Coronavirus

Hamburger Ferienhausbesitzerin: „Woher kommt die Abneigung?“

| Lesedauer: 3 Minuten
Sophie Laufer
Hamburger Besitzer von Ferienhäusern im Norden wurden von Einheimischen beschimpft (Symbolbild).

Hamburger Besitzer von Ferienhäusern im Norden wurden von Einheimischen beschimpft (Symbolbild).

Foto: picture alliance/imageBROKER

Im Konflikt um die Nutzung von Zweitwohnsitzen im Norden wendet eine Hauseigentümerin sich in einem offenen Brief an ihre Nachbarn.

Hamburg. Wie fühlt man sich, wenn Nachbarn, mit denen man friedlich jahrelang Grundstück an Grundstück oder in einem Dort gelebt hat, einem plötzlich zurufen: „Hau ab! Du hast hier nichts zu suchen!“ Entsprechende Vorfälle zwischen Hamburger Ferienhausbesitzern und Schleswig-Holsteinern am Wochenende, an dem die Ferienhausbesitzer wegen der Corona-Krise in verschiedenen Landkreisen ihre Immobilien verlassen sollten, wirken bis heute nach - und müssen aufgearbeitet werden. Das zeigt ein offener Brief, den Britta von Schultz ans Hamburger Abendblatt geschickt hat, und den wir stellvertretend für andere an dieser Stelle veröffentlichen.

Britta Schultz schreibt:

„Liebe Stöfser*innen, liebe Lütjenburger*innen, liebe Frau Landrätin, lieber Herr Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr, Technologie und Tourismus, lieber Herr Ministerpräsident von Schleswig-Holstein,

die letzten 48 Stunden waren für meine Familie und mich sehr aufwühlend und beunruhigend. Abgesehen davon, dass wir uns alle in unseren vier Wänden aufhalten und auf Sozialkontakte verzichten sollen, hat meine Familie erfahren müssen, dass uns durch einen anonymen Anruf bei der Polizei ein Nachbar im schönen Dorf Stöfs nicht in seiner Nähe haben möchte. Wir sind dabei leider kein Einzelfall: Eine Freundin wurde vom ansässigen Jäger gefragt, wieviel es ihr wert wäre, wenn er sie nicht verriete, eine andere Freundin wurde beim Einkauf hämisch gefragt, was sie in Lütjenburg mache. In Hohwacht wird von demolierten Autos und anderen verbalen Attacken berichtet.

Es wird ein tiefer Keil zwischen die Menschen geschoben

Woher kommt denn diese Abneigung? Anstatt in diesen unsicheren Zeiten zusammenzuhalten und Nachbarn vielleicht zu fragen, ob man ihnen etwas aus Lütjenburg mitbringen könne, wird ein tiefer Keil zwischen die Menschen geschoben. Und das mit offizieller Anweisung der Landrätin. Kein gutes Gefühl. Auch wenn das Büro meines Mannes in Hamburg ist und wir daher dort eine Mietwohnung haben, fühlt er sich der Heimat seiner Großmutter und Adoptivmutter, die beide auf dem Lütjenburger Friedhof liegen, sehr verbunden. Er absolvierte in den 70er Jahren seinen Wehrdienst in der Schill-Kaserne als Heimschläfer, kannte noch den kleinen Lebensmittelladen am Ortsausgang nach Lütjenburg, wohnte 12 Jahre in Behrensdorf, bevor wir 2000 zusammen das Haus vom Molkereimeister Porr in Stöfs kauften.

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Hier verbringen wir jede freie Minute unseres Lebens, sind mit der gesamten Familie aktive Mitglieder im Lütjenburger Tennisverein, haben zwei unserer drei Jungs in der Gemeinde Lütjenburg von Herrn Harms und Herrn Bleibom taufen lassen. Kurz: Wir lieben Lütjenburg, den Binnensee, den Strand, den Wald und das Dorf. Wie wir uns jetzt wohl fühlen? Aus Sicherheitsgründen wird mein Mann weiter Zuhause seine Akten bearbeiten müssen. Wir verbringen selbstverständlich diese schweren Tage in unserem eigenen Haus und halten uns weiterhin penibel an die zwingenden Auflagen der Bundesregierung. Die Weberkoppel ist und bleibt unser Zuhause. Wer dagegen Einwände hat, soll sie mir bitte offen ins Gesicht sagen. Ich freue mich über einen regen Austausch mit allen Nachbarn im Dorf.“

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