Hass im Internet

Hamburgs Polizisten befürchten Gewalt wie in Stuttgart

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Kann es in Hamburg wie in Stuttgart zu Gewaltexzessen "wie aus dem Nichts" kommen? Die Gewerkschaft der Polizei warnt vor dem Einfluss der sogenannten Gewalt-Poser und dem Hass im Internet.

Kann es in Hamburg wie in Stuttgart zu Gewaltexzessen "wie aus dem Nichts" kommen? Die Gewerkschaft der Polizei warnt vor dem Einfluss der sogenannten Gewalt-Poser und dem Hass im Internet.

Foto: Christian Charisius / dpa

Gewerkschaft der Polizei: "Gewalt-Poser" provozieren Krawalle aus dem Nichts. Haben Aktivisten Videos manipuliert?

Hamburgs Polizisten befürchten, dass eine Eskalation von Gewalt wie in Stuttgart jederzeit auch an Alster und Elbe passieren könne. Vor allem mit Blick auf das kommenden Wochenende und angekündigte Demonstrationen und Proteste sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Hamburg (GdP), Lars Osburg, dem Abendblatt: Die Ausschreitungen in Stuttgart seien nur die Spitze eines Eisbergs. „Hinzu kommt, dass wir immer häufiger erleben, dass manipulierte Videoaufnahmen polizeilicher Einsätze anonym in sozialen Netzwerken auftauchen, um den Hass auf meine Kolleginnen und Kollegen und auf den Rechtsstaat zu schüren.“

Osburg, der als Polizist in St. Georg arbeitet, bekomme das täglich zu spüren. Die GdP beklagte am Donnerstag das weit verbreitete Verabreden zur Gewalt in sozialen Netzwerken und forderte, dass der Hamburger Senat und namentlich Innensenator Andy Grote sich vor die Beamten stelle und „staatlichen Rechtsschutz“ gewähre.

Hamburg: Krawalle wie in Stuttgart?

Im Gespräch mit dem Abendblatt sagte Osburg: Nach dem Vorbild anderer Städte müsse Hamburg eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft einrichten, die „generell die konsequente Strafverfolgung von Hassdelikten im Internet sicherstellt“. Grote solle dazu die Initiative ergreifen. Nehme man alle Beleidigungen und Attacken gegen Feuerwehrleute, Polizisten, städtische Mitarbeiter wie Müllwerker und Bademeister zusammen, ergebe sich erst die tatsächliche Dimension von Hass und Gewalt, so Osburg.

Der Polizist sprach die Situation auf St. Pauli und im Schanzenviertel direkt an. „Hier gibt es im Moment bereits einen erheblichen Handlungsbedarf für die Polizei, um die unzähligen feiernden Menschen zur Einhaltung der Regeln des Infektionsschutzes zu bewegen.“ Für das kommende Wochenende sei zudem eine Demonstration angemeldet worden – von einer „gewaltorientierten, linksextremistischen Gruppierung“.

Gewerkschaft der Polizei beklagt "Gewalt-Poser"

Den Hass im Netz sieht die Polizeigewerkschaft auch als ursächlich für sogenannte „Gewalt-Poser“. Das seien Menschen, die eigentlich unpolitisch seien, aber sich „bewusst vor laufender Kamera inszenieren“. Dabei suchten sie die Auseinandersetzung mit der Polizei. Diese Videos kursierten dann als Trophäen in sozialen Netzwerken. Dieser Ausbruch von Gewalt wie in Stuttgart könne jederzeit auch in Hamburg „aus dem Nichts“ entstehen.

Osburg wies darauf hin, dass derzeit Videos kursierten, die Polizeieinsätze verzerrt wiedergäben. Das sei auch so bei dem Polizeieinsatz bei der Anti-Rassismus-Demonstration in Hamburg gewesen. Oft begännen die Filmsequenzen zeitlich dort, wo die Polizei eingreife. Das „Vor-Tat-Geschehen“ werde gezielt ausgeblendet. „So wird Stimmung gegen die Polizei gemacht."

( ryb )

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