Coronavirus

Wissenschaftler: So könnte die Pandemie in Hamburg verlaufen

Ein Hamburger Wissenschaftler hat berechnet, wie die Coronavirus-Epidemie verlaufen könnte (Symbolbild).

Ein Hamburger Wissenschaftler hat berechnet, wie die Coronavirus-Epidemie verlaufen könnte (Symbolbild).

Foto: picture alliance/Sven Hoppe/dpa

Karl-Werner Hansmann hat ein Modell entwickelt, das auch für China richtig lag. In Hamburg werde es höchstens 20.000 Fälle geben.

Hamburg.  Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Karl-Werner Hansmann hat ein Modell entwickelt, mit dem er glaubt, den Verlauf der Corona-Epidemie in Deutschland und Hamburg einigermaßen verlässlich vorhersagen zu können. Die Berechnungen beruhen auf einer Methode, mit der der Ex-Vizepräsident der Uni Hamburg bereits im Februar die Ausbreitung des Coronavirus in China recht gut prognostiziert hat. „Damals bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es in China auf keinen Fall mehr als 100.000 Infizierte geben wird – das ist eingetroffen“, sagt Hansmann.

Höhepunkt der Corona-Epidemie Ende April/Anfang Mai

Wenn man sich die aktuellen Kurvenverläufe für Deutschland und Hamburg ansieht und mit den Infizierten-Zahlen in den vergangenen Tagen abgleicht, stellt man fest, dass Hansmanns Modell auch im Moment richtig zu liegen scheint. Er geht für Deutschland von einem Maximum von 180.000 Fällen und für Hamburg von höchstens 20.000 Fällen aus: „Das sind sehr realistische Zahlen, die rein statistischen Werte liegen sogar noch deutlich darunter“, so Hansmann.

Erreicht würden die Maximalwerte Ende April/Anfang Mai, also in einem Zeitraum, in dem auch Virologen wie Christian Drosten den Höhepunkt der Epidemie erwarten. Die gute Nachricht: Hansmanns Modelle zeigen seit vergangenem Montag für Deutschland und Hamburg eine Abflachung des Trends. „Das nährt die Hoffnung, dass die Maßnahmen, die Deutschland im Kampf gegen Corona beschlossen hat, langsam zu wirken beginnen.“

Bruttoinlandsprodukt könnte um fünf Prozent schrumpfen

Letztlich sei der Verlauf einer Epidemie mit der Verbreitung eines neuen Produkts zu vergleichen. Erst gilt: Je mehr Leute ein neues Produkt kaufen, desto mehr bekommen es. Aber dann gilt: Je mehr Leute das Produkt bereits haben, umso weniger wollen es noch kaufen. „Entsprechend gibt es eine Obergrenze, die man berechnen kann.“

Er interessiert sich natürlich auch für die ökonomischen Folgen der Krise: „Wir brauchen unbedingt möglichst schnell eine Abflachung der Kurve, um die Wirtschaft wieder hochfahren zu können. Selbst, wenn wir das bis Ende Mai hinkriegen, wird das Bruttoinlandsprodukt aufs ganze Jahr gesehen nach meinen Berechnungen um fünf Prozent schrumpfen.“ Seine Hoffnung: Ende April werden die Sanktionen und Maßnahmen langsam gelockert, bis Mitte Juni kann die Wirtschaft wieder weitgehend auf den Stand vor der Krise hochfahren.

Stefan Kluge (Klinikdirektor Intensivmedizin) über die Lage am UKE
Stefan Kluge (Klinikdirektor Intensivmedizin) über die Lage am UKE

Deutschland befindet sich auch in einer psychologischen Krise

Die Einschränkungen, die es jetzt gibt, könnten auch aus einem anderen Grund nicht länger als ein paar Wochen gelten, so Hansmann: „Wenn wir die Grundrechte der Menschen so beschneiden, ist irgendwann die Demokratie in Gefahr“, sagt er. Hinzu komme, dass Deutschland sich nicht nur in einer medizinischen und wirtschaftlichen, sondern auch in einer psychologischen Krise befände: „Der Mensch braucht soziale Kontakte, die sind für ihn existenziell.“

Für Hamburg hatte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bereits vor ein paar Tagen gesagt, dass sich die einschneidenden Maßnahmen nicht für Monate aufrechterhalten ließen, da „reden wir über Wochen“. In Berlin arbeitet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an neuen Regeln für die Zeit nach dem 19. April. Der ist auch für den Kieler Ministerpräsidenten Daniel Günther ein wichtiger Termin: Er möchte wenn möglich schon vorher Lockerungen verkünden.