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Corona-Ausbruch in Restaurant – Betreiber droht Geldstrafe

| Lesedauer: 13 Minuten
Eine Kellnerin mit Mundschutz in einem Restaurant (Symbolfoto)

Eine Kellnerin mit Mundschutz in einem Restaurant (Symbolfoto)

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Inzwischen sind 70 Menschen nach dem Testlauf zur Wiedereröffnung des Lokals in Quarantäne. Auch die Zahl der Infizierten steigt.

Hamburg. Das Coronavirus bricht wieder aus. Die Ruhe nach den Lockerungen war offenbar trügerisch: Nur wenige Tage nach der Wiedereröffnung vieler Restaurants in Deutschland haben sich in Niedersachsen offenbar mindestens elf Menschen in einem Lokal in Mommerland mit dem Coronavirus infiziert, 70 sind in Quarantäne. Das bestätigte der Pressesprecher des Landkreises Leer dem Abendblatt.

„Die neuen Infektionen stehen vermutlich in Zusammenhang mit einem Besuch in einem Lokal“, teilte der Sprecher weiter mit. Falls sich das bestätigt, wäre dies der erste bekannt gewordene Fall von in Restaurants verbreiteten Corona-Infektionen seit Wiedereröffnung der Gaststätten und Cafés.

Corona-Infektionen wegen privater Party im Restaurant?

Der Corona-Ausbruch in dem Restaurant wurde womöglich durch Verstöße gegen die Corona-Regeln ausgelöst. "Nach ersten Erkenntnissen ist das Infektionsgeschehen vor Ort nicht auf einen normalen Restaurantbesuch zurückzuführen", so Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Sonnabend. "Stattdessen wurde dort offenbar eine private Party gefeiert."

Der Landkreis prüft, ob die Vorgaben zu Abstand und Hygiene am 15. Mai eingehalten wurden. Demnach wurden inzwischen alle an dem Abend anwesenden Gäste befragt. „Aus den Hinweisen, die uns vorliegen, ergeben sich Indizien, dass am Abend des 15. Mai möglicherweise gegen Corona-Regeln verstoßen worden ist“, sagte Landrat Matthias Groote (SPD). Ob dies der Fall war, müsse das Ordnungsamt in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren klären.

Laut Bußgeldkatalog des Landes Niedersachsen droht dem Betreiber eine Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro.

Bestürzung nach Corona-Ausbruch durch Restaurantbesuch

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga reagierte bestürzt auf den Fall. Niedersachsen zählte zu den ersten Bundesländern, in denen Restaurants wieder geöffnet werden durften – seit dem 11. Mai. In den Tagen darauf folgten nach und nach auch fast alle anderen Bundesländer. Ausnahmen gelten für Bayern, wo vorerst nur Biergärten und Außenbereiche aufmachen dürfen, Innenräume ab dem 25. Mai. Bundesweiter Vorreiter war Mecklenburg-Vorpommern, wo die Restaurants bereits am 9. Mai wieder öffnen durften.

Landkreis Leer: 70 Menschen in Quarantäne

Laut Landkreis Leer führten die neuen Fälle dazu, dass bereits für mindestens 70 Menschen „vorsorglich häusliche Quarantäne“ angeordnet wurde. Weitere Testergebnisse stünden noch aus. Laut Gesundheitsamt handelt es sich nicht um einen Einzelfall mit nur wenigen Kontakten. „Es ist ein Ausbruch mit gleichzeitig mehreren Infizierten und vielen Kontakten.“ Entsprechend aufwendig sei nun die Nachverfolgung.

Nach Angaben des Inhabers der Gaststätte in der Gemeinde Moormerland wurden wenige Tage nach einem Eröffnungsabend am 15. Mai vier Gäste und er selbst positiv auf das Coronavirus getestet. Bei drei Freunden von ihm sei das Virus inzwischen auch nachgewiesen worden, sagte er. Ob sich das Virus am 15. Mai beim Eröffnungsabend seines Lokals „Alte Scheune“ verbreitet habe, wisse er nicht. Es sei auch möglich, dass sich die Menschen davor oder danach infiziert hätten.

Hatten sich Besucher oder Personal nicht an Regeln gehalten?

Die positiven Befunde, die miteinander zusammenhingen, seien dem Gesundheitsamt von Dienstag bis Freitag mitgeteilt worden, teilte der Landkreis mit. Im Landkreis Leer war zuvor eigenen Angaben zufolge mehr als eine Woche lang überhaupt keine bestätigte Neuinfektion gemeldet worden.

Für den Betreiber der Gaststätte „Alte Scheune“ in der Gemeinde Moormerland im Kreis Leer ist die Entwicklung fatal. Monatelang hatte er das Restaurant renoviert und sich auf die Eröffnung vorbereitet, wie er erzählte. Der erste Abend sollte rund 40 ausgewählten Gästen gehören - darunter Vertreter von Firmen, die ihn unterstützt hatten. Der Inhaber stand zunächst als Koch in der Küche. Später gesellte er sich nach eigenen Angaben zu den Gästen, um mit ihnen anzustoßen. Die Abstands- und Hygieneregeln seien eingehalten worden, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte.

Landrat: Zahl der Corona-Quarantänefälle wird „extremst“ ansteigen

Der Landrat von Leer, Matthias Groote, warnte die Bürger der Landkreis-Mitteilung zufolge: „Dieser Ausbruch führt uns deutlich vor Augen: Corona ist nicht vorbei, das Virus kann sich jederzeit weiter verbreiten.“ In einem auf der Twitterseite des Landkreises veröffentlichten Video sagte Groote, die Zahl der Quarantäne-Fälle werde weiter „extremst“ ansteigen, da die aktuellen Fälle „im Rahmen eines Zusammentreffens“ entstanden seien.

Einige Experten hatten vor Restaurantbesuchen in geschlossenen Räumen gewarnt. So sagte Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Universitätsmedizin Rostock, die Gäste von Restaurants sollten möglichst draußen sitzen. „Da kommt es praktisch nicht zu Infektionen. Das Coronavirus wird ganz maßgeblich über die Luft übertragen.“ Dagegen schütze draußen der Luftzug. In Innenräumen von Restaurants oder Cafés werde es allerdings problematischer. Selbst bei ausreichendem Luftaustausch alle sechs bis zehn Minuten gebe es keine hundertprozentige Garantie.

Weitere Themen am Sonnabend (23. Mai) im Newsblog:

Coronavirus: Hamburg meldet drei Neu-Infektionen

In Hamburg sind am Sonnabend drei weitere Infektionen mit dem neuen Sars-Cov2-Virus bestätigt worden. Damit sei die Gesamtzahl der bestätigten Infektionen seit Beginn der Pandemie auf nunmehr 5058 gestiegen, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Die Zahl der Neu-Infektionen nimmt somit weiterhin ab. Am Mittwoch wurden noch elf Personen, die sich neu mit dem Coronavirus infiziert hatten, gemeldet. Am Donnerstag waren es sechs neue Fälle und am Freitag vier.

Die Zahl der an einer Covid-19-Infektion gestorbenen Hamburger lag nach Berechnungen des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) unverändert bei 211. Weiterhin werden 17 Hamburger intensivmedizinisch behandelt.

Himmelfahrtwochenende: Hamburger Prominente reisen an die Küste

Neben TV-Star Dieter Bohlen, der mit den Worten ""Endlich sind wir raus aus Tötensen" bereits am Freitag ein Strand-Video und am Sonnabend eine Story von Sylt bei Instagram veröffentlichte, scheint auch Schauspieler Til Schweiger das Wochenende auf der beliebten Nordsee-Insel zu verbringen.

Schweiger postete Bilder der Sansibar und schrieb dazu: "Glad to be back" (deutsch: "Ich bin froh, zurück zu sein"). Außerdem veröffentlichte er wenige Stunden später ein Bild, das ihn mit Ex-Air-Berlin-Chef Joachim Hunhold zeigt.

Auch CDU-Politiker Marcus Weinberg postete am Freitag ein Selfie auf dem er im Regen vor einem Hafen steht. "Voller Regen – auch schön ..." schrieb Weinberg dazu. Er macht zwischen Bremerhaven und Cuxhaven in Dorum an der Nordsee Urlaub.

Mecklenburg-Vorpommern empfängt wieder Touristen

Mecklenburg-Vorpommern kehrt langsam in den Modus eines Urlaubslandes zurück. Nach dem Shutdown Mitte März konnte die Tourismusbranche bereits vergangene Woche Gäste aus dem eigenen Land begrüßen, von Montag an nun dürfen Menschen aus den anderen Bundesländern in den Nordosten - allerdings unter einigen Voraussetzungen. Die Wichtigste ist, dass die Buchung einer Übernachtung in einem Hotel, einer Pension oder auf einem Campingplatz vorliegen muss.

Für Tagestouristen bleiben die Landesgrenzen weiter dicht. „Wer kann das kontrollieren, wer will das kontrollieren?“, kommentierte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Christian Schumacher, die schwierige Situation für die Polizisten auch angesichts der Vielzahl von Regulierungen, die in den letzten Wochen erlassen wurden.

23 neue Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein ist die Zahl der offiziell gemeldeten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nach Angaben der Landesregierung zuletzt binnen 24 Stunden um 23 Fälle gestiegen. Somit beträgt die Gesamtzahl der seit Ausbruch der Corona-Krise nachgewiesenen Fälle mit Stand Freitagabend 3062, wie die Landesregierung auf ihrer Webseite unter Berufung auf das Robert Koch-Institut mitteilte. Die Zahl der Gestorbenen erhöhte sich um zwei Personen auf 136. Rund 2800 Infizierte gelten inzwischen wieder als gesund. 30 werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Schulen im Norden öffnen für weitere Klassen

An den Schulen in Schleswig-Holstein beginnt nach coronabedingter Zwangspause für weitere Jahrgänge am Montag wieder der Unterricht. Das gilt für die Klassen 1 bis 3 an den Grundschulen sowie für die Jahrgänge 8 bis 12 an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. In den Klassenräumen müssen Mindestabstände und Hygienevorschriften eingehalten werden. Ebenfalls vom Montag an sind wieder Nachmittagsangebote für die Mädchen und Jungen möglich, die dann in der Schule sind. Auch Mensen und ähnliche Einrichtungen dürfen bei Bedarf öffnen.

Tierheime im Norden wieder geöffnet

Rund zwei Monate lang waren Schleswig-Holsteins Tierheime wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Jetzt können Besucher wieder kommen und einen Hund, eine Katze oder ein Kleintier adoptieren. Viele Heime haben allerdings die Tierabgabe neu organisiert. Interessenten müssen sich jetzt vor dem Besuch anmelden, in vielen Bereichen gilt außerdem Maskenpflicht. Tierliebhaber scheint dies nicht abzuschrecken. Nach übereinstimmenden Angaben der befragten Tierheimleiter gibt es viele Anfragen.

„Bei und sind im Moment Kleintiere wie Meerschweinchen und besonders Kaninchen sehr beliebt“, sagte die Leiterin des Lübecker Tierheims, Elena Cujic. Auch Katzen würden gleichbleibend gut vermittelt. „Die Nachfrage nach Hunden ist dagegen zurückgegangen“, sagte sie. Anders sieht es dagegen in Flensburg aus. „Bei uns gibt es tatsächlich viele Anfragen nach Hunden“, sagte Stefan Bargmann, der Leiter des dortigen Tierheims. Doch auch die Nachfrage nach Katzen sei gut.

"AKK": Sind die Corona-Einschränkungen übertrieben?

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Ramadan-Ende - Hamburgs Moscheevereine in Not

Wegen der Corona-Krise feiern die Hamburger Muslime das Ende des Fastenmonats Ramadan an diesem Sonntag unter besonderen Umständen. Zwar sind gemeinsame Gebete grundsätzlich wieder erlaubt, doch es fehlen geeignete Räumlichkeiten, wie Mehdi Aroui vom Vorstand der Schura sagte. Die meisten Moscheen seien für die Einhaltung der Abstandsregeln viel zu klein. Ein Ausweichen in Sporthallen wie in anderen Jahren sei nicht möglich, weil die Hallen noch geschlossen sind. Gebete im Freien seien auch keine Option. „Wir sollen nicht draußen beten, damit es keine Massenveranstaltung wird“, sagte Aroui.

Viele islamische Gemeinden befänden sich zurzeit in finanzieller Not, erklärte der Landesvorsitzende des Zentralrats der Muslime, Daniel Abdin. Sie finanzierten sich zum größten Teil über Spenden, die die Gläubigen beim Besuch der Moscheen machen. Etwa 50 Prozent der Jahreseinnahmen kämen normalerweise im Ramadan zusammen. Durch die Schließung der Gebetshäuser seien die Spenden weggebrochen. Vom Corona-Schutzschirm könnten nur wenige Gemeinden profitieren, die zugleich ein Geschäft wie etwa eine Teestube betrieben. Einige Moscheen seien zwar wieder geöffnet, aber die Spenden von 20, 30 oder 40 Gläubigen deckten allenfalls die Unkosten für Desinfektionsmittel, Gesichtsmasken und den übrigen zusätzlichen Aufwand.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Coronavirus: Die Bilder der Krise

Justizminister: Grundrechte nicht dauerhaft einschränken

Schleswig-Holsteins neuer Justizminister Claus Christian Claussen hat die weitest mögliche Wahrung der Grundrechte im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefordert. „Wir haben im Moment die Situation, dass wir Grundrechte auf breiter Front eingeschränkt haben. Das kann und darf kein Dauerzustand sein. Daher haben wir ja auch schon Lockerungen auf den Weg gebracht“, sagte der CDU-Politiker. Die Landesregierung müsse laufend neu bewerten, welche Einschränkungen unbedingt notwendig seien.