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Hamburger Experte: "Wir können die Pandemie nicht beenden"

Eine Anästhesistin richtet ein Intensivbett für einen Coronapatienten ein.

Eine Anästhesistin richtet ein Intensivbett für einen Coronapatienten ein.

Foto: Felix Kästle / dpa

Hamburger Infektiologe von Asklepios sagt: Erwarten den Gipfel der Kurve im Sommer. Antikörpertest schneller als gedacht?

Hamburg. Wie lange müssen wir auf soziale Kontakte verzichten? Ließe sich der „Shutdown“ lockern, wenn ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung infiziert wäre? „Auch dann bestünde die Gefahr, dass die Verbreitung des Coronavirus wieder auflodert“, sagt Professor Dr. Andreas Plettenberg. Man müsse nun mindestens zwei Wochen lang abwarten, „ob die Maßnahmen greifen“, so der Leiter des ifi-Instituts für interdisziplinäre Medizin/MVZ-Hamburg bei der Asklepios Klinik St. Georg.

Ob und wann die Maßnahmen wieder gelockert würden, hänge weniger vom „Durchseuchungsgrad“ ab, so der Experte, sondern mehr vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren: „Die Fragen sind: Wie gut werden die Maßnahmen – auch über einen längeren Zeitraum – von den Menschen toleriert? Wie viele Patienten können die Krankenhäuser versorgen, wenn ihre Kapazitäten ausgebaut wurden?

Corona-Krise: Maßnahmen Schritt für Schritt zurücknehmen?

Und nicht zuletzt: Was kann unserer Gesellschaft als Ganzes zugemutet werden, unter anderem mit Blick auf Schulen, Universitäten und Wirtschaft?“ Zudem solle man schauen, welche Erfahrungen im Ausland gemacht würden. „Denn da ist man ja schon etwas weiter.“ Professor Andreas Plettenberg vermutet, dass die Maßnahmen zunächst „Schritt für Schritt“ zurückgenommen würden und vielleicht später dann vor allem Risikogruppen, also Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen, geschützt würden, während Kitas und Schulen wieder geöffnet seien.

Coronavirus in Hamburg: Der Überblick

„Man muss bedenken, dass es nicht das Ziel ist, diese Pandemie zu beenden – das können wir nicht. Wir können nur versuchen, den Anstieg flach zu halten und die Krankenhäuser bestmöglich vorzubereiten.“

"Flatten the curve": Was das bedeutet

Der Erfolg der beschlossenen Maßnahme lasse sich vermutlich später daran messen, wie flach der Gipfel der Kurve ausfalle, den viele Wissenschaftler im Laufe des Sommers erwarten.

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Ist es sinnvoll, alle Familienmitglieder zu testen, wenn eines nachweislich infiziert ist? „Im Regelfall: nein“, sagt der habilitierte Mediziner. „Ist einer in der Familie erkrankt, bekommen es die anderen Familienmitglieder früher oder später auch.“

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Diese Tests könne man sich sparen. Zumal das Ergebnis nur eine „Momentaufnahme“ sei: „Der Sohn einer an Covid-19 erkrankten Mutter mag heute negativ getestet werden, aber morgen vielleicht schon positiv.“

Antikörper-Tests womöglich in zwei bis drei Monaten

Eine Hilfe im Kampf gegen die Pandemie könnten Antikörper-Tests sein, mit deren allgemeiner Verfügbarkeit Plettenberg in „möglicherweise zwei bis drei Monaten“ rechnet. „Damit ließe sich feststellen, wer das Virus hatte, aber jetzt immun ist.“ Gerade hinsichtlich des medizinischen Personals sei das von Vorteil: „Man wüsste, wen man sicher bei Covid-19-Patienten einsetzen könnte, ohne dass sich das Virus über denjenigen weiter verbreiten kann.“

Dass in China gerade der Sieg über die Pandemie gefeiert wird, sieht der Infektiologe skeptisch. „Auch dort ist ein erneuter Ausbruch möglich – nur vielleicht nicht in Wuhan: Da scheint die Durchseuchung zu hoch.“