Amthor und Ploß

CDU-Youngster: "Sind manchmal sogar lustiger als die Grünen"

| Lesedauer: 13 Minuten
Philipp Amthor (l.) und Christoph Ploß im Abendblatt-Fotostudio.

Philipp Amthor (l.) und Christoph Ploß im Abendblatt-Fotostudio.

Foto: Mark Sandten / HA

Doppel-Gespräch mit den Union-Hoffnungen Philipp Amthor und Christoph Ploß. Wie sind sie als Teenies überhaupt zur CDU gekommen?

Hamburg. Sie gehören zu den jüngsten Gesichtern und den größten Hoffnungsträgern der schwächelnden CDU: Die Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor (27) und Christoph Ploß (34) sprechen mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider über den Kampf gegen die AfD, den richtigen Parteivorsitzenden beziehungsweise Kanzlerkandidaten, über Instagram, Krawatten, die Grünen und Humor. Das komplette Gespräch ist unter www.abendblatt.de/entscheider zu hören. Das sagen Amthor und Ploß über …

… Vorurteile gegen junge Leute in der CDU:

Amthor: „Wenn man in einer bürgerlichen Partei ist, heißt das nicht, dass man zum Lachen in den Keller geht. Wir verbinden bürgerliche Politik mit guter Laune und einer gewissen Selbstironie.“

Ploß: „Beim Bier abends sind wir manchmal sogar lustiger als die Grünen.“

Amthor: „Man darf nicht vergessen: Die sind nicht alle so wie Robert Habeck und Annalena Baerbock. Die meisten von denen sind eher so Modelle Jürgen Trittin und Anton Hofreiter.“

… die Frage, warum man als Teenager überhaupt Mitglied der CDU wird:
Amthor: „Ich habe mich schon früh für Politik interessiert und festgestellt, dass mir die Rolle des bloßen Beobachters nicht liegt. Deshalb bin ich mit 16 in die Junge Union eingetreten. Die Grünen oder Linken sind schon damals für mich nicht infrage gekommen. Ich komme aus dem ländlichen Raum, dort kennt man die Grünen-Wähler namentlich. Die Grünen werden weit überwiegend in den Städten gewählt und wollen dann den Menschen auf dem Land erklären, wie sie zu leben haben. Das geht gar nicht. Ich fand es immer abgehoben, wie sie Politik betreiben. Und die linken Parteien sind grundsätzlich Parteien, die den Menschen nicht allzu viel zutrauen.“

Ploß: „Ich habe die Grünen immer schon als Partei empfunden, die den Menschen vorschreiben will, wie sie zu leben haben, und die eine Politik machen, die von oben herunterschaut. Das fand und finde ich falsch. An der CDU hat mich fasziniert, dass sie einerseits auf Freiheit setzt und andererseits auf sozialen Zusammenhalt. Für mich persönlich war der Eintritt in die CDU übrigens durchaus ein rebellischer Moment: Denn meine Mutter hat damals noch die Grünen gewählt.“

… die Reaktionen von Freunden
auf den Eintritt in die CDU:

Amthor: „Es gibt für 16-jährige vermeintlich coolere Dinge als einer Partei beizutreten. Natürlich wurde ich gelegentlich belächelt, aber viele haben schnell gemerkt, dass es doch ganz cool ist, etwas zu machen, was über einen selbst hinausgeht und der Gemeinschaft nutzt.“

Hören Sie hier den Podcast mit Amthor und Ploß:

… Anzüge und Krawatten:

Ploß: „Wenn man im Bundestag eine Rede hält, dann gehört es sich, dass man einen Anzug und eine Krawatte trägt. Bei Grünen und Linken denkt man oft, dass die gerade von der Gartenarbeit kommen. Wir handhaben das etwas anders, um den Respekt vor dem Parlament auszudrücken.“

Amthor: „Ich sitze sonntags nicht mit der Krawatte auf der Couch, keine Sorge. Aber das Rebellische dieser Tage ist doch, sich die Haare zu kämmen. Und das ist keine Frage des Alters, sondern des Amtes. Wir als Bundestagsabgeordnete sollten mit unserem Auftreten schon die Ernsthaftigkeit des Amtes unterstreichen.“

… Luisa Neubauer, das deutsche
Gesicht von Fridays for Future:

Amthor: „Jetzt erwartet wohl jeder, dass ich über Luisa Neubauer herziehe, aber ich muss enttäuschen. Ich teile nun wirklich nicht alle ihre Ansichten, aber persönlich ist sie mir durchaus sympathisch. Und ich habe erst mal großen Respekt davor, wenn man sich mit voller Leidenschaft für seine Anliegen einsetzt.“

… Shitstorms:

Amthor: „Da braucht man Gelassenheit. Wenn Franz-Josef Strauß heute in der Politik aktiv wäre, hätte er jeden Tag einen Shitstorm auf Twitter. Auf einen Beitrag von mir für ein Buch gab es neulich 4000 Tweets, und ich schätze, dass von denen 3950 den Text überhaupt nicht gelesen haben, über den sie sich aufregen. Das ist ein merkwürdiger Diskussionsstil. Solche Kritik nehme ich mir nicht sonderlich zu Herzen.“

… den Bereich, in dem Philipp Amthor
den Kanzlerkandidaten der CDU
meilenweit voraus ist:

Ploß: „Was den Philipp auszeichnet, ist seine wunderbare Rhetorik, die er mit einem großen Wortwitz kombiniert.“

Amthor: zeigt auf sein Handy.

Ploß: „Ach ja, er hat auf Instagram mehr Follower als Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz.“

Amthor: „Instagram ist ein gutes Medium, die Leute dort gehen netter miteinander um als auf Facebook. Wenn wir die Bundeskanzlerin mal ausklammern, bin ich inzwischen der CDU-Politiker mit der größten Reichweite. Ich habe nach der Rezo-Debatte gesehen, dass wir als Partei in den sozialen Medien besser werden müssen. Und deswegen nutze ich das, auch wenn das von meiner Zeit abgeht, in der ich eigentlich Akten lesen könnte. Es ist sinnvoll, die klassischen Medien und die sozialen Medien zu vernetzen. Auch Instagram taugt, um Inhalte zu vermitteln.“

Ploß: „Was Politik immer anspruchsvoller macht, ist, dass man einerseits die klassischen Kanäle und andererseits die neuen Kanäle bedienen muss. Außerdem kommt hinzu, dass man die Generationen sehr unterschiedlich erreicht. Viele ältere Politiker haben das noch nicht erkannt. Mein Team und ich arbeiten inzwischen wie eine klassische Redaktion und bereiten verschiedene Themen für die jeweiligen Wochentage vor.“

… die Popularität von Philipp Amthor:

Amthor: „Es gibt viele Jüngere, die das, was ich mache, gut finden. Das hat damit zu tun, dass ich nicht versuche, sie nachzuahmen und gekünstelt irgendeine coole Sprache zu sprechen, sondern, dass ich so auftrete, wie ich bin. Die Leute wollen nicht, dass man sich verstellt. Außerdem punkten Christoph und ich als „Schwiegermutters Lieblinge“. Aber entscheidend ist, dass man eine Botschaft hat.“

…Thüringens Mike Mohring
und die Tatsache, dass eine politische
Karriere schnell zu Ende sein kann:

Amthor: „Man sollte sich immer vor Augen führen, dass politische Ämter Ämter auf Zeit sind. Deswegen bin ich froh, dass ich als Jurist etwas Ordentliches studiert habe. Es wäre eine falsche Einstellung, wenn ich mit 27 Jahren sagen würde, dass ich Politik bis zu meinem Rentenalter mache. Und zu Mike Mohring: So hart es klingt, aber es gehört zum Betriebsrisiko eines Politikers, dass es einen schneller wegfegen kann, als einem lieb ist.“

Ploß: „Man ist gut beraten, wenn man einen richtigen Beruf erlernt hat. Ich würde übrigens nicht immer daran denken, dass man ein Amt mal verlieren kann. Viel wichtiger ist doch, dass man überhaupt die Chance für eine bestimmte Zeit hat, im Bundestag etwas zu gestalten.“

… den Rücktritt von Annegret
Kramp-Karrenbauer kurz nach
dem Desaster von Thüringen:

Ploß: „Der Zeitpunkt kam für mich überraschend.“

Amthor: „Wenn jemand so einen großen Schritt macht, der ja auch persönlich einen harten Einschnitt darstellt, tut man nicht gut daran, Noten für den Zeitpunkt zu verteilen. Wir dürfen als CDU nicht verzagen und müssen aus der Situation das Beste machen.“

Ploß: „Der nächste Schuss muss sitzen, und wir können uns für die inhaltliche und personelle Neuaufstellung in der CDU nicht viel Zeit lassen.“

Amthor: „Es ist gut, dass wir am 25. April auf dem Sonderparteitag eine neue Spitze für die CDU wählen. Es sprechen gute Gründe dafür, dass der neue Parteivorsitzende dann auch Kanzlerkandidat wird, natürlich nach Rücksprache mit der CSU.“

… die Frage nach dem neuen
Parteichef und Kanzlerkandidaten:

Amthor: „Jens Spahn ist der beste Minister des Kabinetts, und ich schätze ihn persönlich sehr. Dass er jetzt auf eine Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz verzichtet hat, zeigt Größe. Ich freue mich nun auf einen guten Wettbewerb zwischen Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. Friedrich Merz hat jedenfalls hier in Hamburg und auch zuletzt in meiner Heimat in Vorpommern gezeigt, dass er unsere Parteibasis elek­trisieren kann. Eine solche Stimmung von Aufbruch und Mut muss ein neuer Vorsitzender erzeugen können. Insgesamt muss es unser Anspruch sein, mit einer Schubumkehr aus dem Umfragetief zu kommen und die Bundestagswahl mit Werten in Richtung von 35 Prozent wieder deutlich zu gewinnen.“

Ploß: „Friedrich Merz wird beim Bundesparteitag im April meine Stimme bekommen! Ich halte ihn für absolut kanzlerfähig: Friedrich Merz ist in der Lage, unterschiedliche Strömungen unserer Gesellschaft anzusprechen und steht für den notwendigen Aufbruch sowie die inhaltliche Erneuerung, die unser Land dringend braucht. Seine Themen Generationengerechtigkeit, Stärkung des Rechtsstaats oder eine bessere europäische Außen- und Sicherheitspolitik unterstütze ich aus vollem Herzen.“

… eine Strategie,
mit der man die AfD schlägt:

Amthor: „2016 ist die CDU bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, wo ich herkomme, nur noch drittstärkste Partei geworden, hinter der AfD und der SPD. Das war für mich ein Grund, hauptberuflich Politiker zu werden. Die AfD hat bei mir zu Hause die Hälfte aller Direktmandate gewonnen. Ich habe damals gesagt, dass wir die AfD nicht schlagen können, indem wir sie ignorieren, sondern indem wir uns mit ihr inhaltlich auseinandersetzen. Das heißt auch, dass eine Differenzierung zwischen den AfD-Funktionären und den AfD-Wählern notwendig ist. Die Funktionäre sind meine klaren politischen Gegner, weil sie Grenzen zum Extremismus überschreiten und nur scheinkonservativ sind. Anders verhält es sich mit den AfD-Wählern, die nicht meine Gegner sind und in der Mehrheit übrigens auch keine Rechtsextreme.
Viele von denen haben mir im Wahlkampf gesagt, dass sie die AfD wählen, weil sie von der CDU inhaltlich enttäuscht sind. Genau da müssen wir ansetzen. Um ein Beispiel aus der Klimadiskussion zu nennen: Auf dem Land hat man eben nicht wie in einer Großstadt wie Hamburg die Möglichkeit, sich zwischen Fahrrad, S-Bahn, Bus oder Auto zu entscheiden. Wir müssen die enttäuschten AfD-Wähler zurückgewinnen, sonst kommen wir nicht wieder über 30 Prozent.“

Ploß: „Viele Menschen wählen die AfD nicht, weil die so ein tolles politisches Angebot hat, sondern weil sie Protest ausdrücken wollen. Zahlreiche Wähler sagen uns beispielsweise an den Infoständen, dass bei der Migrationspolitik der Grundsatz gelten soll: „Illegale Mi­gration stoppen, legale Migration steuern, qualifizierte Fachkräfte für unser Land gewinnen.“ Das muss sich die CDU zu eigen machen.“

Amthor: „Die Wähler in Ostdeutschland sind ja nicht ausländerfeindlich, wie das manchmal unterkomplex analysiert wird. Viele Wähler haben vor allem ein Problem mit der Handlungsfähigkeit des Staates. Es ist an mehreren Stellen ein Unverständnis dafür vorhanden, dass man selbst sofort bestraft wird, zum Beispiel beim Überschreiten des Tempolimits oder wenn die Steuererklärung zu spät abgegeben wird, der Staat in anderen Bereichen aber bei Weitem nicht so handlungsfähig erscheint, unter anderem, wenn es um die Ausreisepflicht von Ausländern geht. Das sind Fälle, in denen der Staat nicht so schnell durchgreift. Es geht für viele im ländlichen Raum um die Frage, ob der Staat die Lage im Griff hat, und ich bin manchmal erstaunt, dass diese Frage im urbanen Raum nicht immer so gestellt wird.“

Ploß: „Für Hamburg kann ich konstatieren, dass die Menschen hier sehr sensibel auf AfD-Mitglieder wie Björn Höcke reagieren. Die Hamburger sagen: Wenn solche Leute der Partei angehören, dann können wir die in Hamburg natürlich nicht wählen. Und das ist ja auch sehr gut so.“

… vorgezogene Neuwahlen:

Ploß: „Ich halte wenig davon, dass man immer über Neuwahlen redet. Meine Erfahrung ist, dass die Leute erwarten, dass man als Abgeordneter seine Arbeit macht und politische Probleme löst. Inzwischen glaube ich, dass das Thema vom Tisch ist.“

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