Hamburg

Coronavirus: "Kochen für Helden" liefert erste Speisen aus

Fabio Haebel (l.) liefert die ersten Speisen der Aktion "Kochen für Helden" am Sonnabend an Kassierer Abdul Kader von der Budni-Filiale in der  Clemens-Schulz-Strasse aus.

Fabio Haebel (l.) liefert die ersten Speisen der Aktion "Kochen für Helden" am Sonnabend an Kassierer Abdul Kader von der Budni-Filiale in der Clemens-Schulz-Strasse aus.

Foto: Roland Magunia / HA

Hamburger Promi-Köche machen aus der Not eine Tugend und danken den Helden des Alltags. Mehr Gastronomen dazu aufgerufen.

Hamburg. Die Restaurants in Hamburg haben geschlossen, viele Lebensmittel drohen zu verderben. Eine Reihe von prominenten Gastronomen machen aus dieser Not nun eine Tugend und starten eine riesige Danke-Aktion für die Helden des Alltags: Sie kochen für die Mitarbeiter von Supermärkten und Drogerien, die Tag für Tag dort unter anderem an der Kasse sitzen und so die Versorgung der Hamburger aufrechterhalten, sowie für Ärzte, Pfleger, Feuerwehrleute – natürlich kostenlos. "Diejenigen, die gerade sehr wenig Zeit haben, sollen trotzdem eine gute Mahlzeit bekommen", sagt Gastronom Fabio Haebel.

Er betreibt das "Haebel" in der Paul-Roosen-Straße und hat die Aktion ins Leben gerufen – zusammen mit befreundeten Gastronomen wie Tim Mälzer und Patrick Rüther von der Bullerei sowie den Inhabern von Salt&Silver, der Kitchen Guerilla und anderen. Am Sonnabend werden die ersten 300 Portionen gekocht, die am späten Nachmittag in verschließbaren Gläsern an die Mitarbeiter von Supermärkten und Drogerien ausgeliefert werden.

Erste Portionen in Budni-Filiale übergeben

Haebel beispielsweise bereitet gerade Hühnerfrikassee und eine Minestrone zu. Er hat vom Gastronomen Dirk Block, der das "Soho Chicken" im Stadtteil Hoheluft betreibt und ebenfalls schließen musste, große Mengen an Hühnerfleisch bekommen, das er nun verarbeitet. Wichtig ist Haebel: "Wir nehmen niemandem – beispielsweise den Tafeln – etwas weg, sondern nutzen nur Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden."

Am Sonnabendnachmittag hat Haebel dann persönlich die ersten Portionen an die Mitarbeiter der Budni-Filiale in der Clemens-Schultz-Straße auf St. Pauli übergeben. Nicht nur die Beschäftigten der Drogerie, sondern auch die Kunden waren gerührt.

Danke-Aktion währen Corona-Pandemie: Alle Gastronomen können mitmachen

In den kommenden Tagen soll die Aktion "Kochen für Helden -- Hamburg" noch größer werden: Alle Gastronomen sind eingeladen, sich zu beteiligen. Die Idee, so erzählt Haebel am Telefon, stammt ursprünglich aus Berlin, wo Restaurantbetreiber Max Strohe bereits eine große Danke-Aktion gestartet hat.

Ursprünglich wollte Haebel in Hamburg nur mit ein paar befreundeten Köchen für Ärzte, Pfleger, Supermarkt- und Drogeriemitarbeiter kochen; die Vorbereitungen laufen seit vergangener Woche. Doch nun wird das Ganze größer: Alle Hamburger Gastronomen können mitmachen. Auch die Polizeistation um die Ecke oder Sanitäter, die im Dauereinsatz sind, könnten beliefert werden. "Wir haben Zeit und jede Menge Lebensmittel", sagt Haebel.

Essen für Helden des Alltags – Transport übernimmt Hansataxi

Er hat bereits viele Unterstützer gefunden: Die "Frischepost" stellt die verschließbaren Gläser, in denen sonst Joghurt und ähnliches ausgeliefert wird. Die werden nach der Nutzung wieder in den Filialen der Märkte eingesammelt und später wiederverwendet. 750 Milliliter Speisen passen da hinein – das reicht nicht nur für die Person, die gerade zu Hause im Dauereinsatz ist, sondern auch für einen Partner zu Hause. So werden heute erst einmal 150 Gläser ausgeliefert. Den Transport übernimmt Hansataxi kostenlos.

"Wir Gastronomen kochen gerade (mit Maximalabstand zueinander und unter Beachtung neurotischer Desinfektionsvorschriften) unsere Kühlhäuser leer und haben dazu noch eine schier unbegrenzte Menge Bolognese am Start", sagt der Initiator der Aktion, Fabio Haebel. "Zusätzlich stellen unsere Großmärkte und Lieferanten uns gratis große Mengen an angestauter Ware zur Verfügung. Wir kochen also mit der Bazooka!"⠀

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Ihre Speisen würden sie gern "denen anbieten, die gerade nicht zu Hause bleiben können, weil die Gesellschaft sonst vor die Hunde geht", so Haebel. Erste Kooperationen mit Ärztehäusern und Krankenhäusern liefen. Kommende Woche soll das Ganze noch viel größer werden: Von Dienstag an können Gastronomen, die sich beteiligen wollen, im Frischeparadies an der Großen Elbstraße sowie bei der Metro Waren abholen, die sonst zu verderben drohen, sagt Haebel. Rund 50 Restaurantbetreiber haben sich bereits gemeldet: Sie wollen mitmachen.

Wer Speisen der Köche bestellen möchte, sich als Gastronom an der Aktion beteiligen will oder als Lieferant Lebensmittel zur Verfügung stellen kann, soll sich unter bitte per Mail an eat@haebel.hamburg oder because@thisisxo.de oder chef@kirchenguerilla.com melden.

Budni-Geschäftsführer begeistert von der Aktion

"Wir bei Budni, und ich auch ganz persönlich, sind tief bewegt von dieser Aktion", sagte Christoph Wöhlke, Budni-Geschäftsführer. "Es ist sehr berührend, dass Menschen, deren eigene Existenz gerade auf dem Spiel steht, in dieser Situation an andere denken und ein so starkes und selbstloses Symbol der Solidarität setzen."