Senatsprogramm

Trotz Corona: Hamburg bewegt sich auch in diesem Sommer

Sport im Freien – wie hier im Stadtpark – ist seit einigen Wochen wieder erlaubt, vom 1. Juli an bei bis zu zehn Personen auch mit Kontakt.

Sport im Freien – wie hier im Stadtpark – ist seit einigen Wochen wieder erlaubt, vom 1. Juli an bei bis zu zehn Personen auch mit Kontakt.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Beim 3. Active City Summer werden 1400 Sportkurse kostenlos angeboten. Absage kam für Sportsenator Andy Grote nicht infrage.

Hamburg.  Die Stadt und ihre Menschen fitter, gesünder, widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Viren und Bakterien zu machen, ihnen dazu ein positives Lebensgefühl zu vermitteln, das ist seit 2016 eines der Ziele des Senatsprogramms Active City, das weltweit Beachtung findet.

Im dritten Jahr in Folge startet deshalb in diesen Tagen der Active City Summer. Das sind von Juli bis September mehr als 1400 kostenlose einstündige Sportangebote der Vereine zum Mitmachen für jedermann, im Freien, ohne Zwang – aber diesmal mit vorheriger Anmeldung. Corona macht’s nötig. Die Nachverfolgung der Teilnehmer soll wie bei allen inzwischen erlaubten Veranstaltungen gewährleistet bleiben, um möglichen Infektionsketten nachgehen zu können.

Absage kam für Sportsenator Grote nicht infrage

Die Absage der Kampagne kam für Sportsenator Andy Grote nicht infrage, „gerade jetzt wollen wir ein Signal setzen: Sport findet wieder statt. Der Sportmotor muss wieder ins Laufen kommen“. Dafür nimmt die Stadt fast 100.000 Euro in die Hand, mehr Geld als in den beiden Vorjahren. Die weiteren Lockerungen, die der Senat heute Vormittag beschließen will (siehe auch Seite 11), passen dazu.

Kontaktsport mit bis zu zehn Personen wird im Freien wieder gestattet, das betrifft auch Zweikämpfe bei Mannschaftssportarten. Die waren im Amateurbereich bislang untersagt. Beim Hallensport bleibt es vorerst bei den bisherigen Bestimmungen: Hier muss weiter der vorgeschriebene Abstand von 2,5 Metern gewahrt werden. Auch der Wettkampfbetrieb kann im Freien unter Auflagen wieder aufgenommen werden. Wettkämpfe mit bis zu 1000 Zuschauern wären mit entsprechender Genehmigung denkbar, sofern auch hier die geltenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Sportarten mit maximal zehn Personen sind erlaubt

Beachvolleyball, Kanu, Kampfsport Rudern (alle Großboote), Schwimmen, Segeln, Tennis (Doppel) und alle weiteren Sportarten mit maximal zehn Personen können damit vom 1. Juli an in ihren gewohnten Betrieb zurückkehren, wenn sie im Freien ausgetragen werden. Fußballspiele mit 22 Akteuren sind unterhalb des Profibereichs weiter nicht gestattet, der Trainingsbetrieb bei entsprechenden Gruppengrößen schon. Die Regelungen zum Duschen und Umkleiden, bislang nur eine Person zurzeit, sollen ebenfalls gelockert werden, Saunen bleiben noch geschlossen. Hallenbäder dürfen jedoch wieder öffnen (Abendblatt berichtete).

Die Genehmigungen für die geplanten Großveranstaltungen Triathlon (5. September), Ironman (6. September), Marathon (13. September) und Cyclassics (3. Oktober) stehen dagegen aus. Grote will zwar alles dafür tun, „was wir können, dass sie stattfinden“, er bleibt allerdings skeptisch: „Im Moment sieht es für die Straßenevents nicht gut aus. Wir können kein Format planen, von dem wir bereits wissen, dass es nicht zu managen sein wird.“ Die betreffenden Agenturen hatten in der vorvergangenen Woche ihre umfänglichen Hygiene- und Sicherheitskonzepte bei der Stadt eingereicht, „die gelten aber nur für die Teilnehmer, nicht aber für die Zuschauer am Straßenrand“, schränkte Grote ein.

Rahmenproramm ist gestrichen

Der Senator sieht hier die Veranstalter mit in der Pflicht, weitere Konzepte zu erstellen. Ohnehin sind Rahmenprogramm, Tribünen im Zielbereich, Musik , Moderation und Hotspots an den Strecken gestrichen, „und wir werden auch niemanden auffordern, den Läufern zuzuschauen“, sagte Marathon-Chef Frank Thaleiser. Doch das reiche nicht, betonte Grote. Für den September habe er im Moment wenig Hoffnung, zudem müssten die Behörden die Infektionszahlen nach dem Ende der Sommerferien Anfang August genau analysieren.

Partner Rewe bewirbt die Aktion

Den Active City Sommer, den die Agentur Sportplatz GmbH organisiert, betrifft dies alles nicht. Hatten im vergangenen Jahr 9238 Hamburgerinnen und Hamburger die damals rund 1000 Angebote wahrgenommen, rechnet Sportplatz-Chef Werner Richnow jetzt mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahl. Der Lebensmittelkonzern Rewe, als Ernährungsberater einer von fünf Partnern, macht in seinen Märkten mit rund einer Million Handzettel auf die Vielzahl der Möglichkeiten vor Ort aufmerksam.

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Bisher machen 26 Vereine mit (Vorjahr 30), zehn weitere haben ihre Bereitschaft signalisiert. Unter activecitysummer.de können alle Sportkurse eingesehen werden. Im vergangenen Jahr waren das 93 niedrigschwellige Bewe­gungs­angebote an 74 Standorten, vom Boxen bis zum Waldbaden, diesmal sind es mehr als 100. Professionelle Trainer leiten die Kurse, Stand-Up-Paddling, Rudern und Parcours kommen unter anderem als Sportarten neu dazu.

"Die beste Prävention bleibt Bewegung"

Sport an der frischen Luft stärkt die Immunkompetenz, schützt vor Infekten, mildert zumindest den Krankheitsverlauf. „Die beste Prävention bleibt Bewegung“, sagt der Hamburger Sportmediziner Prof. Klaus-Michael Braumann. Und Sport macht auch Spaß. Diese Erfahrung können jetzt alle Hamburgerinnen und Hamburger wieder kostenlos machen.