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Corona: Hamburg führt nun doch die Maskenpflicht ein

| Lesedauer: 34 Minuten
Maskenpflicht in Hamburg: Bürgermeister beantwortet Fragen

Maskenpflicht in Hamburg: Bürgermeister beantwortet Fragen

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gab am Dienstag während der Pressekonferenz zur Entwicklung der Coronavirus-Pandemie bekannt, dass es weitere Maßnahmen in der Hansestadt geben wird. Er beantwortete außerdem Fragen der anwesenden Journalisten dazu, wo und ab wann die Maskenpflicht gilt.

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Hamburger Coronatote hatten Vorerkrankungen. Zahl der Patienten sinkt. Staatsanwaltschaft prüft Anfangsverdacht gegen UKE.

Hamburg. Das Coronavirus hat den Norden weiterhin im Griff, die Zahl der Neuinfizierten ist jedoch auch am Dienstag auf niedrigem Niveau geblieben. Erfreulich ist vor allem, dass die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken zurückgeht. Derweil öffnen Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen langsam die Tür zurück in die Normalität. Erste Geschäfte haben seit Montag geöffnet, die Stadt ist wieder etwas belebter – von einem Kundenansturm kann jedoch noch keine Rede sein.

Auch die Abiturprüfungen beginnen am Dienstag trotz Coronakrise in Hamburg und Schleswig-Holstein. Unter strengen Corona-Auflagen schreiben 2300 Schüler in Hamburg ihre Klausuren im Fach PGW (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft).

Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Norden im Newsblog (21. April):

Alle untersuchten Hamburger Coronatoten hatten Vorerkrankungen

Wie der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel bereits im Gespräch mit dem Abendblatt betonte, hatten die Hamburger Coronatoten Vorerkrankungen. 61 der bisher 65 untersuchten Toten seien direkt an, die anderen vier mit dem neuartigen Coronavirus gestorben, berichten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf einen Bericht des Institutsleiters. Demnach litten die Verstorbenen vor allem an Bluthochdruck, Herzinfarkten, Arteriosklerose oder Herzschwäche. In 46 Fällen hätten zudem Vorerkrankungen der Lunge vorgelegen, 28 hätten andere Organschäden oder transplantierte Organe gehabt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte anfangs empfohlen, wegen der Ansteckungsgefahr eine innere Leichenschau und andere Maßnahmen, bei denen winzige Tröpfchen produziert werden, zu vermeiden. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte dann aber schon Anfang April betont, dass angesichts von Wissenslücken über die neue Erkrankung Obduktionen sehr wichtig seien. Der Basler Pathologe Tzankov hält im Gespräch mit dem NDR die Unterscheidung von „an“ und „mit“ Covid-19-Verstorbenen jedoch für unergiebig. „Wenn ich eine Krebserkrankung habe und noch ein halbes Jahr lebe und mich ein Auto überfährt, dann mindert das ja auch nicht die Schuld des Autofahrers“, sagt er. Ähnlich sei es bei Covid-19.

Natürlich hätten die Verstorbenen viele Vorerkrankungen und die Lebenserwartung sei sicher kürzer als die von Gesunden. Alexandar Tzankov: „Aber alle diese Patienten hätten wahrscheinlich ohne Covid-19 länger gelebt, vielleicht eine Stunde, vielleicht einen Tag, eine Woche oder ein ganzes Jahr.“ Ohne das Coronavirus wären die Verstorbenen, die er obduziert habe, „wahrscheinlich noch am Leben“.

Coronapatientin aus Frankreich in Kiel geheilt entlassen

Eine der sechs Intensivpatienten, die das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) aus Frankreich zur Behandlung übernommen hatte, konnte am Dienstag entlassen werden. "Die Patientin wurde heute Mittag vom Campus Kiel über den Flughafen Hohn auf ihre Heimreise nach Frankreich verabschiedet", teilte das UKSH mit

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Am 31. März 2020 hatte das UKSH sechs beatmungspflichtige Patienten aus Frankreich aufgenommen. Das Nachbarland war aufgrund der Coronavirus-Pandemie an Kapazitätsgrenzen bei der Behandlung beatmungspflichtiger Patienten gestoßen. „Diese Hilfe war und ist für uns ein Gebot der Menschlichkeit. Dies entspricht unserem Verständnis von Solidarität in einem vereinten Europa und einem weltoffenen UKSH“, sagte Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des UKSH Prof. Scholz.

Corona: Weiteres Pflegeheim im Norden betroffen

Im Kreis Herzogtum-Lauenburg gibt es in einem weiteren Pflegeheim eine Covid-19-Erkrankung. Das teilte das Kreisgesundheitsamt mit. Zwei Bewohner sowie zwei Mitarbeiter eines Alten- und Pflegeheims in Lauenburg seien positiv getestet worden. Die infizierten Mitarbeiter befinden sich laut Kreisgesundheitsamt in häuslicher Quarantäne. Einer der beiden positiv getesteten Bewohner sei zur Behandlung in ein Krankenhaus verlegt worden. Insgesamt leben 40 Menschen in dem Pflegeheim, 31 Mitarbeiter kümmern sich dort um die Menschen.

Neben den bereits getroffenen Isolationsanordnungen ermittelt das Gesundheitsamt derzeit die möglichen Kontaktpersonen und veranlasst Tests für alle Bewohner und Mitarbeiter. Bereits Ende März war im Kreis Herzogtum Lauenburg in einem Pflegeheim in Wentorf der Erreger festgestellt worden. Im Verlauf der Ausbreitung des Virus starben dort drei Bewohner.

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

Corona: Fielmann übergibt 1000 Schutzbrillen an Uniklinik

Der Brillenhersteller Fielmann hat dem Hamburger Universitätsklinikum (UKE) 1000 Schutzbrillen gespendet. Der Vorstandsvorsitzende Marc Fielmann übergab die Brillen am Dienstag an den Ärztlichen Direktor und Vorstandsvorsitzenden des UKW, Burkhard Göke.

Schutzbrillen sind neben den Atemschutzmasken zentraler Bestandteil der Schutzausrüstung für Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Sie beugen vor allem der Tröpfcheninfektion vor, die als ein wesentlicher Übertragungsweg des Coronavirus gilt. Die Fielmann AG will die ersten 20 000 hergestellten Brillen spenden. „Mit dieser Spende bedanken wir uns bei allen Ärzten, Pflegern und deren Kollegen für ihre außergewöhnliche Leistung in diesen schwierigen Zeiten“, sagte Marc Fielmann.

Nach Corona-Lockerung: Deutlich weniger Kunden

Am ersten Tag der Wiedereröffnung der Geschäfte in Hamburg hielten sich die Kunden zurück. So verzeichnete die Europapassage am Montag 61 Prozent weniger Kunden im Vergleich zu der Spitzenstundenfrequenz zu einem Montag vor der Epidemie. Statt 5911 Kunden in einer Stunde schauten nur 2280 Kunden vorbei. Auf der Spitaler Straße wurden 52 Prozent weniger Passanten gezählt. In der Spitze waren es pro Stunde 2280 Kunden. Üblichweise sind es 4333, so der Zentralen Immobilien-Ausschuss.

Corona: HVV begrüßt Maskenpflicht

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) begrüßt die beschlossene Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. "Ich halte die angekündigte Maskenpflicht für sinnvoll. Sie kann dazu beitragen, das Ansteckungsrisiko im ÖPNV auch bei wieder steigenden Fahrgastzahlen gering zu halten", sagte Sprecher Rainer Vohl dem Abendblatt. Einzelheiten zur Durchsetzung oder Kontrolle der Pflicht müssten aber noch abgestimmt werden. "Wir gehen aber auch davon aus, dass die Fahrgäste ein großes Maß an Einsicht mitbringen", sagte Vohl.

Normalerweise fahren an Werktagen 2,6 Millionen Fahrgäste mit dem HVV. In den vergangenen Wochen waren es etwa 70 Prozent weniger. Das Angebot, seine Abo-Karte pausieren zu lassen, sei nach Angaben des Sprechers von mehreren Tausend Kunden in Anspruch genommen worden. Genaue Zahlen lägen derzeit nicht vor, auch nicht über Abo-Kündigungen. Mittlerweile würden sich aber vielen Kunden melden, die die Pause schon wieder beenden wollen.

"Die Fahrgastzahlen werden schon in dieser Woche wieder steigen und in den kommenden Monaten weiter zunehmen", sagt Vohl. "Die Ansteckungsgefahr ist im ÖPNV nicht größer als im öffentlichen Raum insgesamt, geeignete Schutzmaßnahmen wurden und werden in Abstimmung mit dem RKI bzw. den zuständigen Behörden umgesetzt."

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Wegen Corona: Alle Schüler in Mecklenburg-Vorpommern versetzt

Angesichts der Corona-Krise werden in diesem Schuljahr alle Schüler in Mecklenburg-Vorpommern ungeachtet ihrer Noten in die nächste Klasse versetzt. Möglich sei aber, das Schuljahr freiwillig zu wiederholen, teilte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Dienstag mit.

Gerade Schüler, die versetzungsgefährdet sind, hätten angesichts der Umstände keine gute Möglichkeit, ihre Leistungen in diesem Schuljahr noch auszugleichen, erklärte sie. Alle Schulleiter seien in einem Schreiben über die Regelung informiert worden. Schüler, bei denen aufgrund von Wissenslücken eine erfolgreiche Mitarbeit in der nächsthöheren Klasse fraglich erscheint, könnten das Schuljahr freiwillig wiederholen. In einem solchen Fall sollten die Eltern Kontakt mit der Schule aufnehmen, empfahl die Ministerin.

Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sind wegen des neuartigen Coronavirus seit Mitte März geschlossen. Am 27. April sollen zunächst die Abschlussklassen zurückkehren, am 4. Mai dann weitere einzelne Klassenstufen.

Corona-Lockerungen: Der Fahrplan für Hamburgs Schulen:

Corona-Lockerungen: Der Fahrplan für Hamburgs Schulen
Corona-Lockerungen: Der Fahrplan für Hamburgs Schulen

Corona: Norddeutsche Metallindustrie in der Krise

Die Metallindustrie in Norddeutschland blickt in den Abgrund. Wegen der Coronakrise kommen kaum noch neue Aufträge herein, die Umsätze brechen ein, und am Horizont lauert für viele Betriebe die Pleite. Das ist ein Ergebnis der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV, die am Dienstag in Hamburg vorgestellt wurde.

Danach steht rund ein Viertel der Betriebe in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie in einem halben Jahr vor der Insolvenz, wenn sich ihre Situation nicht durchgreifend bessert. Zudem erwartet etwa die Hälfte der befragten Betriebe Umsatzeinbußen von mehr als zehn Prozent. „Aus der Konjunkturdelle, die sich bereits im vergangenen Jahr angekündigt hat, wird ein Strukturbruch mit weitreichenden Folgen“, sagte Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch. Aus der Coronakrise ergäben sich Gefahren für den Bestand ganzer Industriezweige im Norden, speziell für den Schiff- und Flugzeugbau.

Die Auslastung der Metallbetriebe an der Küste ist auf 71 Prozent gesunken und damit auf einen Tiefststand, der noch unter dem Wert der Finanzkrise 2008/09 liegt. Bei den Arbeitnehmern kommt die Krise zunächst vor allem in Form von Kurzarbeit an und damit geringerem Einkommen.

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Coronakrise in Hamburg: Werkzeuge per App mieten

In Hamburg können künftig rund um die Uhr Werkzeuge per App gemietet werden – über "Kurts toolbox“. Die Citybox ist direkt neben dem Seiteneingang der Rindermarkthalle auf St. Pauli aufgebaut. Darin stapeln sich in 42 Fächern Profiwerkzeuge und Maschinen – von Schlagbohrmaschinen über Winkelschleifer und Stichsägen bis hin zu Rohrreinigungsspiralen.

Nach eigenen Angaben haben sich in den ersten zwei Wochen bereits Hunderte User in der App angemeldet und bereits Dutzende Tools gemietet. Eine weitere Station sei im Aufbau, um in weiteren Stadtteilen vertreten zu sein.