Hamburg

In diesen Stadtteilen gibt es die meisten Fahrradunfälle

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Sehr gefährlich sind Unfälle beim Abbiegen von Lkw (Symbolbild).

Sehr gefährlich sind Unfälle beim Abbiegen von Lkw (Symbolbild).

Foto: Michael Arning

Steigende Radfahrerzahlen in Hamburg, aber auch mehr Verletzte und Tote. CDU will Sicherheit erhöhen. Die häufigsten Unfallursachen.

Hamburg. Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern hat sich im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent erhöht: von 3399 im Jahr 2018 auf 3542 im vergangenen Jahr. 2329 Radfahrer wurden bei Unfällen im vergangenen Jahr leicht verletzt und 207 schwer. Damit stieg die Zahl der verletzten Radfahrer leicht an.

Vier Menschen kamen 2019 bei Fahrradunfällen in Hamburg ums Leben – 2018 waren es zwei. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Dennis Thering hervor, die dem Abendblatt vorliegt.

Hauptverursacher von Fahrradunfällen sind Pkw-Fahrer

Hauptverursacher waren Pkw-Fahrer, denen die Polizei in 1710 Fällen die Hauptverantwortung für den Unfall zuschrieb. Gleich danach folgen die Radfahrer selbst, die die Polizei in 1409 Fällen als Hauptverursacher registrierte. Mit weitem Abstand folgen Fußgänger als Hauptverantwortliche für Fahrradunfälle (151 Fälle) und danach Lkw (146).

Als häufigste Ursache von Unfällen mit Radfahrern nennt der Senat unachtsames Abbiegen (705 Fälle), das Missachten der Vorfahrt (417) und unachtsames Aus- oder Einfahren. Die meisten Fahrradunfälle zählte die Polizei 2019 in Winterhude (130), Eimsbüttel (126), St. Pauli 117) und Rahlstedt (105). Es folgen Neustadt (102), Rotherbaum (97), Altona-Altstadt (95), Altona-Nord (92), St. Georg (90) und Barmbek-Süd (87).

Handlungsbedarf bei Radinfrastruktur

„Der Anstieg bei den Fahrradunfällen und den verletzten und getöteten Fahrradfahrern ist besorgniserregend und zeigt, dass es sowohl bei der Herstellung sicherer Radinfrastruktur als auch bei der Kontrolle von Verkehrsverstößen noch erheblichen Handlungsbedarf in Hamburg gibt“, sagte CDU-Verkehrspolitiker Dennis Thering.

„Die von SPD und Grünen favorisierte Verlegung von Radwegen auf Hauptverkehrsstraßen ist der falsche Weg. Die starke Zunahme der Fahrradunfälle auf der Fahrbahn muss für SPD und Grüne ein Warnsignal sein. Anstatt die Fahrradfahrer auf viel zu schmale Radfahrstreifen auf Hauptverkehrsstraßen zu zwingen, setzen wir uns dort, wo es baulich möglich ist, für gut ausgebaute und gesicherte Radwege neben der Straße und für geschützte Radfahrstreifen ein", so Thering.

Steigende Radfahrerzahlen in Hamburg

Die Grünen verweisen derweil darauf, dass die Zahl der Radfahrer in Hamburg ihrem Ziel entsprechend immer weiter zunehme. Das zeigen auch die neuesten Zahlen der Fahrradzählsäule Gurlittinsel an der Alster. Dort wurden trotz des wenig freundlichen Wetters im Januar 129.404 Radler gezählt, wie der Senat jetzt in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Verkehrspolitikers Martin Bill mitteilte.

Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Januar 2019, als 100.409 Radfahrer die Zählsäule passierten. Und es ist der höchste Stand seit Beginn der automatischen Zählungen an der Außenalster. An Wochentagen wurden die mit Abstand meisten Radfahrer zwischen 8 und 9 Uhr morgens gezählt, an Wochenenden in der Stunde zwischen 14 und 15 Uhr.

Autos sind meist "Stehzeuge"

„Die Verkehrswende ist in vollem Gange: Immer mehr Menschen sind mit dem Fahrrad unterwegs – und das nicht nur in der Gut-Wetter-Rad-Saison, sondern das ganze Jahr über“, sagte Grünen-Politiker Bill. „Und auch der Kfz-Verkehr geht zurück: Zwar gibt es immer mehr Autos in Hamburg, doch werden diese immer mehr zu Stehzeugen statt zu Fahrzeugen. Über 23 Stunden am Tag steht ein Auto, es fährt weniger als eine Stunde am Tag.“

Dabei bezieht sich Bill auf eine weitere Senatsantwort, nach der der motorisierte Verkehr zumindest leicht abgenommen hat – nämlich stadtweit um drei Prozent zwischen dem Jahr 2000 und 2018. In der Innenstadt ging das durchschnittliche tägliche Verkehrsaufkommen im selben Zeitraum bei Kraftfahrzeugen sogar um 14,4 Prozent zurück.

7,8 Prozent mehr Verkehr auf Autobahnen

Deutlich mehr Verkehr gibt es auf den Autobahnen, wo die Statistik eine Zunahme um 7,8 Prozent verzeichnete. Auch die durchschnittliche Zahl der Kraftfahrzeuge, die täglich die Hamburger Landesgrenze passieren, wuchs – um 6,5 Prozent zwischen 2000 und 2018.

„Wir wollen die Verkehrswende beschleunigen“, sagte Bill. „Dafür brauchen wir den Mut, 100 Kilometer Radwege pro Jahr auszubauen, eine weitgehend autofreie Innenstadt zu gestalten und den HVV massiv auszubauen.“

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