Coronavirus-Pandemie

Edeka rationiert Lebensmittel – Hamburger hamstern zu viel

In Pöseldorf und weiteren Märkten werden Toilettenpapier und Nudeln kontrolliert verkauft. Niemerszein-Chef erklärt Maßnahmen.

Hamburger kaufen an vielen Stellen in der Stadt die Supermarktregale leer: Während die Zahl der Coronavirus-Infizierten täglich nach oben schnellt – aktuell sind es 158 – , sorgen viele Menschen offenbar vor, um sich im Falle einer häuslichen Quarantäne selbst versorgen zu können.

Vor allem Nudeln, Mehl, Konserven und Toilettenpapier sind in vielen Märkten bereits ausverkauft. Die Hamsterkäufe treiben die Supermarktkette Edeka nun zu neuen Maßnahmen.

In Pöseldorf werden Toilettenpapier und Dosensuppen rationiert

Gefragte Lebensmittel werden beispielsweise bei Edeka Niemerszein in Pöseldorf nur noch rationiert herausgegeben. "Einzelne Kunden können derzeit nicht alle Waren in großen Mengen kaufen, schließlich sollen alle in den Genuss kommen", sagt Frank Ebrecht, Geschäftsführer von Edeka Niemerszein, dem Abendblatt am Sonnabend.

Haltbare Lebensmittel sind an vielen Stellen schon ausverkauft, weshalb Mitarbeiter der Niemerszein-Filialen aber auch anderer Märkte des Unternehmens zeitweise die Ausgabe kontrollieren. So gelten folgende Mengenbeschränkungen pro Einkauf:

  • einmal Toilettenpapier,
  • je einmal Zwieback und Knäckebrot,
  • je zweimal Zucker, Mehl, Nudeln und Reis,
  • je zweimal Konserven und Fertiggerichte,
  • und zweimal Seife.

"Bitte bleiben Sie fair und verzichten auf unnötige Bevorratung", heißt es auf dem Aushang weiter. "Unsere Kassierer haben die Anweisung, die eingekauften Mengen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu kürzen. Wir bitten Sie darum, von Diskussionen abzusehen."

Hamsterkäufe brauchen Vorräte in Edeka-Supermärkten auf

Dass der Vorrat nicht überall reiche, liege in Einzelfällen am mangelnden Platz, sagt Ebrecht über die Zustände in der Milchstraße. "In Pöseldorf können wir gar nicht so viel Toilettenpapier lagern, um die aktuelle Nachfrage zu bedienen. Das ist logistisch schwierig." Ebrecht versichert aber: "Kommende Woche kommt schon Nachschub. Über das Wochenende sollten die Hamburger mit einer Packung Toilettenpapier auskommen."

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Seitdem die Lungenkrankheit Covid-19 Hamburg vor fast drei Wochen erreicht hat, kursieren in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook immer wieder Fotos leergeräumter Supermarktregale. Mit dem Verbot von Großveranstaltungen in der Hansestadt, der darauffolgenden Absagen vieler Konzerte, Messen und des Hamburger Frühlingsdoms dämmerte offenbar mehr Menschen, dass die Coronavirus-Pandemie das öffentliche Leben weiter einschränken wird.

Die Regierungschefs mehrerer Länder appellierten an die Menschen, keine wichtigen Güter zu horten. "Hamstern oder das Stehlen von Desinfektionsmitteln in Krankenhäusern ist unsolidarisch", sagte zuletzt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Deutschlands Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs sei gesichert. "Wichtig ist, nur das zu lagern, was auch normalerweise im Alltag genutzt und verbraucht wird", sagte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und mahnt: "Unnötige Hamsterkäufe führen leider häufig dazu, dass Lebensmittel letztlich in der Tonne landen." Wer zu viel gekauft habe, könne einwandfreie Waren an die Tafeln weitergeben.

Doch viele Rückkehrer aus Risikogebieten sowie Urlauber, die vom Skifahren aus den Alpen Österreichs und der Schweiz heimkommen, begeben sich schon jetzt für 14 Tage in häusliche Quarantäne. Neben Edeka sind auch Märkte von Rewe und Penny betroffen – einige Regale wirken wie leergefegt. Toilettenpapier ist auch in vielen Drogeriefilialen von Budnikowsky, Rossmann und dm nicht mehr zu bekommen.

Edeka-Geschäftsführer: "Es wird niemand verhungern"

Es war wohl spätestens die auch von Bürgermeister Peter Tschentscher am Freitag bekanntgegebene Schließung von Schulen, Kitas, Hochschulen sowie Museen und Bücherhallen, die mehr Hamburger zum Wochenende in die Lebensmittelmärkte trieb. Am Sonnabend kündigte die Gesundheitsbehörde zudem an, die Allgemeinverfügung zum Verbot für größere Zusammenkünfte weiter verschärfen zu wollen. Niemerszein-Geschäftsführer Ebrecht bleibt angesichts des Ansturms auf die Supermärkte gelassen: "Es wird niemand verhungern."