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Klarer Sternenhimmel über Hamburg – Phänomen dank Corona?

So wie hier, nur noch viel klarer: Der Sternenhimmel ist derzeit selbst über dem Hamburger Hafen (Archivbild) in aller Deutlichkeit zu sehen.

So wie hier, nur noch viel klarer: Der Sternenhimmel ist derzeit selbst über dem Hamburger Hafen (Archivbild) in aller Deutlichkeit zu sehen.

Foto: Imago/STTP

Selbst im Hafen strahlen Großer und Kleiner Wagen hell wie selten. "Das sind eigentlich Wüstenverhältnisse", sagt ein Experte.

Hamburg. Corona-Krise auf der einen Seite und Traumwetter auf der einen Seite - für viele Menschen lassen die derzeitigen äußeren Bedingungen in Hamburg die Pandemie noch einmal surrealer erscheinen als ohnehin schon.

Zu Wochenbeginn nutzten zahlreiche Hamburgerinnen und Hamburger den anhaltenden Sonnenschein zu Spaziergängen an Elbe oder Alster - die meisten von ihnen angesichts der neuen Beschränkungen der sozialen Kontakte alleine oder zu zweit.

Die Polizei zeigte auf den Wegen Präsenz, zu Fuß oder auf dem Motorrad. Ein Beamter erklärte, die meisten Bürger hielten sich an die neuen Regeln. Es habe keine Probleme gegeben.

Hamburg erlebt glasklaren Sternenhimmel

Doch nicht nur tagsüber erfreuen sich die Hamburger am aktuellen Hoch "Jürgen", sondern auch abends und nachts. Vor allem der beeindruckende Sternenhimmel lockt viele ans Fenster oder auf den Balkon.

"Guckt doch mal. Ein Sternenhimmel über Hamburg“, bemerkte eine Twitter-Nutzerin erstaunt.

"Lebe ich noch in einer Großstadt?", fragte ein anderer, der in diesem Zusammenhang noch die Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen reduzierten CO2-Emmissionen durch die Corona bedingte heruntergefahrene Produktion und der außergewöhnlich reinen Luft aufwarf.

Sternenhimmel sogar im Hafen sichtbar

In der Tat strahlen derzeit selbst am Himmel über dem Hafengebiet Großer und Kleiner Wagen und der Venusstern in ungeahnter Schärfe um die Wette.

Der eingeschränkte Betrieb auf dem Wasser und an den Container-Terminals führt letztlich auch zu einer deutlich verminderten Lichtverschmutzung. Auch Flugzeuge und ihre Kondenzstreifen sind kaum mehr zu beobachten.

Extrem trockene Polarluft in Hamburg

Aber sind das tatsächlich die Gründe für die klare Luft und den tollen Sternenhimmel? "Das Wesentliche, was wir spüren können, ist nicht auf die Auswirkungen der Corona-Krise zurückzuführen, sondern auf eine besondere Wetterlage“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

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Hoch "Jürgen" bringe seit dem Wochenende extrem trockene und kalte Polarluft nach Norddeutschland. "Das ist die Ursache für den klaren Himmel", sagt Friedrich. Der bemerkenswerte Sternenhimmel hänge außerdem mit astronomischen Rahmenbedingungen zusammen.

"Das sind eigentlich Wüstenverhältnisse"

In Hamburg habe die relative Luftfeuchtigkeit am Montag bei nur 25 Prozent gelegen, bei vergleichbaren Hochwetterlagen seien eher 50 bis 60 Prozent normal. "Das sind eigentlich Wüstenverhältnisse", erklärt der DWD-Sprecher. In Freiburg sei die Luftfeuchte mit 14 Prozent sogar noch niedriger ausgefallen.

Die arktische Luft mache nun Himmelskörper sichtbar, die durch die Trübung der Luft normalerweise nicht zu sehen seien. Ein solches Phänomen erlebe Hamburg laut Friedrich letztlich nur alle ein bis zwei Jahre.

Hoch "Jürgen" von feuchter Luft verdrängt

Wer sich von dem Sternen-Schauspiel über der Hansestadt überzeugen möchte, sollte sich allerdings beeilen. Nach den trockensten Tagen am Montag und Dienstag wird "Jürgen" spätestens am Donnerstag abgeschwächt und schließlich von feuchterer Luft aus dem Norden verdrängt.​