Musikmanagerin im Porträt

Bettina Dorn: Die Frau, die die Weltstars holt

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Musikmanagerin Bettina Dorn.

Musikmanagerin Bettina Dorn.

Foto: Gesche Jäger

Madonna, Ed Sheeran oder James Blunt in der Elbphilharmonie: Für die Musikmanagerin ist das Beruf und Berufung.

Hamburg. Sie ist mit Michael Stipe­, dem Sänger der US-Rockband R.E.M., durch die Max-Beckmann-Ausstellung in der Münchener Pinakothek gezogen, sie hat den britischen Sänger Ed Sheeran für ein Konzert auf die Zugspitze gebracht, und sie hat mit Künstlern wie den Red Hot Chili Peppers, Madonna, Coldplay oder Tracy Chapman zusammengearbeitet. Und das Geisterkonzert von James Blunt im März im coronabedingt leeren Großen Saal der Elbphilharmonie hat Bettina Dorn auch organisiert.

Sie ist seit mehr als 20 Jahren im Musikgeschäft, arbeitet als Senior Director bei Warner Music Central Europe in der HafenCity. Ein Job, bei dem nicht viel Zeit für andere Dinge bleibt, könnte man meinen. Aber die 46-Jährige definiert sich weniger als gedacht über ihre spannende Arbeit in der Musikbranche. Vor allem ist sie eine Kunstliebhaberin, der es gelingt, beide Leidenschaften auszuleben.

„Während James Blunt im Großen Saal mit seiner Band aufgetreten ist, stand ich hinter der verschlossenen Tür und habe es auf einem Monitor verfolgt. Das war schon echt schräg“, sagt Bettina Dorn. „Er ist ein ein absoluter Profi und hat gespielt, als sei full house.“ Dieser Abend im März bleibt unvergessen und war ein großer Erfolg für sie. Ihr Job ist es, Künstler mit Marken zusammenzubringen, Kooperationen zu ermöglichen und eben auch solche ungewöhnlichen Konzerte auf die Beine zu stellen. Dieses Konzert, das weltweit 1,7 Millionen Menschen per Streaming verfolgten, war auch für sie eine neue Herausforderung.

Bettina Dorn mag es, neue Dinge auszuprobieren

Bettina Dorn hat diese Situationen gemeistert. Beim Treffen an diesem warmen Sommertag strahlt die 1,84 Meter große Frau Souveränität und Lässigkeit aus und erweckt den Anschein, als könnte sie so leicht nichts aus der Ruhe bringen. Sie erzählt bedacht, man hört ihr gern zu. Und doch mag sie es gern, wenn etwas los ist, und sagt: „Stillstand ist der Tod. Ich brauche Input.“

Sie mag es, neue Dinge auszuprobieren. Abwechslung bekommt sie beruflich reichlich. „In der Musikbranche gibt es permanent Veränderungen“, sagt sie. Flexibel ist sie, muss sie sein. Gerade jetzt: Genau wie so viele andere auch arbeitet sie derzeit von zu Hause aus an ihrem Schreibtisch in Rissen am Klövensteen statt in ihrem Büro in der HafenCity.

In Rissen lebt die gebürtige Bayerin mit ihrem Mann und Hund Nevio, einem italienischen Vorstehhund, einem Spinone Italiano, um genau zu sein. Spinone heißt übrigens Dorn. „Er kam mit dreieinhalb Jahren zu uns, weil der Züchter ihn nicht mehr wollte“, sagt Bettina Dorn. Der Hund ist ein Familienmitglied. „Auch wenn er viele Haare und vier Beine hat.“ So schön es zu Hause ist, vermisst sie doch ihr Team, die zehn Kollegen, mit denen sie eng zusammenarbeitet, mit denen sie sich auf einen Kaffee trifft und austauscht. „Wir sind eben soziale Tierchen. Aber es nützt ja nichts“, sagt sie und macht das Beste aus der Situation. Momentan ist sie weniger unterwegs und sieht in der Krise auch das Gute: „Mein Mann und ich haben es endlich geschafft, unseren Garten zu gestalten“, erzählt sie. „Das hatten wir schon so lange vor und wäre ohne Corona nicht so schnell passiert.“ Zu Hause, sagt sie, ist es auch schön.

Sie interessiert sich für andere Lebensweisen

Umtriebig und unterwegs war sie schon früher sehr viel. Als Schülerin ging es für ein Jahr aus München ins kalifornische San Diego. Dort war sie auch, als in Deutschland die Mauer fiel. „Da wäre ich sehr gern dabei gewesen, zumal meine Eltern ursprünglich aus West-Berlin kommen.“ So hat sie die Bilder damals nur im amerikanischen Fernsehen sehen können.

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Das Leben in San Diego an der mexikanischen Grenze gefiel ihr gut, das Zusammenkommen der Kulturen hat ihr imponiert. Immer noch interessiert sie sich für andere Lebensweisen. Und so sind auch die gängigen Urlaubsziele nichts für sie. Sie zieht es an exotischere, unbekanntere Orte. Ein bisschen Abenteurer eben. Bhutan, die Tundra und die Steppe in Georgien stehen noch auf ihrer Liste. „Es ist so spannend, neue Kulturen zu erleben.“ Und zwar am liebsten hautnah und nicht wie ein gewöhnlicher Tourist. „Das, was noch nicht touristisch erschlossen ist, reizt mich.“ Bettina Dorn mag es außergewöhnlich. Früher schon.

Als junge Frau hat sie acht Wochen in Nepal bei einem Entwicklungsprojekt mitgeholfen, Englisch unterrichtet und bei einer einheimischen Familie gelebt. Danach ist sie mit einer Freundin allein im Himalaja gewandert. Diese Erfahrung in Nepal war eine wichtige Zeit nach ihrem Studium der Kommunikationswissenschaften in München.

Ursprünglich wollte sie Bildhauerei studieren

Ursprünglich wollte sie Bildhauerei studieren, „aber ich musste mir nach einer Vorbesprechung an der Kunstakademie in München eingestehen: So eine Rakete wie meine Konkurrenten war ich nicht. Ein Künstler-Gen gehört eben dazu.“ Also hat sie ihr zweites Hobby, die Musik, zum Beruf gemacht, hat ein Jahr lang in New York gearbeitet, bevor sie 2000 nach Hamburg kam. Ein Ziel setzen und verfolgen, das kann sie: „Ich wollte unbedingt nach New York und bin damals bei meinem Traumlabel Sire Records gelandet. Die Stadt habe ich aufgesogen.“

Diese Musik hat sie sehr geprägt: Depeche Mode, Madonna, Talking Heads. Wer sie noch beeindruckt? „k.d. lang hat eine der schönsten Stimmen, die ich kenne, oder Michael Stipe – ein außergewöhnlicher Künstler mit einem tollen Charisma.“ Genau wie sie ist Stipe sehr an Kunst interessiert. Aus dem Grund waren sie während der MTV Music Awards damals in München dann auch in der Max-Beckmann-Ausstellung. Eine Erinnerung, die haften geblieben ist. Michael Bublé, James Blunt – das sind außergewöhnliche Typen, „die haben ihre Berufung gefunden, sind mit Leidenschaft dabei“. Über die unangenehmen und divenhaften Stars schweigt sie. Auch wenn damals nichts aus dem Bildhauerstudium geworden ist: Die Liebe zur Kunst ist geblieben und begleitet ihr Leben. Sie geht gern mit ihrem Mann, einem Kunsthändler, in Ausstellungen und Museen, sie fahren dafür auch schon einmal zu Schauen nach England. Ihr Favorit aber ist in Dänemark: „Mein Lieblingsmuseum ist das Louisiana Museum of Modern Art in Kopenhagen.“

3 Fragen

  • 1. Was ist Ihr wichtigstes persönliches Ziel für die nächsten drei Jahre? Dass ich weiter glücklich und gesund bin.
  • 2. Was wollen Sie in den nächsten drei Jahren beruflich erreichen? Ich möchte mit meinem großartigen Team unsere Abteilung weiterentwickeln und unseren Beitrag zum Unternehmenserfolg steigern. Alternativ könnte ich mir vorstellen, mit meinem Mann nach Sedona, Arizona, in das Haus von Max Ernst und Dorothea Tanning zu ziehen und sich der Kunst zu widmen.
  • 3. Was wünschen Sie sich für Hamburg in den nächsten drei Jahren? Im Bereich der Subkultur müsste die Stadt Impulse setzen – nicht nur im Musikbereich. Es gibt keine Spielstätte für 3000 bis 4000 Besucher, das verstehe ich nicht.

Bettina Dorn malt Bilder, die in ihrem Zuhause in Rissen hängen, und sie belegt begeistert Kurse an der Volkshochschule. Vor etwa vier Jahren hat sie den ersten Kurs besucht. „Ich wollte mit Schrott arbeiten“, sagt sie und hat einen Schweißerkurs gebucht. Das Ergebnis, ein Schimpanse, steht in ihrem Garten. Es kamen Siebdruck und Handlettering dazu. Acht Kurse hat sie bislang absolviert, weitere werden folgen.

Vier Tage beim Bildhauer-Kurs der Volkshochschule

Für Intensivkurse nimmt sie sogar Urlaub und verbringt so beispielsweise vier Tage lang mit Bildhauern im Hafen. „Kunst ist mein Freiraum, meine Art von Wellness. Andere fahren an den Strand, ich buche VHS-Kurse.“ Auch wenn ihre Kollegen zunächst gelacht haben: „Wie? Du gehst zur Volkshochschule?“ Aber warum nicht? Die Kunstliebhaberin bricht eine Lanze für die VHS: „Dort kommen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und sozialen Schichten zusammen, das ist toll und bereichernd.“

Berührungsängste hat sie keine. Als weltoffener Mensch mag sie genau das: andere Typen treffen, nicht immer im eigenen Saft schmoren und offen sein, auch für das Ungewöhnliche. Das trifft auch auf die Kunst zu. Dorn: „Es gibt eben in Hamburg noch mehr als Elbphilharmonie und ,König der Löwen‘. Meiner Meinung nach könnte mehr im Bereich Popkultur und Kunst fernab vom Mainstream passieren: unabhängige Kunstgalerien, kleine Musikclubs und so weiter – hier entstehen neue Impulse. Diese brodelnde Subkultur zu fördern, das fehlt mir ein bisschen.“

Nächste Woche: Dorothee Martin, Sozialdemokratin und seit Kurzem Abgeordnete des Bundestages

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