Hells-Angels-Prozess

Rockerfreundin: "Ich wollte, dass er Schmerzen hat"

Das angeschossene Opfer wurde nach der Tat am 26. August 2018 auf einer Trage in den Rettungswagen geschoben.

Das angeschossene Opfer wurde nach der Tat am 26. August 2018 auf einer Trage in den Rettungswagen geschoben.

Foto: TV News Kontor

Lisa S. schildert die Planung und Durchführung des Racheaktes gegen Dariusch F., der seit dem Attentat auf dem Kiez im Rollstuhl sitzt.

Hamburg. Im Prozess um den Anschlag auf den Boss der Rockergruppe Hells Angels, Dariusch F., hat eine 25-Jährige am Montag geschildert, sie sei die treibende Kraft für die Schüsse gewesen. Lisa S., die wegen des Attentats vom 26. August 2018 bereits rechtskräftig zu zwölfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde, sagte, sie habe sich mit dem Anschlag auf den Rockerboss gegen wiederholte Drohungen und ein früheres Attentat auf sie selber wehren wollen.

"Ich wollte, dass er selber Schmerzen hat“, sagte Lisa S. über Dariusch F. "Ich wollte, dass er dieselbe Angst hat. Ich dachte, wenn Dariusch weg ist, dass es ruhig ist. Dass Gerechtigkeit da ist.“ Seit dem Attentat, bei dem auf Dariusch F. fünf Schüsse abgegeben wurden, sitzt der 39-Jährige im Rollstuhl.

Attentat auf Dariusch F. war als Racheakt geplant

In dem Prozess vor dem Schwurgericht müssen sich drei Männer verantworten. Ihnen wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Angeklagt sind Arasch R. (29), ein früherer "Mongol", dessen Vater Toryali R. (73) sowie ein 27-jähriger Bulgare, der gegen Geld die Schüsse abgefeuert haben soll. Dem Anschlag vorausgegangen waren mehrere Konflikte der "Hells Angels" mit der mittlerweile aufgelösten Rockergruppe "Mongols". Beide Gruppierungen waren verfeindet.

Auf den einstigen Mongols-Rocker Arasch R. und seine Freundin Lisa S. war am 15. Juni 2016 ein Überfall verübt worden, bei dem beide schwer verletzt worden waren. Für diesen Anschlag machte Arasch R. den Ermittlungen zufolge Dariusch F. verantwortlich. Als Racheakt, so die Anklage, habe Arasch R. den Plan entwickelt, den Hells Angels erschießen zu lassen.

Arasch R.’s Vater Toryali R. soll bei der Planung geholfen und die Tatwaffe besorgt haben. Als Killer wurde demnach der Bulgare Angel I. angeheuert, der 10.000 Euro für seinen schmutzigen Job bekommen sollte. Lisa S., die bei dem Attentat beteiligt gewesen war, sitzt mittlerweile ihre Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes ab. Am Montag sagte sie in dem neuen Prozess als Zeugin aus.

Lisa S.: "Ich lag vier Tage im Koma"

Die 25-Jährige, deren hochgestecktes Haar und ihr schulterfreies Oberteil den Blick auf ein großflächiges Tattoo auf ihrem Rücken freigaben, erzählte von den Anfängen der Konflikte der beiden Gruppierungen Hells Angels und Mongols. Es habe immer wieder Zwist geherrscht, unter anderem sei ein Mitglied der Mongols auch angegriffen worden.

Im Juli 2016 seien sie und ihr Freund Arasch R. dann in ihrer Wohnung überfallen worden. Ein schwarz maskierter Mann habe auf sie und auf Arasch R. geschossen. "Ich lag vier Tage im Koma“, sagte Lisa S. Ihr Freund sei später unter anderem wegen mutmaßlicher Drogenvergehen in Haft gekommen, aber gegen sie hätten die Bedrohungen nie aufgehört. "Mir wurde gesagt, dass damals auch auf mich gezielt geschossen wurde.“

Später sei sie zusammengeschlagen und erneut mit dem Tode bedroht worden. "Ich wusste, dass wieder etwas kommen wird. Ich hatte Angst, dass etwas passiert.“ Deshalb habe sie sich wehren wollen und das Attentat auf den Hells-Angels-Boss angeleiert.

Lisa S. besorgte die Waffe in Harburg

Laut ihrer Schilderung fragte Lisa S. ihren im Gefängnis sitzenden Freund, "ob er jemanden kennt, der für Geld schießen würde. Er gab mir eine Nummer. Ich wollte die Sache mit Dariusch klären." Sie habe dem Mann, der sich zum Schießen bereit erklärt hatte, erklärt, "wie ich mir das vorstelle“. Sie habe dem Mann Fotos des Hells-Angels-Boss gezeigt.

Der Vater ihres Freundes sei "dagegen" gewesen, so die 25-Jährige. "Er meinte, wir sollten nicht auf offener Straße schießen. Er sagte, dass ich das lassen soll.“ Gleichwohl habe sie die Waffe besorgt, die ihr in Harburg überreicht worden sei. Ihr sei gesagt worden, dass sie fünf Schuss habe.

Dann habe sie den Mann, den sie für das Attentat angeheuert habe, abgeholt und sei mit ihm in der Nähe der Reeperbahn unterwegs gewesen, um Dariusch F. zu finden. "Ich gab dem Schützen die Waffe und Handschuhe und sagte: fünf Schuss.“ An einer Kreuzung habe ihr Wagen dann neben dem des avisierten Opfers gehalten. Der Pistolenmann habe "geschossen. Ich bin dann weitergefahren."

Die Tat vom 26. August 2018:

Arasch R. war über die Tat "erstaunt"

Schon am Freitag hatte im Prozess der Angeklagte Arasch R. eine schriftlich vorbereitete Einlassung abgegeben, die jetzt von Lisa S. im Wesentlichen bestätigt wurde. Arasch R. hatte geschildert, dass er und seine Freundin nach dem Attentat auf sie beide im Jahr 2016 "erheblich in Angst“ gewesen seien, dass so etwas "nochmal passiert“.

Lisa S. habe ihn schließlich gebeten, sich nach einem Attentäter umzuhören. Das habe er nach einigem Zögern getan und ihr eine Telefonnummer zu einem Kontakt besorgt. Nach den Schüssen auf Dariusch F. sei er "erstaunt“ gewesen, "dass sie das durchgezogen hat“. Der Prozess wird fortgesetzt.