Bildungspolitik

Hamburg plant 130 neue Schulturnhallen bis 2027

Visualisierung: So soll die Sporthalle der Grundschule Mendelstraße aussehen.

Visualisierung: So soll die Sporthalle der Grundschule Mendelstraße aussehen.

Foto: Mohrmann Bau GmbH

Stadt will 60 Millionen Euro in Neubau und Sanierung von Sportstätten stecken. Opposition spricht von Wahlkampfmanöver.

Hamburg. Wenn mit Finanzsenator Andreas Dressel, Sportsenator Andy Grote und Schulsenator Ties Rabe (alle SPD) gleich drei Behördenvorsteher etwas zu verkünden haben, muss es sich um Bedeutendes handeln. Der Plan, den das Trio vier Wochen vor der Bürgerschaftswahl vorstellte, ist dann auch ehrgeizig genug: Bis Ende des Jahres 2027 sollen 130 neue Schulturnhallen gebaut, 149 saniert, 20 abgerissen werden. Kosten: rund 600 Millionen Euro. Hamburg investiert damit deutlich mehr als jede andere deutsche Stadt in seine Sportin­frastruktur. Werden die bisher erfolgten Maßnahmen der vergangenen Dekade dazugerechnet, summiert sich der finanzielle Einsatz für den städtischen Sportstättenbau auf über eine Milliarde Euro. „Das werden ,Golden Twenties‘ für den Sport“, bewertet Jürgen Mantell, der Präsident des Hamburger Sportbundes (HSB), das Senatsprogramm.

Übersicht über alle Sporthallen in Hamburg

Schülerzahl steigt in den nächsten zehn Jahren um 25 Prozent

Notwendig ist es. Die Schülerzahl steigt in Hamburg in den nächsten zehn Jahren um bis zu 25 Prozent, um geschätzte 40.000 bis 50.000 auf bis zu 250.000. 3000 Lehrer sollen deshalb zusätzlich angestellt werden, es wären dann 18.000. 44 neue Schulen sind in den sieben Bezirken in Planung. Der Vereinssport profitiert von dem Ausbau, weil die Clubs in der Regel nach 17 Uhr die Hallen entgeltfrei nutzen dürfen, einige inzwischen bis 24 Uhr und in allen Schulferien. Mehr Bewegungsmöglichkeiten gab es noch nie in dieser Stadt.

Ziel bleibt es darüber hinaus, neben den Neubauten auch den Bestand, derzeit 564 Hallen mit insgesamt 743 Feldern und rund 430.000 Quadratmetern Fläche, in Ordnung zu halten. „In der Vergangenheit hat die Stadt Teile ihres Immobilienbesitzes verlottern lassen. Der Substanz- und Werterhalt öffentlichen Eigentums ist aber genauso wichtig wie der Bau neuer Einrichtungen“, betont Finanzsenator Dressel. Gab Hamburg in den Jahren 2000 bis 2009 durchschnittlich rund 150 Millionen Euro jährlich für den Schulbau aus, waren es in der Dekade danach zwischen 350 bis 420 Millionen im Jahr, rechnet Rabe vor. Künftig könnten es noch mehr werden.

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Die städtische Tochter Schulbau Hamburg (SBH) bewertet seit geraumer Zeit den Zustand der Sporthallen mit Schulnoten. Während im Jahr 2014 nur die Hälfte der Anlagen in befriedigendem, gutem oder sehr gutem Zustand waren, Durchschnittsnote 3,38, sollen 2027 bis zu 98 Prozent ordentliche Bewertungen erhalten. Angestrebte Durchschnittsnote: 1,98; aktuell: 2,73. Investitionen in seine Schulsporthallen muss Hamburg bisher allein schultern, der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte jedoch Ende vergangenen Jahres angekündigt, einen neuen „Goldenen Plan“ für den Sportstättenbau aufzulegen, Kosten 60 Milliarden Euro. Auf Hamburg entfielen nach üblichem Verteilungsschlüssel 2,4 Prozent, 1,44 Milliarden Euro.

Grote will auch weiter Bau und Sanierung vereinseigener Anlagen fördern

Um die Nutzung städtischer Sportstätten zu optimieren, soll die Realisierungsgesellschaft Gebäudemanagement Hamburg (GMH) mit Bau und Betrieb 14 bezirklicher Sporteinrichtungen betraut werden. Der von Dressel vor einem Jahr gegründete Nutzerbeirat Schulsportanlagen klärt Bedarf und Grad der Ausstattung, in Rücksprache mit ortsansässigen Vereinen und dem HSB. Auch Interessen des Leistungssports sollen berücksichtigt, kleinere mobile Tribünen, wo nötig, vorgehalten werden.

Neben dem städtischen Schulturnhallenbau will Sportsenator Grote weiter Bau und Sanierung vereinseigener Anlagen fördern. Zudem plant die Stadt ein Regionalliga-Fußballstadion in Altona und unterstützt politisch den Bau einer Mehrzweckhalle („Elbdome“) für bis zu 9000 Besucher, die Tomislav Karajica, Mehrheitsgesellschafter des Basketball-Bundesligaclubs Hamburg Towers, realisieren möchte. Bei der schwierigen Suche nach einem geeigneten Standort für das privat finanzierte 150-Millionen-Euro-Projekt gilt jetzt der Busbahnhof/Parkplatz an der S-Bahnstation Veddel als Favorit. Mit einer Entscheidung ist frühestens Mitte des Jahres zu rechnen, Baubeginn wäre wohl nicht vor 2023. Die Rathaus-Opposition begrüßt die Pläne, moniert aber den Zeitpunkt der Verkündung kurz vor den Wahlen.

Daniel Oetzel, sportpolitischer Sprecher der FDP, klagt zudem: „Dringend erforderlich wäre ein solches Programm auch für Sportplätze. Hier sind die Sportflächen in den vergangenen Jahren nicht mit der Bevölkerung mitgewachsen (5,8 Prozent), sie sanken von 2013 bis 2018 um rund 50.000 Quadratmeter, was einem Rückgang von 1,8 Prozent entspricht.“ Oetzel fordert, um die Nutzungszeiten der Anlagen zu erweitern, den verstärkten Ausbau von Flutlichtanlagen.