AfD-Mitgründer

Was der Fall "Lucke" die Hamburger Universität kostet

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Marc Hasse
Die Tumulte während der Vorlesung von Bernd Lucke an der Uni Hamburg sorgten für bundesweite Debatten über die Freiheit der Lehre.

Die Tumulte während der Vorlesung von Bernd Lucke an der Uni Hamburg sorgten für bundesweite Debatten über die Freiheit der Lehre.

Foto: Michael Rauhe

Die Hochschule zahlte allein mehr als 100.000 Euro für einen privaten Sicherheitsdienst, der Vorlesungen Bernd Luckes kontrollierte.

Hamburg. Nun ist die finanzielle Bilanz vollständig: Für den privaten Sicherheitsdienst, der im Wintersemester 2019/2020 den Zugang zu den Vorlesungen des AfD-Mitgründers und Ökonomieprofessors Bernd Lucke kontrollierte, hat die Universität Hamburg insgesamt 124.000 Euro aus eigenen Mitteln bezahlt. Das teilte die größte Hochschule der Hansestadt auf Abendblatt-Anfrage mit. Wie berichtet, waren nach Uni-Angaben bis Mitte Januar Kosten von 107.000 Euro für den privaten Sicherheitsdienst aufgelaufen.

Weitere Belastungen seien dadurch entstanden, dass 25 Mitarbeiter aus dem Präsidium, der Präsidialverwaltung und den Dekanaten im Herbst 2019 durchschnittlich zur Hälfte ihrer Arbeitszeit mit der Begleitung der Lage um die Lucke-Vorlesungen gebunden gewesen seien. Das ergebe Kosten von 250.000 Euro, die allerdings nicht zusätzlich aufgewendet wurden, erklärt das Uni-Präsidium.

Vorlesungen unter massivem Polizeischutz

Bernd Lucke war nach seiner gescheiterten Wiederwahl in das Europaparlament auf seine Stelle als Professor für Volkswirtschaftslehre an die Universität Hamburg zurückgekehrt. Das wollte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule nicht akzeptieren und rief zur Teilnahme an einer Protestkundgebung am 16. Oktober vor dem Uni-Gebäude auf.

Dort ging es noch friedlich zu. Anschließend konnte Lucke seine erste geplante Vorlesung allerdings nicht halten, weil er im Hörsaal anderthalb Stunden lang niedergebrüllt, als „Nazi-Schwein“ beschimpft und körperlich bedrängt wurde. Beinahe hätte die Polizei eingreifen müssen. Der AStA distanzierte sich später von den Tumulten im Hörsaal. Zu den Störaktionen habe der AStA weder aufgerufen, noch habe er diesen Protest organisiert, hieß es.

Die Universität beauftragte einen privaten Sicherheitsdienst mit Einlasskontrollen bei der zweiten Vorlesung. Trotzdem musste Lucke seinen Vortrag nach 42 Minuten abbrechen, weil etwa 30 Störer in den Hörsaal eindrangen. Erst im dritten Anlauf konnte der 57-Jährige weitgehend störungsfrei sprechen – unter massivem Polizeischutz. Unter diesen Sicherheitsbedingungen liefen Luckes Vorlesungen an der Hochschule im Wintersemester dann weiter.

Sondersitzung im Rathaus wegen Störaktionen

Die Tumulte während der ersten beiden Veranstaltung zum Thema „Makroökonomik II“ sorgten für bundesweite Debatten über die Freiheit der Lehre. In Hamburg mussten sich Universitätspräsident Dieter Lenzen und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) vorwerfen lassen, zumindest in ihrer ersten Stellungnahme die Störungen nicht deutlich genug verurteilt zu haben.

Im November fand auf Drängen der Fraktionen von CDU und FDP eine Sondersitzung des Wissenschaftsausschusses im Rathaus statt, der sich mit den Tumulten beschäftigte. Auf die Frage der Opposition im Ausschuss, ob die Stadt bei den Kosten für den Sicherheitsdienst unterstützend einspringen werde, habe Katharina Fegebank erklärt, ihre Behörde sei dazu in Abstimmung mit der Universität Hamburg, hieß es damals von CDU und FDP.

Die Hochschule teilt nun auf Abendblatt-Anfrage mit, es habe bisher keine Gespräche über eine etwaige Übernahme der Kosten gegeben, „da andere Themen dringender waren“. Im Sommersemester führt Bernd Lucke seine Veranstaltungen wie alle anderen Uni-Professoren derzeit auch online durch. Er bietet zwei Vorlesungen mit Übungen über Wachstumstheorie und Staatsverschuldung an, ein Seminar über Globalisierung und Armut sowie einen Kursus zur Zeitreihenanalyse.

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