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Großveranstaltungen in Hamburg? Grote bremst Hoffnung

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Andy Grote (SPD) bei einer Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft im Großen Festsaal im Rathaus (Archivbild).

Andy Grote (SPD) bei einer Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft im Großen Festsaal im Rathaus (Archivbild).

Foto: dpa picture alliance/Christian Charisius

Senator will Gästeregistrierung in Hamburg vereinheitlichen. Mindestens sieben Corona-Infektionen bei Familienfeier in Kiel.

Hamburg. Mit den seit Mittwoch geltenden Corona-Lockerungen kehrt in Hamburg in vielen Bereichen des Lebens langsam wieder der Alltag ein. Caterer und Veranstalter können wieder Events planen, Ruderer wieder trainieren und auch der Hamburger Fischmarkt dürfte theoretisch wieder öffnen – der Bezirk Altona muss jedoch noch ein entsprechendes Hygienekonzept vorlegen.

Konzerthäuser und Theater dürfen in Hamburg ebenfalls wieder öffnen. Den Anfang macht Schmidts Tivoli: Das Theater auf der Reeperbahn feiert am heutigen Donnerstag als erste Hamburger Bühne Premiere in Corona-Zeiten.

Hamburg: Senat beschließt weitreichende Corona-Lockerungen

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Hamburg: Senat beschließt weitreichende Corona-Lockerungen

Alle Entwicklungen zum Coronavirus in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen hier im Newsblog:

Großveranstaltungen in Hamburg? Grote bremst Hoffnung

Die Wahrscheinlichkeit für sportliche Großveranstaltungen in Hamburg in diesem Jahr wird immer geringer. „Die Vorzeichen sind nicht gut“, sagte der Hamburger Sportsenator Andy Grote (SPD) bei einer Online-Diskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Problem sei, dass diese Veranstaltungen im öffentlichen Raum stattfinden, und so eine Nachverfolgung möglicher Infektionen mit dem Coronavirus schwierig sei. Die Stadt habe „noch keine Idee vorgestellt bekommen“, wie das funktionieren könne, sagte der Senator.

Grote wies darauf hin, dass bundesweit kaum noch Großveranstaltungen stattfinden. Der Triathlon (5. September), der Ironman (6. September), der Marathon (13. September) und das Radrennen Cyclassics (3. Oktober) in der Hansestadt stehen damit mehr denn je auf der Kippe.

Sieben Corona-Fälle bei Familienfeier in Kiel

Bei einer Familienfeier in Kiel haben sich mindestens sechs Erwachsene und ein Kind mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Dies sei am vergangenen Wochenende geschehen, sagte ein Sprecher der Stadt. Zuvor hatten die „Kieler Nachrichten“ berichtet. Den Angaben zufolge arbeiten drei Infizierte in Einrichtungen der Altenhilfe. Ein sechs Jahre altes Kind besucht eine Kita im Stadtteil Mettenhof, die am Mittwoch geschlossen wurde.

Die Feier fand laut Stadt Kiel im Freien statt. Sie sei im Rahmen der geltenden Corona-Regeln erlaubt gewesen. Wegen der Ferien sei die Kita nicht voll besetzt gewesen, sagte der Sprecher. Die etwa 50 betreuten Kinder, Eltern und Erzieher seien in Quarantäne geschickt worden. Dort sind nun insgesamt 160 Kieler in der Quarantäne.

Am Freitag sollen an der Kita alle Kinder sowie Eltern und Erzieher auf Corona getestet werden. Von den Ergebnissen hänge die Wiedereröffnung ab, sagte der Sprecher. Die Altenhilfe-Einrichtungen mit Mitarbeitern, die bei der Feier dabei waren, seien noch nicht geschlossen worden. Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken (SPD) rieft die Kieler auf, die Corona-Regeln strikt zu befolgen.

Nach Corona-Pause: Holi-Kino und Savoy starten wieder

Nachdem das Abaton, das Metropolis und das Zeise-Kino bereits erste Filmvorstellungen gezeigt haben, öffnet am Freitag nun auch das Holi-Kino wieder seine Türen. Das Arthouse Kino mitten in Eimsbüttel feiert unter anderem mit dem Film "Undine" von Christian Petzold seine Wiederöffnung.

Zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus gilt im gesamten Kino eine Maskenpflicht, Kontaktdaten der Gäste werden erfasst und zwischen den Gästen werden Sitzplätze frei gelassen, wie Cinemaxx mitteilt.

Auch das Savoy-Filmtheater empfängt ab dem 11. Juli wieder Gäste – dann stehen zunächst die "Fantasy Film Nights" auf dem Programm.

Bäderland: Besucherandrang bleibt aus

Badegäste können seit Mittwoch wieder im Naturbad am Stadtparksee Bahnen schwimmen. Auch Hallen- und Sommerbäder dürfen wieder öffnen, wie der Senat am Dienstag verkündet hat. Frei- und Kombibäder durften schon im Juni Besucher empfangen. Nun dürfen Hamburger an insgesamt 17 Bäderland-Standorten baden. Neben dem Naturbad am Stadtparksee empfangen auch das Bille-Bad, Festland, Parkbad sowie die Schwimmhallen Blankenese, Inselpark, Ohlsdorf, Rahlstedt und Wandsbek erneut Badegäste.

Doch der Besucherandrang ist bislang ausgeblieben. „Die Besucherlimits sind am Dienstag nirgends ausgeschöpft worden“, sagt Bäderland-Sprecher Michael Dietel. In Ohlsdorf zählte er am Dienstagvormittag 35 Gäste. Platz sei für 200 Personen. Viele Hamburger wüssten nichts von den Corona-Lockerungen oder hielten sich aus Unsicherheit zurück, vermutet Dietel.

Wer wieder ins Wasser eintauchen möchte, muss sich online unter baederland-shop.de/tickets für einen von vier Zeiträumen anmelden und ein Ticket kaufen. Sprunganlagen und Rutschen bleiben wegen der Hygienevorschriften gesperrt. Auch Saunen und Thermen sind weiterhin geschlossen. Bäderland-Kurse werden voraussichtlich ab Mitte Juli stattfinden, allerdings im kleineren Umfang als vor Ausbruch der Pandemie. Geplant sind Wassergymnastik, sogenannte „Aqua Fitness“, und Schwimmlernkurse. Seepferdchenkurse werden aufgrund der Abstandsregeln nicht angeboten. Kursanmeldungen sollen ab Mittwoch, dem 8. Juli, möglich sein.

Senator will Gästeregistrierung vereinheitlichen

Gastronomen auch in Hamburg müssen die persönlichen Daten ihrer Gäste registrieren, damit eine mögliche Corona-Infektionskette nachvollzogen werden kann. Diese Vorschrift gilt zunächst bis zum 31. August, aber Wirtschaftssenator Michael Westhagemann geht davon aus, dass „wir diese Regelung noch über einen längeren Zeitraum beibehalten werden. Ziel ist aber eine möglichst einheitliche Registrierung der Gäste und nicht, dass jeder Wirt seine eigenen Zettel austeilt, sondern dass das per QR-Code über das Smartphone erfolgt.“

Am Mittwoch ließ sich der Senator im Café Caglar in Rothenburgsort die Gästeregistrierung per QR-Code vorstellen, die die Firma log2stay – eine Tochter der Tallence AG – entwickelt hat. „ Wer sich einmal registriert hat, wird vom System auch bei Besuchen in einem anderen teilnehmenden Restaurant wiedererkannt“, sagte Vorstand Martin Wagner. Westhagemann will nun prüfen, ob dieses Programm den Gastronomen zur Verfügung gestellt werden kann.

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Fast keine Kreuzfahrten mit Aida Cruises bis Ende August

Die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises hat ihre Fahrten bis Ende August abgesagt. An vielen weltweiten Destinationen seien die Bedingungen für sicheres Reisen noch nicht gegeben, teilte das Unternehmen am Donnerstag an seinem Sitz in Rostock mit. Die Kreuzfahrtsaison von Aida Cruises war im März zunächst bis April unterbrochen worden. Bereits mehrfach wurde danach um jeweils einen Monat verlängert.

Ausgenommen von der Verlängerung der Saisonunterbrechung bis Ende August seien einzelne Abfahrten von „Aida Perla“, „Aida Prima“ und „Aida Diva“ ab dem 15. August, von „Aida Bella“ ab dem 30. August und von „Aida Sol“ ab dem 25. August, heißt es auf der Internetseite des Kreuzfahrt-Anbieters. „Derzeit sind wir zuversichtlich, dass diese Reisen stattfinden können.“ Die „Aida Sol“ zum Beispiel soll auf einer zehntägigen Reise Norwegens Fjorde ansteuern, die „Aida Perla“ Norwegens Küste.

Interaktiv: Deutschlands Urlaubsgebiete im Corona-Vergleich:

Trotz Corona: Bahn hat noch Ausbildungsplätze

Trotz des zwischenzeitlichen Corona-Stillstands will die Deutsche Bahn im laufenden Jahr in großem Stil Nachwuchskräfte ausbilden. Bundesweit sollten 4700 junge Menschen ausgebildet werden - nach 4200 im Vorjahr, teilte die Bahn mit. Rund 4000 Zusagen seien schon erteilt, Restplätze gebe es aber auch in Niedersachsen noch.

Vom Corona-Lockdown seien niedersachsenweit rund 600 Auszubildende betroffen gewesen - diesen sei Homeschooling angeboten worden. Nach derzeitigem Stand könnten die Auszubildenden ihre Prüfungen ohne Verzögerung ablegen, der neue Azubi-Jahrgang wiederum könne pünktlich zum Ausbildungsstart im September antreten.

Mike Krüger dichtet „Nippel“-Song für Corona um

Der Hamburger Sänger Mike Krüger hat sich von der Corona-Zeit inspirieren lassen und seinen berühmten „Nippel“-Song („Sie müssen erst den Nippel durch die Lasche zieh'n“) umgedichtet. Ziemlich genau 40 Jahre nach der ersten Veröffentlichung des kultigen Liedes hat Krüger nun für die Hamburger „Bild“-Zeitung zwei Strophen neu gedichtet und zum Maskentragen und Installieren der Corona-Warnapp aufgerufen. „Wenn ich mich schon mal wieder nach Jahren zu irgendwas äußere, dann finde ich es ganz gut, wenn man sich in dieser Zeit dazu äußert, dass die Leute doch bitte ihre Masken tragen sollten und es wäre sehr nett, wenn noch mehr Menschen sich diese App runterladen würden“, sagte der 68 Jahre alte Komiker.

Und so dichtete der Musiker unter anderem: „Und heute trägt man Maske. Gegen Corona muss das sein. Denn die Maske schützt den Mensch und dämmt das Virus ein. Nur einigen von uns ist das Binden noch zu schwer, weshalb ich es noch einmal kurz erklär': Sie müssen nur die Maske aus der Tasche zieh'n, weil Viren dann quasi von alleine flieh'n. Auf Mund und Nase kommt das Tuch, das Band über die Ohren. Und dann hat Corona bald verlor'n!“Er habe, um niemanden zu beleidigen, ein „bisschen länger“ am Text herumgeschrieben. „Aber ich glaube, es ist ganz gut geworden.“ Weiter vermarkten oder veröffentlichen werde er das Lied nicht. Aber: „Wenn sich das Gesundheitsministerium dranhängen will, könnten die das gern verwenden!“

Mike Krüger und seine Frau haben aus Vorsicht schon Masken getragen, als es hier noch nicht üblich war. „Da war ich noch der einzige im Laden und alle haben mich ziemlich dämlich angeguckt.“

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten

Weitere Corona-Infizierte in Friedland

Die Zahl der Corona-Infektionen im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen ist weiter gestiegen. Bei den jüngsten Untersuchungen seien elf weitere Aussiedler positiv getestet worden, sagte eine Sprecherin der niedersächsischen Landesaufnahmebehörde (LAB). Die Gesamtzahl der Infizierten betrage inzwischen 59. Betroffen seien knapp 50 Spätaussiedler, aber auch einige Asylsuchende und Mitarbeiter der Einrichtung. Weil infizierte und gesunde Bewohner getrennt untergebracht würden, sei die Kapazität des Lagers erschöpft. „Wir sind voll und können derzeit keine weiteren Menschen mehr aufnehmen“, sagte die LAB-Sprecherin. Friedland hat eigentlich 700 Betten. Derzeit befinden sich 317 in der Einrichtung.

Nachdem das Virus Sars-CoV-2 vor gut einer Woche bei einer neu angekommenen Familie nachgewiesen worden war, wurden Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung sowie die neu ankommenden Spätaussiedler nach und nach getestet. Einige Ergebnisse stehen nach Angaben der Aufnahmebehörde noch aus.

Elbphilharmonie startet am 1. September in die Konzertsaison

Mit der neuen Hamburger Corona-Verordnung steht auch der Start in die diesjährige Konzertsaison der Elbphilharmonie endgültig fest. Das Haus an der Elbe kann vom 1. September 2020 an wieder vor Publikum spielen. Die Konzertsaison werde mit 620 Gästen im Großen Saal vom NDR-Elbphilharmonie-Orchester unter Alan Gilbert eröffnet, wie der Norddeutsche Rundfunk NDR mitteilte.

Zum Auftakt spielt das Orchester die Sinfonie Nr. 2 von Johannes Brahms. Zudem wird das Violinkonzert Nr. 1 von Sergej Prokofjew zu hören sein. Bis zum 5. September sollen die restlichen Brahms-Sinfonien folgen. Die vier Sinfonien gehören seit der Gründung des Orchesters vor 75 Jahren zum festen Stammrepertoire.

Die Saison startet auch in der Elphi unter besonderen Bedingungen: Die Konzerte werden etwa eine Stunde dauern und es wird keine Pause geben. Dafür sollen die meisten Konzerte zweimal hintereinander gespielt werden. Auf allen Laufwegen müssen Mund-Nase-Masken getragen werden, auf den Plätzen und in den Foyers nicht. Der Vorverkauf startet am 4. August.

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Virtueller Schlager-Move mit 52 Musiktrucks

Auch der Schlagermove muss wegen der Corona-Pandemie dieses Jahr ins Netz weichen – mit Rekordbeteiligung. Insgesamt 52 Musiktrucks wollen am Sonnabend an der Online-Schlagerparty teilnehmen.

Ab 15 Uhr legt DJ Vossi vier Stunden lang auf. "Der Schlagermove ist für mich eine echte Herzensangelegenheit und alljährlich ein großes Familientreffen hinter und vor der Bühne sowie an den Musiktrucks. Jetzt freue ich mich aber sehr darauf, die große Schlagermove Gemeinde vor dem Livestream zu versammeln und vier Stunden gemeinsam zu feiern", so der DJ. Schlager-Fans und Neugierige können über Facebook oder Vimeo live dabei sein und Fotos von ihrer Party online hochladen.

Der Veranstalter hofft zudem darauf, dass die Schlagerfans während der Party fleißig spenden. Die Crowdfunding-Spendenaktion unter anderem für den Erhalt des Schlagermoves zugunsten des Fördervereins ist bereits online. „Wir haben das symbolische Ziel von 4720 Euro - bezogen auf den 4. Juli 2020 - eingetragen.“ Das dürfe gern übererfüllt werden.

Coronavirus – die Bilder zur Krise