Corona-Lockerungen

Schulsenator: Normaler Unterricht wieder nach den Ferien

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Insa Gall
Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) will die Schulen nach der Corona-Krise schrittweise öffnen lassen – für den Regelbetrieb nach den Sommerferien. (Archivbild)

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) will die Schulen nach der Corona-Krise schrittweise öffnen lassen – für den Regelbetrieb nach den Sommerferien. (Archivbild)

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Corona-Lockerungen: Hamburgs Schulsenator Ties Rabe nach Tagung mit Virologen und Ärzten zuversichtlich. Doch es gibt einen Plan B.

Hamburg. Nach einer Fachtagung, zu der Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) mehrere Kultusminister anderer Bundesländer sowie Experten am Freitagnachmittag eingeladen hatte, steht mit großer Wahrscheinlichkeit fest: Hamburgs Grundschüler sowie die Fünft- und Sechstklässler an den weiterführenden Schulen der Hansestadt werden nach den Sommerferien wieder im Regelbetrieb unterrichtet.

Das heißt: Sie lernen in voller Klassenstärke und haben wieder alle Unterrichtsfächer. Auch das Ganztagsangebot soll wieder in vollem Umfang stattfinden. Um das Infektionsrisiko zu verringern, sollen weiterhin feste Gruppen gebildet und die Zahl der Kontakte zu Kindern anderer Gruppen reduziert werden. Die Hygienemaßnahmen wie intensivere Reinigung, Händewaschen, Hust- und Niesetikette und häufiges Lüften bleiben bestehen.

Hamburg: Pläne für Schuljahr 2020/2021

Auch die weiterführenden Schulen sollten jetzt die Pläne für das neue Schuljahr erarbeiten. Hier ist aber noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Schulsenator Ties Rabe: „Ich bin sehr sicher, dass auch für die Klassenstufen 5 und 6 der volle Regelunterricht stattfinden wird. Für die höheren Klassenstufen ist der volle Regelunterricht wahrscheinlich, aber nicht ganz so sicher wie für die Grundschule. Deshalb sollen die Schulen hier zwar ebenfalls einen regulären Stundenplan aufstellen. Als Alternative ist jedoch eine Planung für den Fall zu entwickeln, dass der Schulbetrieb temporär eingeschränkt werden muss.“

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Beide Planungen sollten so verzahnt werden, dass kurzfristig und ohne organisatorischen Aufwand gewechselt werden könne.

Wissenschaftler: Kinder weniger stark von Corona betroffen

Die Wissenschaftler hätten überzeugend deutlich gemacht, dass insbesondere Kinder von der Pandemie kaum betroffen sind und es an der Zeit ist, die Schulen für Kinder wieder zu öffnen, hieß es nach der Konferenz aus der Behörde. „Nach diesem Gespräch bin ich sehr sicher, dass Hamburg nach den Ferien an allen Grundschulen zum Regelunterricht zurückkehren wird“, sagte Rabe. Die Behörde werde in den kommenden Tagen auf die Grundschulen zugehen, um die entsprechenden Planungen einzuleiten.

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„In Bezug auf die weiterführenden Schulen spricht vieles dafür, ebenfalls zum Regelunterricht zurückzukehren“, so Rabe. Hier werden wir aber als Alternative eine zweite Planung mit einer Mischung aus Fern- und Präsenzunterricht vorbereiten.“

Virologen und Kinderärzte als Berater

An der Schaltkonferenz beteiligten sich neun Kultusminister sowie die Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Als Experten wurden gehört: Prof. Dr. med. Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene Dr. med. Peter Walger, Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene Dr. med. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Prof. Johannes Hübner, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie sowie der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Die Experten betonten übereinstimmend, dass das Infektionsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen deutlich geringer und ungefährlicher ist als bei Erwachsenen. Mehrere wissenschaftliche Studien über die Verbreitung der Krankheit, beispielsweise in Gemeinden in Oberitalien, China und Island, hätten klar gezeigt, dass die Corona-Krankheit bei Kindern und Jugendlichen sehr milde verläuft.

Experten: Kaum Ansteckungen von Kindern auf andere

Im Vergleich zu Erwachsenen infizieren sich jüngere Menschen seltener. Bei ihnen verlaufe zudem die Krankheit erheblich milder. Entscheidend aber ist, dass sie die Krankheit kaum auf andere übertragen würden. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, weil die Schließung der Schulen vor allem damit begründet wurde, dass Kinder sich über ihre Schulkontakte infizieren und dann die Krankheit an ihre Eltern und Verwandten zu Hause übertragen könnten.

Die Wissenschaftler verwiesen darauf, dass Corona sich im Hinblick auf die unterschiedlichen Altersgruppen somit erheblich von der Grippe unterscheidet. Während von der Grippe vor allem Kinder und Jugendliche besonders betroffen sind, ist es bei Corona genau umgekehrt. Alle Wissenschaftler waren sich deshalb einig, dass eine Öffnung der Schulen für den Regelbetrieb richtig ist. In der Abwägung zwischen den sehr geringen gesundheitlichen Risiken durch die Krankheit und den erheblichen Risiken für den Bildungserfolg und den späteren Lebensweg sei die Öffnung der Schulen der beste Weg.

Um die gesundheitlichen Risiken dennoch weiter zu minimieren, empfahlen die Wissenschaftler, die Zahl der Kontakte der Kinder in der Schule möglichst zu begrenzen und die Öffnung der Schulen mit sorgfältigen und häufigen Tests zu begleiten. Sie wiesen zugleich daraufhin, dass die gesundheitlichen Risiken mit zunehmendem Alter steigen. Jugendlichetragen im Vergleich zu Kindern ein höheres Risiko, allerdings ist dieses Risiko immer noch deutlich geringer als bei Erwachsenen.

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