Kunstauktion für den guten Zweck weicht dieses Jahr ins Netz.

Die erste virtuelle Auktion findet bereits am kommenden Dienstag statt. Viele der zu ersteigernden Kunstwerke können Neugierige aber schon jetzt bestaunen.

Fegebank spricht mit Studierenden über Corona-Krise

Die Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hat mit Studenten der Universität Hamburg über deren Alltag in der Corona-Krise gesprochen. Dazu war Fegebank in der Wohnanlage Hammerbrook, wie sie über Instagram mitteilte.

Auch Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer des Studierendenwerks Hamburg, nahm an dem Termin teil. Fegebanks Fazit: "Es ist großartig, was die Hochschulen, das Studierendenwerk Hamburg und alle Studierenden während Corona gerade leisten."

Corona-Krise lässt Erwartungen der maritimen Wirtschaft abstürzen

Die Corona-Krise hat die Konjunkturerwartungen der maritime Wirtschaft abstürzen lassen. Sowohl Schiffbau, Hafenwirtschaft als auch Schifffahrt in Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein verzeichneten enorme Einbrüche beim Geschäftsklimaindex, wie aus der am Freitag veröffentlichten Frühjahrsumfrage der IHK Nord hervorgeht. Das Konjunkturbarometer in der Werftindustrie stürzte demnach von 123,7 auf 38,9 Punkte ab, das der Hafenwirtschaft um über 50 auf nunmehr 24,4 Punkte und in der Schifffahrt verlor der Index knapp 80 Punkte und steht nun bei 8,8 Punkten.

Bei den Werften sei vor allem der Kreuzfahrtschiffbau betroffen, erklärte die Vorsitzende der IHK Nord, Janina Marahrens-Hashagen. „Hier ist im Augenblick kaum abzusehen, wie sich die Lage weiter entwickelt.“ Neun von zehn der befragten Betriebe sähen große Probleme mit Blick auf die Auslandsnachfrage. „Um die deutschen Werften zu stützen und zu erhalten, sollte die von der Bundesregierung im Konjunkturpaket aufgeführte Ersatzbeschaffung von Schiffen zügig umgesetzt werden“, mahnte sie.

Die Häfen hätten große Ladungsrückgänge zu verbuchen. Viele Unternehmen hätten deshalb bereits Kurzarbeit angemeldet. Die norddeutschen Industrie- und Handelskammern forderten deshalb, die Anlaufkosten von Schiffen zu den deutschen Seehäfen nicht weiter zu verteuern. „Wir brauchen jetzt vor allem Maßnahmen, die schnell wirken und damit ein deutliches Bekenntnis zum maritimen Standort Norddeutschland“, betonte Marahrens-Hashagen.

Niedersachsen hebt Teilnehmergrenze für Veranstaltungen an

Die erlaubte Teilnehmerzahl für Veranstaltungen in Niedersachsen wird zum 6. Juli von 250 auf 500 angehoben. Das teilte die Landesregierung in Hannover mit. Man müsse immer zwischen dem Infektionsrisiko sowie der Ermöglichung des kulturellen Lebens und dem wirtschaftlichen Überleben der Veranstalter abwägen, erklärte Regierungssprecherin Anke Pörksen. Andere Bundesländer hätten schon jetzt eine höhere Obergrenze, ohne dass es zu größeren Corona-Ausbrüchen gekommen sei. „Deshalb wird auch Niedersachsen jetzt etwas mutiger.“ Das Land wolle aber vorsichtig und umsichtig vorgehen.

Voraussetzung für die Veranstaltungen ist weiterhin, dass die Zuschauer mindestens eineinhalb Meter Abstand zu anderen Gästen einhalten, wenn sie nicht zu einer gemeinsamen Gruppe von maximal zehn Personen gehören. Außerdem müssen die Gäste drinnen einen Mund-Nase-Schutz tragen und Sitzplätze einnehmen. Neu ist, dass sie den Mundschutz am Sitzplatz ablegen dürfen. Das sei vor allem für Kinos wichtig, für die der Verkauf von Popcorn, Cola und Eis wirtschaftlich besonders relevant sei, sagte der Referatsleiter für Recht und Verfassung der Staatskanzlei, Jens-Martin Weißer.

Fünf neue Corona-Fälle in Hamburg

Die Gesundheitsbehörde meldet am Freitag fünf Corona-Neuinfektionen in Hamburg. Damit haben sich seit Beginn der Pandemie 5216 Menschen mit Sars-CoV-2 angesteckt, 4900 gelten nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) inzwischen als wieder geheilt. Am Vortag hatte die Stadt ebenfalls fünf Neuinfektionen gemeldet.

Die kritische Rate erreicht das Infektionsgeschehen damit nicht: Erst, wenn die Anzahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 pro 100.000 Einwohner betrifft, muss der Senat über erneute Beschränkungen beraten. In Hamburg liegt der Wert aktuell bei 2,2.

In den Krankenhäusern werden aktuell 18 Infizierte stationär behandelt (drei Personen weniger als am Vortag), sieben davon auf der Intensivstationen (zwei davon kommen aus Hamburg, fünf aus dem Umland). Das sind drei beziehungsweise einer weniger als am Vortag.

Corona: Strom und Wasser werden in Hamburg günstiger

In vielen Hamburger Haushalten dürften die Strom- und Wasserrechnungen am Jahresende etwas geringer ausfallen. Vattenfall, Hamburg Energie und Lichtblick haben angekündigt, den von 19 auf 16 Prozent reduzierten Steuersatz in vollem Umfang an ihre Kunden weitergeben zu wollen. Denn auch für Strom gilt seit dem 1. Juli und bis zum 31. Dezember ein reduzierter Mehrwertsteuersatz.

Hamburg Wasser möchte die Senkung ebenfalls "fair und transparent" an seine Kunden weitergeben, wie das Unternehmen twitterte.

Zweite Auflage der Hamburger Hafenkonzerte für Seeleute

Die Deutsche Seemannsmission lädt zur zweiten Auflage der "Corona Port Concerts" in Hamburg ein, um auf die Lage von Seeleuten in der Corona-Krise aufmerksam zu machen. Am Sonntag ab 18 Uhr spielt die Hamburger Band Nervling für die Seefahrer und alle Interessierten. Das Konzert wird über Facebook live übetragen.

Während der Transitstrecken zwischen den Schiffen soll es zudem eine Gesprächsrunde zum Thema Crewwechsel in Corona-Zeiten geben. Diese Problematik müsse endlich gelöst werden, "damit Seeleute nie wieder Monate über ihren Vertrag an Bord verbringen müssen", teilte die Deutsche Seemannsmission mit.

13 weitere Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein gemeldet

In Schleswig-Holstein sind zuletzt innerhalb eines Tages 13 weitere offiziell erfasste Infektionen mit dem neuen Coronavirus gemeldet worden. Wie die Landesregierung auf ihrer Webseite unter Berufung auf das Robert Koch-Institut mitteilte, stieg die Zahl der positiv Getesteten mit Stand Donnerstagabend auf 3176.

Die Zahl der im Zusammenhang mit dem Virus Gestorbenen liegt nach wie vor bei 152. Rund 3000 der seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Virus Infizierten gelten inzwischen als genesen. In Krankenhäusern wurden zuletzt vier an Covid-19 Erkrankte behandelt.

Corona-Verstöße in Hamburg: Rund 9200 Bußgeldbescheide

Wegen Verstößen gegen die Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind von der Bußgeldstelle Hamburg bereits knapp 9240 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden. Mit Stand Ende Juni seien daraus 9153 Bußgeldbescheide ergangen, sagte Matthias Krumm, Sprecher des zuständigen Einwohnerzentralamts. Die in diesen Bescheiden verhängten Bußgelder belaufen sich demnach insgesamt auf 613.027 Euro. Der mit Abstand größte Teil sei wegen Verstößen gegen das geltende Abstandsgebot ergangen, die jeweils mit 150 Euro geahndet würden, sagte Krumm.

Die Bandbreite der Bußgelder reicht von eben diesen 150 Euro bis 5000 Euro. Sehr hohe Bußgelder werden etwa fällig, wenn trotz Verbots ein Gewerbe betrieben wird - beispielsweise eine Diskothek, die in Hamburg nach wie vor geschlossen bleiben muss. Durchweg handelt es sich dabei um Ordnungswidrigkeiten.

Die meisten Anzeigen bei der Bußgeldstelle stammen von der Polizei, die die Einhaltung der Corona-Regeln überwachen muss. Zumeist verhielten sich die Menschen nach wie vor kooperativ, sagte ein Sprecher. „Aber bei schönem Wetter stehen in der Schanze oder auf dem Alma-Wartenberg-Platz in Ottensen viele eng zusammen. Dann kommt der Alkohol dazu, und dann wird die Akzeptanz schon geringer.“

Hamburg: Senat beschließt weitreichende Corona-Lockerungen

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Erstes Open-Air-Dinner mit 50 Prominenten seit Pandemiebeginn

Der erste Eventveranstalter Hamburgs plant wieder Zusammenkünfte von Menschen: Sören Bauer veranstaltet am Freitag auf Gut Basthorst ein Open-Air-Dinner mit 50 geladenen Gästen. ZDF-Moderator Tim Niedernolte wird einen Vortrag zum Thema „Wunderwaffe Wertschätzung“ halten.

Auf der Gästeliste stehen Jan Hofer, Carlo von Tiedemann, Ralf Bauer, Mariella Ahrens und Sänger HP Baxxter. Bauer hatte in einer Umfrage unter Bekannten und Freunden ermittelt, ob die Bereitschaft zu einem Fest schon wieder da sei: „Angst schien keiner zu haben, vielleicht mag es auch niemand zugeben, zugesagt haben jedenfalls fast alle.“

Corona-Ausbruch nach Familienfeier: 160 Kieler in Quarantäne

Bei einer Familienfeier in Kiel haben sich mindestens sechs Erwachsene und ein Kind mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Dies sei am vergangenen Wochenende geschehen, sagte ein Sprecher der Stadt am Donnerstag. Zuvor hatten die „Kieler Nachrichten“ berichtet. Den Angaben zufolge arbeiten drei Infizierte in Einrichtungen der Altenhilfe. Ein sechs Jahre altes Kind besucht eine Kita der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Stadtteil Mettenhof, die am Mittwoch nach Bekanntwerden der Infektion geschlossen wurde.

Die Feier fand laut Stadt Kiel im Freien statt. Sie sei im Rahmen der geltenden Corona-Regeln erlaubt gewesen. Wegen der Ferien sei die Kita nicht voll besetzt gewesen, sagte der Sprecher. Die etwa 50 betreuten Kinder, Eltern und Erzieher seien in Quarantäne geschickt worden. Dort sind nun insgesamt 160 Kieler in der Quarantäne.

Am Freitag sollen an der Kita alle Kinder sowie Eltern und Erzieher auf Corona getestet werden. Von den Ergebnissen hänge die Wiedereröffnung ab, sagte der Sprecher. Die Altenhilfe-Einrichtungen mit Mitarbeitern, die bei der Feier dabei waren, seien noch nicht geschlossen worden. Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken (SPD) rief die Kieler auf, die Corona-Regeln strikt zu befolgen.

400 Besucher im Michel – Kirchenmusik wieder möglich

Die vom Senat beschlossenen Corona-Lockerungen erleichtern auch das kirchliche Leben. Seit dem 1. Juli ist es laut Hamburgischer Eindämmungsverordnung nicht mehr notwendig, dass die Namen und Kontaktdaten der Gottesdienstbesucher erfasst werden. „Für kulturelle Veranstaltungen müssen Kirchengemeinden aber weiterhin Kontaktdaten erheben“, sagt Susanne Gerbsch, Sprecherin von Bischöfin Kirsten Fehrs.

Landeskirchenmusikdirektor Hans Jürgen Wulf freut sich jedenfalls über die Öffnung für kirchenmusikalische Veranstaltungen. Für kleinere Konzertformate gebe es wieder Möglichkeiten, auch wenn große Konzerte noch nicht erlaubt seien. So stehe der Hamburger Orgelsommer in den Startlöchern, sagt Wulf. Damit kann Michel-Organist Jörg Endebrock am 15. Juli sein Einstandskonzert geben. Beim Ticketkauf geben die Besucher die vorgeschriebenen Kontaktdaten an. Der Michel kann im Kirchraum durch die neuen Regeln maximal 400 Besucher empfangen.

Udo Lindenberg hat den Corona-Blues

Panikrocker Udo Lindenberg hat den Corona-Blues. „Wir wären jetzt sechs Wochen auf Tournee gewesen, die großen Stadien, die großen Hallen. Und dass das nicht geht, das schmerzt natürlich sehr“, sagte der Sänger am Donnerstagabend vor der Premiere der Show „Paradiso“ im Schmidts Tivoli auf der Hamburger Reeperbahn. Da seien auch einige Tränen in der Panik-Familie geflossen. „Das ist unser Elixier, auf der Bühne“, meinte der Sänger, der wegen der Corona-Pandemie seine geplante Tournee absagen musste. Auch die vielen Fans bräuchten ihr „Udopium“.

19 Konzerte wollte der Deutschrocker von Mai bis Anfang Juli geben, unter anderem in Berlin, Zürich und Wien. Die Tournee wurde nicht verschoben, dafür soll es 2021 eine komplett neue Tour geben.

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Schmidts Tivoli hat wieder geöffnet

Nach fast vier Monaten Corona-Pause hat das Schmidts Tivoli auf der Hamburger Reeperbahn wieder geöffnet. „Herzlich willkommen im ersten deutschen Theater, das heute seinen Spielbetrieb wieder aufnimmt“, begrüßte Theaterchef Corny Littmann am Donnerstagabend seine Gäste. Zur Premiere schauten auch Prominente wie Panikrocker Udo Lindenberg und Sänger Sasha vorbei.

Für die Show „Paradiso“ wurde das Theater in eine tropische Oase verwandelt. Die Zuschauer sitzen in kleinen Inseln zusammen, statt der sonst üblichen 620 Zuschauer passen aber nur 255 Zuschauer in den Saal. Damit die Gäste die Abstandsregeln in Corona-Zeiten einhalten können, gibt es drei verschiedene Eingänge und zwei verschiedene Einlasszeiten. Während der 75-minütigen Show ohne Pause können die Zuschauer am Platz ihren Mundschutz abnehmen.

Insolvenzen von Kulturzentren wegen Corona befürchtet

In Niedersachsen sind zahlreiche Kulturzentren wegen der Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht. Drei Monate hatten soziokulturelle Einrichtungen und Vereine pandemiebedingt geschlossen, die Wiedereröffnung mit weniger Besuchern unter strengen Hygieneauflagen ist für viele nicht wirtschaftlich. „Wir sind in großer Sorge um unsere Mitglieder“, sagte Doris Klüver, Geschäftsführerin des Landesverbands Soziokultur. Die Verluste der über hundert Mitglieder allein während des Shutdowns belaufen sich Klüver zufolge insgesamt auf monatlich eine Million Euro.

Nach Angaben des Kulturministeriums in Hannover stehen über den ersten Nachtragsaushalt zehn Millionen Euro zur Absicherung der niedersächsischen Kultureinrichtungen zur Verfügung, sechs Millionen davon entfallen auf das Corona-Sonderprogramm für gemeinnützige Kultureinrichtungen und Kulturvereine. Weitere Landes- und Bundesprogramme seien in Vorbereitung. Das Land werde versuchen, dauerhafte Schließungen von Kultureinrichtungen zu vermeiden, sagte eine Ministeriumssprecherin.

2018 lagen die Einnahmen der soziokulturellen Einrichtungen landesweit bei mehr als 31 Millionen Euro, 16 Millionen davon erwirtschafteten sie selbst, etwa durch Eintritte, Vermietungen, Kursgebühren und Spenden. Beschäftigt sind in Niedersachsen in der Soziokultur nach Verbandsangaben mehr als 900 Angestellte, davon etwa 400 in Minijobs. Hinzu kommen fast 100 Auszubildende, vier Freiwillige und nahezu 700 Freiberufler. Aus Verbandssicht reichen die bisherigen Hilfsprogramme nicht aus.

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