Hamburger Top-Virologe

"Discos sind Corona-Hotspots, Kitas und Schulen nicht"

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Demo gegen das Club-Sterben: Kiezgröße Olivia Jones und weitere rund 200 Bar-Betreiber gingen Anfang Mai auf die Straße.

Demo gegen das Club-Sterben: Kiezgröße Olivia Jones und weitere rund 200 Bar-Betreiber gingen Anfang Mai auf die Straße.

Foto: Imago/Chris Emil Janßen

Jonas Schmidt-Chanasit über die ideale Situation für das Coronavirus in Bars und Clubs – und den Vergleich mit Kindergärten.

Hamburg. Partygänger müssen vermutlich noch lange darauf warten, bis ihre Lieblingsdisco wieder öffnen darf. Denn in Clubs, Bars und Discos finde das Coronavirus perfekte Bedingungen für eine schnelle Verbreitung, sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg.

Es sei eng, man schwitze, schreie einander mit geringem Abstand ins Ohr. "Das ist genau dieses Szenario, bei denen es in anderen Ländern bereits zu massenhaften Ansteckungen gekommen ist", sagt Schmidt-Chanasit. "Das sind die Viren-Hotspots – gerade für das Coronavirus. Das sind nicht die Kindergärten, das sind nicht die Schulen."

Das bedeute zwar nicht, dass Kitas und Lehranstalten nicht auch risikobehaftet seien, so der Hamburger Top-Virologe: "Aber im Vergleich zu Bars und Diskotheken ist das eine ganz andere Welt. Das muss man mal deutlich sagen. Bars und Discos sind ein Hochrisiko, wenn wir das mit Kindergärten vergleichen."

"Der schlimmste Zustand für den Menschen"

Die Risiken würden zudem durch die Alkoholisierung der Gäste steigen, denn meist nehme in angetrunkenem Zustand die Bereitschaft ab, sich an die wichtigen Corona-Regeln zu halten. Außerdem mache die meist schlechte Belüftung der Räume es dem Virus noch leichter.

"Sie können da nicht für eine Belüftung sorgen, sie haben vielleicht nur Anlagen, die das umwälzen oder ein bisschen verblasen. Aber eigentlich sind das kleine enge Räume." Das sei der beste Zustand, den er sich für ein respiratorisch übertragbares Pathogen, also einen per Atmung übertragenen Krankheitserreger, vorstellen könne. "Also der schlimmste Zustand für den Menschen. Insgesamt ist die Situation einfach ideal, um sich dort infizieren zu können."

Tanzen mit Mundschutz? "Das ist Blödsinn"

Auch Tanzen mit Mundschutz könne da keine Abhilfe schaffen. "Das ist Blödsinn. Das wäre genau das falsche Konzept. Das ist der größte Fehler, den man machen kann." Die Maske sei nur ein zusätzliches Hilfsmittel, Abstand und Hygiene seien viel wichtiger. Das Sinnvollste wäre, in einen Club für sonst 100 Besucher nur fünf Gäste zu lassen. "Aber das will keiner und das macht auch keinen Sinn."

Schmidt-Chanasit geht davon aus, dass Tanzen wie vor der Corona-Pandemie erst in vielen Monaten wieder möglich sein wird. "Erst, wenn wir einen Impfstoff haben oder die Pandemie vorbei ist und die Immunität in der Bevölkerung angestiegen ist."

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Hamburgs Clubs bleiben weiter geschlossen

In Hamburg sind sogenannte Tanzlustbarkeiten laut Verordnung vom 19. Mai (§5, Absatz 1) nach wie vor bis auf Weiteres untersagt. Auch bei den am Dienstag durch den Senat verkündeten Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen fanden Clubs und Bars keine Berücksichtigung.

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Anfang Mai hatten rund 200 Betreiber entsprechender Einrichtungen auf dem Kiez mit einer großen Trauer-Demo auf ihre dramatische Situation aufmerksam gemacht.

Protest der Hamburger Kiez-Clubs
( dpa/HA )

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