Anmelderekord

So viele Erstklässler in Hamburg gab es noch nie

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Anne Dewitz
Mehrere Erstklässler warten auf ihre Einschulung in eine Grundschule (Symbolfoto).

Mehrere Erstklässler warten auf ihre Einschulung in eine Grundschule (Symbolfoto).

Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Trotz des Rekords bekommen rund 95 Prozent der Schulanfänger ihren Wunsch erfüllt. Zwei Schulen sind besonders beliebt.

Hamburg. In Hamburg werden im Sommer so viele Kinder eingeschult wie noch nie. Die künftigen ersten Klassen der staatlichen Hamburger Grundschulen verzeichnen einen neuen Aufnahmerekord. 15.944 Erstklässler werden nach den Sommerferien eingeschult. Das sind 516 Schüler mehr als im vergangenen Jahr und rund 2400 mehr als vor fünf Jahren.

Trotz des Schülerrekords können wie im Vorjahr rund 95 Prozent der Erstklässler an ihrer Wunschschule eingeschult werden können, wie die Schulbehörde mitteilt. Derzeit gehen die Briefe an die Eltern der künftigen Erstklässler raus.

Eltern in Hamburg machen von freier Schulwahl lebhaften Gebrauch

"Hamburg bietet Eltern und Kindern zahlreiche Schulen innerhalb kurzer Entfernungen zur freien Auswahl. Und Eltern und Kinder machen von diesem Wahlrecht lebhaften Gebrauch, sodass sich an vielen Schulen immer wieder unvorhersehbare Veränderungen der Anmeldezahlen ergeben", sagt Schulsenator Ties Rabe (SPD). "Manchmal halbiert oder verdoppelt sich die Zahl der Anmeldungen an einzelnen Schulen von Jahr zu Jahr, je nachdem, welche Schule gerade angesagt oder out ist."

Deshalb sei es in jedem Jahr eine große Herausforderung, möglichst viele Schulwünsche zu erfüllen, zugleich aber das Raumangebot der Schulen gut zu nutzen, Schulen vor Überfüllung oder Leerstand zu bewahren und die gesetzlich garantierten kleinen Klassen einzuhalten.

Hamburg investiert 900 Millionen Euro in Schulbau

"Ich freue mich sehr, dass Schulleitungen und Behörde es trotzdem seit Jahren schaffen, über 90 Prozent aller Wünsche zu erfüllen", sagt Rabe. Diesmal war die Aufgabe besonders knifflig, weil die Zahl der Erstklässler in nur fünf Jahren um rund 2400 Kinder gestiegen ist, das entspricht rund 110 zusätzlichen Ersten Klassen.

"Das war nur möglich, weil wir den Schulbau in den letzten Jahren dramatisch angekurbelt haben. Während vor 2010 jährlich rund 155 Millionen Euro in den Schulbau investiert wurden, hat der Senat ab 2011 die Investitionen auf über 360 Millionen Euro mehr als verdoppelt", sagt Schulsenator Rabe. Allein 900 Millionen würden in den Jahren 2019/20 investiert, deutlich mehr, als beispielsweise die gesamte Elbphilharmonie gekostet habe.

Klassenstärken mit durchschnittlich 21 Kindern niedrig

An den 193 staatlichen Grundschulen und 14 Grundschulabteilungen der Stadtteilschulen werden insgesamt 755 erste Klassen mit durchschnittlich 21,1 Kindern eingerichtet (Vorjahr 21,0). Die durchschnittliche Klassengröße der Grundschulen mit sozial benachteiligter Schülerschaft liegt bei 18,2 Schülerinnen und Schülern (Vorjahr 18,1), in den übrigen Grundschulen bei 22,3 (Vorjahr 22,4). Damit werden die gesetzlich festgelegten Klassenobergrenzen von 19 bzw. 23 Schülern eingehalten.

In höchstens 47 Klassen (6,2 Prozent) könnten die Klassenobergrenzen minimal überschritten werden, um nach dem Leitsatz "kurze Beine, kurze Wege" Kindern zu lange Schulwege zu ersparen. Die Schulbehörde rechnet allerdings mit deutlich weniger großen Klassen, weil einzelne Schulkinder noch vom Schulbesuch zurückgestellt werden oder an Privatschulen wechseln. Umgekehrt sind 63 Klassen (8,3 Prozent) deutlich zu klein und erreichen nicht einmal die Mindestgröße von 17 beziehungsweise 21 Schülern.

Fridtjof-Nansen-Schule und Turmweg sehr beliebt

Die meisten Einschulungen verzeichnen die Fridtjof-Nansen-Schule in Lurup sowie die Schule Turmweg in Rotherbaum mit jeweils 161 Erstklässlern, die Ganztagsgrundschule Sternschanze (Sternschanze) mit 152 Erstklässlern, die Grundschule Am Kiefernberg in Harburg mit 151 Erstklässlern sowie die Schule Rönneburg und die Adolph-Schönfelder-Schule (Barmbek-Süd) mit jeweils 138 Erstklässlern. 31 Grundschulen starten mit mehr als 100 Erstklässlern in das kommende Schuljahr.

Besonders klein sind wie üblich einige Schulen in den ländlichen Gebieten der Hansestadt wie beispielsweise die Schule Cranz (16), Schule Mittlerer Landweg in Billwerder (21) oder die Schule Altengamme-Deich (23 Schüler). Für voraussichtlich 13 Schulklassen werden vorübergehend zusätzliche mobile Klassenräume aufgestellt, weil wegen Baumaßnahmen einzelne Schulgebäude noch nicht genutzt werden können.

Wie in jedem Jahr konnten einige ungewöhnlich beliebte Grundschulen nicht alle Schüler aufnehmen, weil der Platz einfach nicht ausreichte. Das gilt besonders für die Louise-Schroeder-Schule in Altona-Altstadt (50 Schüler zu viel), die Schule Richardstraße in Eilbek (43), die Schule Kielortallee (Eimsbüttel, 31), die Grundschule Hoheluft (Hoheluft-West) sowie die Goldbek-Schule (Winterhude) mit jeweils 22 Schülern zu viel.

An Grundschulen werden 466 Vorschulklassen eingerichtet

Zum kommenden Schuljahr werden darüber hinaus an den Grundschulen 466 Vorschulklassen für 9396 Kinder eingerichtet. Das sind zwölf Vorschulklassen und 238 Aufnahmen mehr als im Vorjahr. Da es für die Vorschule keine Schulpflicht gibt, lassen sich Eltern an besonders beliebten Schulen oft lieber auf eine Warteliste setzen, als auf eine Nachbarschule auszuweichen.

Zudem melden manche Eltern anders als in der ersten Klasse ihr Kind in der Vorschule nur vorbeugend an und entscheiden sich im letzten Moment dafür, das Kind doch noch ein Jahr länger in der Kindertagesstätte zu lassen. Daher ändern sich die Zahlen in Bezug auf die Vorschule erfahrungsgemäß in den letzten Monaten noch erheblich.

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