Digitalisierung

Richtfest für das Herz von Hammerbrooklyn

So soll der DigitalCampus Hammerbrooklyn am Stadtdeich im Oberhafen nach seiner Fertigstellung aussehen

So soll der DigitalCampus Hammerbrooklyn am Stadtdeich im Oberhafen nach seiner Fertigstellung aussehen

Foto: Hammerbrooklyn Immobilien GmbH

Das spektakuläre Bauwerk ist Hamburgs größtes Upcycling-Projekt und wird Ideenschmiede des Digital-Campus im Oberhafen.

Hamburg. Faltbare Glaselemente, eine vertikale Fassaden-Bepflanzung und Holz von der 2012 durch Wirbelsturm Sandy zerstörten Coney Island Strandpromenade – der amerikanische Pavillon auf der Expo 2015 in Mailand war der Ernährung der Weltbevölkerung gewidmet und mit mehr als sechs Millionen Besuchern der meistfrequentierte Ort der Weltausstellung. Jetzt steht die spektakuläre Metallkonstruktion in Hamburg. Am Stadtdeich, gleich hinter den Deichtorhallen, wird das größte Upcycling-Projekt der Stadt nach seiner Eröffnung im August 2020 das Herzstück des DigitalCampus Hammerbrooklyn bilden.

Am Dienstag wurde Richtfest gefeiert. Mit dabei waren Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Hochbahn-Chef Henrik Falk, die über die Mobilität der Zukunft in Hamburg und Hammerbrooklyns Rolle in der Stadt der Zukunft diskutierten. „Hier werden wie bei einem Katalysator die Ideen der Digitalisierung vorangetrieben“, so Tschentscher.

Tatsächlich ist der DigitalCampus schon jetzt ein Zentrum für innovative Mobilitätsprojekte: Zu den ersten „Citizens“ (so werden die Nutzer hier genannt) gehören die Hochbahn, die Deutsche Bahn sowie ein Team, das Projekte der Hamburger Strategie für Intelligente Verkehrssysteme (ITS) organisiert. Noch wird in der der grünen Hammerbrooklyn-Box gearbeitet, die bald aber durch den Pavillon ersetzt wird.

Transport mit mehr als 30 Sattelschleppern

Der jetzt 7600 Quadratmeter große Pavillon mit den Maßen 14 mal 105 Meter wurde für die Expo ursprünglich als reine Metallkonstruktion entworfen, ohne Fassade. Die transparente Architektur sollte in Mailand den Begegnungsort Straße symbolisieren. Dass diese Ursprungsidee sehr gut zu den Zukunftsprojekten passt, die hier umgesetzt werden sollen, ist allerdings Zufall. „Es ging uns damals darum, ein Gebäude zu finden, das schon fertig ist“, sagt Hammerbrooklyn-Geschäftsführer Mathias Müller-Using, der das Projekt 2016 mit HWWI-Chef Henning Vöpel und Digitalexperte Björn Bloching initiiert hat. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für Hammerbrooklyn hatten sie zunächst an eine Großmarkthalle gedacht. Dann wurde ihnen der ehemalige Parkplatz am Stadtdeich angeboten. Das schmale Grundstück hatte für den Expo-Pavillon, auf den sie bei seinen Recherchen gestoßen waren, die ideale Größe.

„Schon fertig“ war der Pavillon zwar – aber in 1100 Kilometer Entfernung. Für den Transport nach Hamburg wurde er in mehrere Tausend Einzelteile zerlegt, und von mehr als 30 Sattelschleppern über die Alpen bis zur Elbe transportiert. Die Fotografen Maximilian Schwarzmann und Julian Slagman, haben Abbau, Transport und Aufbau dokumentiert -- ihre Bilder werden ab Mittwoch, 12. Februar, in einer Ausstellung gezeigt, die um 16 Uhr eröffnet wird.

Besonders den Aufbau des Pavillons vorzubereiten, war eine Herausforderung. „Wir befinden uns hier im Ufergebiet der Elbe mit einem sehr sandigen Boden“, sagt Johannes Lichtenthaler, Geschäftsleiter des Projektentwicklers Art Invest. Um das Fundament zu verankern, wurden 20 rund 120 Meter lange Pfähle in den Untergrund getrieben.

DigitalPavillon mit Roof-Top-Restaurant

Ab September 2019 wurde der Pavillon aufgebaut. Mittlerweile sind Rohbau und Stahlarbeiten abgeschlossen, aktuell entsteht eine „Glashaut“, denn der DigitalPavillon soll künftig keine offene Fassade mehr haben. Auch eine vertikale Außenbegrünung wird es nicht mehr geben. Stattdessen werden in der sogenannten Townhall, einer dreigeschossigen Lobby, Grünpflanzen wachsen, die durch die Glasfassade auch von außen sichtbar sind. Ein Novum sind auch die beiden Konferenzzimmer, die unter der Decke der Townhall hängen. Und das geplante Restaurant auf dem Dach.

Mit einer umfassenden digitalen Ausstattung soll das Gebäude zur zentralen Plattform für Vernetzung, Projektarbeit und Forschung werden. Künftiger Betreiber des DigitalPavillons ist die Stiftung „Hammerbrooklyn – Stadt der Zukunft“, die gerade gegründet wird und in der neben den Initiatoren und Art Invest auch die Stadt vertreten ist. Nora Cavara, Geschäftsführerin des Digital-Pavillons, ist sich sicher: „In Hammerbrooklyn werden Stadtgesellschaft, etablierte Unternehmen aller Branchen, Organisationen, Start-ups und kluge Köpfe aus der ganzen Welt zusammenkommen, um hier zu experimentieren, zu lernen und Innovationen umzusetzen.“