Hamburg

"Es geht ums Überleben": Gastro-Protest vor dem Rathaus

Mit 400 leeren Stühlen vor dem Rathaus haben Hamburger Gastronomen auf ihre Not in der Coronakrise aufmerksam gemacht.

Mit 400 leeren Stühlen vor dem Rathaus haben Hamburger Gastronomen auf ihre Not in der Coronakrise aufmerksam gemacht.

Foto: Stefan Walther

Weil 1300 Restaurants in Hamburg die Pleite droht, demonstrieren Gastronomen mit 420 leeren Stühlen. Was sie nun fordern.

Hamburg. Es war ein imposanter Anblick, für den Hamburger Gastronomen am Freitag vor dem Rathaus gesorgt hatten. Um auf die Not des Gastgewerbes aufmerksam zu machen, waren exakt 420 Stühle, die symbolisch für die 4200 Betriebe in der Stadt stehen, auf dem Rathausmarkt platziert. Der Leaders Club mit Sitz in Hamburg hatte bundesweit zu einem Aktionstag aufgerufen.

In der Hansestadt haben sich unter anderem die Bars und Restaurants Salt & Silver, die Bullerei, das Überquell, Nordevent und die Block Gruppe sowie Party Rent beteiligt. Vom kleinen Kiezclub bis zum Großgastronomen war alles dabei. Party Rent stellte zudem einen Großteil der 400 Stühle bereit. Die rund 20 Teilnehmer – mehr ließ die Behörde nicht zu – hielten die Hygiene- und Abstandsregeln des Senats ein und verbreiteten eine klare Botschaft: die Gastronomen wollen und müssen aus wirtschaftlicher Sicht wieder öffnen.

1300 Hamburger Restaurants droht Pleite

Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) droht jedem dritten Betrieb die Pleite. In Hamburg wären das 1300 Betriebe. "Dieses Szenario ist absolut realistisch", sagt der Hamburger Gastronom und Organisator Patrick Rüther, der ebenfalls Vorstandsvorsitzender des Leader Clubs ist, dem Abendblatt. "Wir steuern geradewegs in eine unglaubliche Katastrophe, es geht ums Überleben." Laut Rüther, der Geschäftsführer von Tim Mälzers Restaurant Bullerei im Schanzenviertel ist, treffe die Coronakrise viele gesund wirtschaftende Betriebe, die sich auch für soziale Projekte, in der Nachbarschaft einsetzten.

Er geht davon aus, dass selbst wenn die Betriebe jetzt wieder öffnen könnten, sie wegen der Abstandsregel für ein halbes Jahr nur etwa 50 Prozent ihres gewöhnlichen Umsatzes erwirtschaften würden. "Es ist ja auch noch nicht absehbar, wie konsumfreudig sich die Menschen wieder verhalten werden", sagt Rüther. Hinzu komme, dass die Gastronomie im Vergleich zu anderen Branchen keinen Aufholeffekt habe. "Das Steak wird nur einmal gegessen und der Platz für private Feiern auch nur einmal verkauft", erklärt Rüther das simple Rechenbeispiel.

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Die Branche fordert daher unter anderem einen „klaren Fahrplan für Wiedereröffnungen“, und Zuschüsse sowie das Kurzarbeitergeld aufzustocken. "Das Gießkannenprinzip halte ich hierbei allerdings für schwierig, denn davon profitiert letztendlich auch die Schwarzgeldbranche", sagt Rüther. Seine Forderung lauten daher, die finanziellen Hilfen an den Steuererklärungen zu orientieren.

Positive Signale aus der Politik erhielten die Gastronomen bereits einen Tag vor ihrem Protest. Denn eine der Forderungen, die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf sieben Prozent zu senken, hatte der Bund bereits am Donnerstag erfüllt. Der Beschluss gilt ab dem 1. Juli und soll ein Jahr lang gelten. Es ist der Anfang eines milliardenschweren Hilfspakets, das die Branche braucht, um zu überleben.