Barmbek

Ein Wochenende ganz im Zeichen der Kaffeebohne

Carlo Graf von Bülow bei der Arbeit. Der Barista war einer von sechs Finalisten der Latte-Art Meisterschaft.

Carlo Graf von Bülow bei der Arbeit. Der Barista war einer von sechs Finalisten der Latte-Art Meisterschaft.

Foto: Andreas Laible

Das Hamburg Coffee Festival lockte rund 4000 Menschen ins Museum für Arbeit. Interessante Neuigkeiten rund um den Kaffee.

Hamburg.  Akribisch kontrolliert Carlo Graf von Bülow die Tassen, die ohne ein Stäubchen und mit perfekt ausgerichteten Henkeln vor ihm stehen, die Kaffeemaschine und die Qualität des Milchschaums. Nichts darf das Ergebnis seiner Arbeit gefährden, die er hier gleich zum Besten geben wird. Der Barista aus Bonn will den deutschen Meistertitel zurück, den er 2018 in der Disziplin „Latte Art“ gewonnen hatte – und im vergangenen Jahr an den Hamburger Yuri Marschall verloren hat.

Gespannt beobachten knapp 100 Zuschauer und eine vierköpfige Jury, wie von Bülow (ein ferner Verwandter von Loriot – Vicco von Bülow) jetzt eine der Tassen in die Hand nimmt und Schaum aus einem der Kännchen hineingießt. Das Zittern seiner Hand ist nicht etwa Nervosität. Nein, er „zeichnet“ ein Bild auf den Kaffee: Simba, die „König der Löwen“-Figur. Die Herausforderung der Latte-Art-Künstler, die am Wochenende im Rahmen des Hamburg Coffee Festivals gegeneinander antraten: Sie müssen drei Motive je zweimal gießen – so, dass sie identisch sind und den Fotos entsprechen, die den Juroren vorliegen.

Auch Neuheiten wurden präsentiert

Neben der Milchschaumkunst ging es bei den Barista & Latte-Art-Meisterschaften der Speciality Coffee Association Germany, des deutschen Dachverbands für Spezialitätenkaffee, auch um die Zubereitung von Kaffee. Doch ein guter Kaffee ist auch dem normalen Endverbraucher immer wichtiger. Das zeigt der Erfolg des Kaffee-Festivals, das bereits zum zweiten Mal vom Hamburger Abendblatt im Museum für Arbeit veranstaltet wurde. Wegen des großen Andrangs im vergangenen Jahr fand es dieses Mal auf deutlich mehr Fläche und mit einer größeren Zahl an Ausstellern statt.

Umweht vom Duft würziger Röstaromen informierten sich rund 4000 Besucher über alles, was mit dem Thema Kaffee zu tun hat: von der Verarbeitung über die Unterschiede der einzelnen Sorten bis zu den verschiedenen Röst- und Zubereitungsmethoden. Neben kleinen Röstereien wie Moin Bohne, Black Delight oder quijotekaffee waren auch die traditionellen Kaffeeproduzenten Darboven und Tchibo am Start. Außerdem konnten die Besucher Neuheiten rund um den Kaffee kennenlernen – etwa das Milchersatzgetränk des schwedischen Unternehmens Sproud, das aus Erbsenprotein besteht und in Kürze weltweit vermarktet werden soll.

Kaffeekultur hat sich weiterentwickelt

„Ich finde es toll, dass sich die Kaffeekultur in den letzten Jahren so weiterentwickelt hat“, sagt Sabine Middeke aus Barmbek, die gerade an einer Kaffeedegustation teilgenommen und die Unterschiede zwischen einem brasilianischen Rio Verde (mit Noten von Mango und Passionsfrucht) und einem Cococa aus Burundi (erinnert an Wassermelone und Physalis) kennengelernt hat.

Patrick Zielinski und Christoph Bahr sind aus Flensburg angereist, um sich auf dem Festival über die neuesten Kaffeemaschinen zu informieren. „Uns reizt das Handwerkliche an der Kaffeezubereitung“, sagen die beiden, die sich als „Kaffee-Nerds“ bezeichnen und sich über die neuesten Kaffeetrends in einer WhatsApp-Gruppe austauschen. Gerade begeistert sie eine Maschine, die nach der Vorlage eines Handyfotos ein Porträt aus Milchschaum auf den Cappuccino „drucken“ kann.

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Niklas Menkens ist an den verschiedenen Geschmacksrichtungen interessiert, die durch unterschiedliche Röstungen hervorgerufen werden. Er sei aus Zeit- und Geschmacksgründen vor Kurzem auf Filterkaffee umgestiegen. „Das ist ein reinerer Kaffeegenuss“, sagt der Oldenburger, der eine Mischung aus Robusta und Arabica favorisiert.

Am Stand von Touton, einem Hamburger Rohkaffee-Importeur, können sich die Besucher mit kleinen Kellen durch verschiedene Kaffeesorten schlürfen. Gezeigt werden die Bohnen jeweils in grünem und in geröstetem Zustand und als Kaffee gebrüht. „Es ist schon spannend, wie verschieden die Kaffeebohnen bereits im Rohzustand aussehen – und wie unterschiedlich der Kaffee dann auch schmeckt“, findet Beate Schneider aus Norderstedt.

Wie verschiedene Kaffeebohnen beim Aufbrühen besonders zur Geltung kommen, erklärt auch ein neues Abendblatt-Magazin. Und weil sich Kaffee- so gut mit Schokoladengeschmack kombinieren lässt, geht es darin auch um Produkte aus der Kakaobohne. Außerdem werden Röstereien und Cafés vorgestellt. Das Magazin ist in der Abendblatt-Geschäftsstelle am Großen Burstah 18–32 erhältlich.