Zuchtprogramm

Tierpark Hagenbeck: Warum Walross Thor umziehen muss

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Der beliebte Bulle wird bald nach Belgien gebracht – denn dort bekommt er eine neue Aufgabe. In Hamburg ist er ein Star.

Hamburg. Der Tierpark Hagenbeck verliert einen Star: Walrossbulle Thor soll in Brugelette südwestlich von Brüssel in Belgien eine Zucht gründen – mit drei Gespielinnen. Dabei ist er erst sechs Jahren jung und noch nicht geschlechtsfähig. Der aktive Part des Zuchtprogramms startet daher erst in mehr als zwei Jahren.

Trotzdem zieht der Bulle schon sehr bald in den Zoo Pairi Daiza, der genaue Termin bleibt geheim. "Thor ist sehr sensibel, deshalb soll er nicht an einem fixen Tag geholt werden", sagt Pfleger Dave Nelde. Fest steht, dass die Reise bald geschehen muss, denn Pazifische Walrosse wie Thor lieben es kalt. Sommerliche Luft würde das Transportwasser zu sehr erwärmen und den Bullen stressen.

Thor wurde als erstes Walrossbaby Deutschlands im Tierpark Hagenbeck geboren – ein Spektakel im doppelten Sinn, denn Tierpfleger Nelde war sich nicht sicher, ob Mutter Dyna "einfach nur fett" war oder Vater Odin sie geschwängert hatte. Walrossfett ist nämlich mehrere Zentimeter dick und lässt kaum Ultraschallstrahlen durch.

Tierpark Hagenbeck: Abschiedsfütterung für Walross Thor

Die Tierpfleger wollen dem Bullen keinen Abschiedsstress bereiten und ihn deshalb im Unwissen halten. Seit Wochen gewöhnen sie ihren Schützling an die Transportkiste.

Am Donnerstagvormittag gibt es dann aber doch Abschiedstrubel: Die Tierpfleger sagen ihrem Walross mit einer Abschiedstorte aus Fisch, Muscheln und Eis "Tschüs" – ein kleiner Reinfall, denn der Bulle verschmäht seinen eisigen Kuchen, stupst ihn mit der Nase ins Wasser und isst ihn erst, als das Eis geschmolzen ist.

Walross Thor verschmäht seine Torte im Tierpark Hagenbeck.
Walross Thor verschmäht seine Torte im Tierpark Hagenbeck.

Stürmischer Abschied vom Walross-Star

Tierpfleger Nelde fällt der Abschied schwer – das böige, stürmische Wetter untermalt die Stimmung. Er kennt den Walrossbullen, seitdem dieser mit der haarigen Schnauze voran das Licht der Welt erblickt und Hamburger Luft geschnuppert hat. "Das war eine Sensation", sagt Nelde. Auch heute noch erkundet das Walross mit den langen Schnauzhaaren voran seine Gegend. Der Bulle habe eben einen vorsichtigen Riecher.

Auch wenn er seinen Schützling nicht vermenschlichen will, spürt Nelde eine tiefe Verbundenheit. Er kann ihn ohne Probleme zwischen den anderen Walrossen erkennen. Thor ist dunkler und mit nur 666 Kilogramm ein Fliegengewicht. Zum Vergleich: Walrossdame Tanja bringt stolze 1000 Kilo auf die Waage. Im Schnitt sind die Raubtiere zwischen 800 und 1900 Kilogramm schwer. Zum Vergleich: Ein normales Auto wiegt 1400 Kilogramm.

Hagenbeck-Besucher können mit Selfie "Tschüs" sagen

Die Hagenbeck-Besucher können sich noch von Thor verabschieden: Die Pfleger stellen bis Mitte März eine "lebensgroße Fotowand von Thor" auf, vor der sich Fans mit dem Hamburger Bullen ablichten können.

Wissenswertes zum Tierpark Hagenbeck:

  • Hagenbecks Tierpark wurde im Mai 1907 eröffnet
  • Er liegt im Hamburger Stadtteil Stellingen und umfasst eine Fläche von 19 Hektar
  • Im Tierpark gibt es mehr als 1850 Tiere aller Kontinente, darunter eine der größten Elefantenherden Europas
  • Alle Bereiche im Tropen-Aquarium und der Rundweg im Tierpark Hagenbeck sind behindertengerecht
  • Die Mitnahme von Hunden ist nicht erlaubt

Walross-Zucht: Vater Odin, Thor und die spanischen Gespielinnen

Weil Thor noch nicht geschlechtsreif ist, tollt er zurzeit rein platonisch mit den Walrossdamen Tanja, Ninotska und Petruska im Salzwasser. Die drei Damen reisten erst im Dezember von Spanien nach Hamburg. Die Pfleger wollten prüfen, wie gut sie sich mit dem Bullen verstehen. Thor hat schon seine Favoritin auserkoren: Er ist in Petruska verliebt, sagt Nelde.

Doch seit einer Weile nähert sich Vater Odin den drei Damen an. "Aktuell ist da ein ganz großes Interesse zwischen Odin und den Mädels", sagt der Pfleger. Zur Abschiedsfütterung war Odin in einem anderen der drei Walross-Becken im Tierpark Hagenbeck. Die Pfleger lassen die Walrosse ihre Becken von Zeit und Zeit wechseln. Odins Partnerin Dyna, Thors Mutter, ist seit zwei Jahren nicht mehr im Zuchtprogramm: Die Pfleger wollten ihr keine Schwangerschaft mehr zumuten, da sie ihr Junges vor zwei Jahren nach nur wenigen Tagen auf rätselhafte Weise verloren hatte.

Im Vergleich: Tierpark Hagenbeck und Zoo Pairi

Zur Zeugung ist ein großes Becken mit ausreichend Beckentiefe wichtig. In Hagenbeck sind es sieben Meter Beckentiefe, im Zoo Pairi aber nur fünf Meter. Das Hamburger Becken ist damit das größte Europas. Trotzdem schwärmt Tierpfleger Nelde vom belgischen Becken, das technisch auf dem neusten Stand und mehr als 1100 Quadratmeter groß ist.

Aktuell läuft ganz frisch Salzwasser ins belgische Becken ein. "Es ist nigelnagelneu. Kein Walross ist bislang darin geschwommen." Thor und die drei spanischen Damen können sich dann dort ganz frei entfalten – ohne Machtgerangel.

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