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So soll Hamburgs neuer Freizeitpark im Alstertal aussehen

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Friederike Ulrich
Oberalster Verein/ Sport- und Freitzeitpark Visualisierung des neuen Vereinshauses

Oberalster Verein/ Sport- und Freitzeitpark Visualisierung des neuen Vereinshauses

Foto: Jan Klinker Architekten

Das alte Clubhaus und ein naher Sportplatz sollen für bis zu 5 Millionen Euro neu gestaltet werden. Davon profitieren auch Schüler.

Hamburg.  Die Rasenstufen, die hinunter zur Steganlage führen, werden von morschen Holzpflöcken begrenzt, aus dem Gras sprießt die ein oder andere kleine Birke. Auch die Bootsschuppen und das Clubhaus des 1911 gegründeten Oberalster Vereins für Wassersport entsprechen schon lange nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Sportverein. „Das Schlimmste aber ist, dass Holz und Mauerwerk das Wasser wie ein Schwamm aufsaugen und stark geschädigt sind“, sagt der Vereinsvorsitzende Nizar Müller und deutet auf die Alster unmittelbar vor ihm, die für einen hohen Grundwasserspiegel sorgt.

Weil das 1931 wiedererrichtete Clubhaus in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder durch Anbauten erweitert wurde, ist die Anlage – die postalisch an der Wellingsbüttler Landstraße, aber tatsächlich idyllisch im Alstertal liegt – nicht denkmalgeschützt. In Wahrheit wären die Probleme geringer, wenn es nur das historische Holzgebäude gäbe, sagt Müller. Doch nun muss für die rund 700 Mitglieder ein kompletter Neubau her. Der soll mehr Platz bieten und sich ebenso unauffällig in das umliegende Landschaftsschutzgebiet einfügen. Und ergänzt werden durch einen modernen Sportplatz, zu dem der benachbarter Grandplatz Struckholt umgestaltet werden soll.

Auch Leichtathletik und Fußball werden angeboten

Die Planungen zu dem neuen „Sport- und Freizeitpark Oberalster“ haben zehn Vereinsmitglieder übernommen, darunter „ein Mann der Zahlen, Kreative und eine Digitalisierungsexpertin“, so Müller, der als Projektentwickler beim Hospital zum Heiligen Geist arbeitet und daher Erfahrung in der Realisierung von Konzepten hat. Künftig will der Oberalster V.f.W. nicht nur Platz für 300 statt wie bisher 200 Boote bieten, sondern es auch dem ETV und den Hamburg Towers gleich tun und ein digitales Mitgliederportal und eine digitale Schließanlage einrichten.

Außerdem soll das Sportangebot erweitert werden. Lagen die Schwerpunkte des Vereins neben dem Wassersport bislang auf Tischtennis und Handball (in einer Halle in Farmsen), will sich Müller, der den Vorsitz seit 15 Monaten innehat, für Wassersport, Leichtathletik und Fußball einsetzen – und das besonders für Kinder. „Hier in der Umgebung von Klein Borstel findet gerade ein Generationswechsel statt. Außerdem entstehen neben dem Schwimmbad Ohlsdorf und am Erna-Stahl-Ring zwei Neubauprojekte, durch die weitere Familien herziehen werden.“

Bezirk unterstützt Verein mit 450.000 Euro

Die Planungen sind schon weit fortgeschritten – nicht nur für den Neubau, für den ein Architekt aus der Umgebung bereits einen Entwurf gezeichnet hat. Auch die Ideen für die Umgestaltung und Sanierung des maroden Sportplatzes konkretisieren sich. Statt der teils von Gras überwucherten Grandfläche soll hier ein Fußballfeld mit Kunstrasen entstehen, drum herum eine Tartanbahn aus Kunststoff für Lauf- und Sprungwettbewerbe, und außerdem Duschen und Umkleidekabinen.

Erste Gespräche mit der Politik hat Müller, der lange Bezirksabgeordneter für die CDU in Langenhorn war, bereits geführt. Bei Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz rennt er mit seinem Vorhaben offene Türen ein. „Sport dient nicht nur der körperlichen Ertüchtigung, sondern auch dem sozialen Zusammenhalt“, sagt der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Grünen in Hamburg-Nord. „Ein Verein braucht eine gute Infrastruktur, andernfalls springen die Mitglieder ab.“ Daher hat die Bezirksversammlung im Maßnahmenplan des bezirklichen Sportstättenbaus beschlossen, das Vorhaben des Vereins mit 450.000 Euro zu unterstützen – etwa ein Zehntel der Kosten, die auf 3,5 bis fünf Millionen Euro geschätzt werden.

Die Baumaßnahmen sollen 2023 beginnen

Auch der Hamburger Fußball-Verband hat bereits eine finanzielle Beteiligung in Aussicht gestellt. Der Rest, so hoffen die Vereinsmitglieder, kommt dann von Stadt und Bund – so, wie beim SC Urania in Dulsberg, dessen Sportplatz und Clubheim demnächst mit Bundesmitteln zu einem modernen Sportpark umgebaut werden. Immerhin werden von der neuen Sportanlage auch die Schüler des benachbarten Albert-Schweitzer-Gymnasiums profitieren, die ihre Prüfungen im Sport-Abitur bislang auf der Jahnkampfbahn am Stadtpark ablegen.

Im Jahr 2023, genau 111 Jahre nach Gründung des Oberalster V.f.W., sollen die Baumaßnahmen beginnen. Dass dadurch die Idylle des Alstertals optisch zerstört wird, müsse niemand befürchten, so Müller. „Unser neues Clubhaus bekommt ebenfalls eine Fassade aus dunklem Holz und wird ebenso unauffällig wie das alte sein“, verspricht er. Auch der Geräuschpegel wird sich wahrscheinlich nur unwesentlich ändern: Am Clubhaus gibt es schon jetzt eine Außengastronomie – sie wird nach dem Umbau eher kleiner. Die Rufe der Sporttreibenden werden die gleichen bleiben. Und statt der johlenden Jugendlichen, die sich derzeit abends auf dem Sportplatz zum Feiern treffen, könnte man in Zukunft manchmal sogar Jazzmusik hören.

„Wir würden hier gerne ab und zu mal Konzerte veranstalten“, so Müller. Ein besonderer Klangort könnte dabei das Gewölbe unter der U-Bahn-Brücke sein, die zwischen dem Sportverein und dem Sportplatz verläuft. „Neulich hat dort mal jemand Musik gemacht“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Das klang sehr schön.“

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