Hamburg

Jugendamt um 300.000 Euro betrogen – Bewährungsstrafe

Das Betrüger-Duo hatte im Jugendamt Fälle erfunden und 300.000 Euro erbeutet. Nun wurden beide auf Bewährung verurteilt (Symbolbild).

Das Betrüger-Duo hatte im Jugendamt Fälle erfunden und 300.000 Euro erbeutet. Nun wurden beide auf Bewährung verurteilt (Symbolbild).

Foto: Oliver Berg / dpa

Mitarbeiter hatten Fälle erfunden fingierte Rechnungen gestellt. Wie neue IT-Programme weitere Betrugsfälle verhindern sollen.

Hamburg.  Vor drei Jahren sorgte der Betrugsskandal beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) im Bezirk Mitte für Schlagzeilen, nun fiel das Urteil im Prozess gegen zwei Jugendamtsmitarbeiter. Wegen Betrugs in 46 Fällen wurde der ehemalige ASD-Regionalleiter M. zu zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt. Sein Komplize, der selbstständige Familienhelfer H., bekam wegen Beihilfe zur Untreue in 33 Fällen eine Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Richter Christian Peters sprach in seiner Urteilsbegründung von „recht milden Strafen“, obwohl der Allgemeinheit ein erheblicher Schaden entstanden sei und es sich auch um einen besonders schweren Fall von Betrug und Untreue handele. Er hielt den beiden Angeklagten zugute, dass sie von Beginn an ein umfassendes Geständnis abgelegt hätten, ihre Taten ernsthaft bereuten, nicht vorbestraft seien und durch Zahlung von monatlichen Raten aktive Schadenswiedergutmachung betrieben.

Der Gesamtschaden beläuft sich auf knapp 300.000 Euro. Da einige Taten aber bereits verjährt waren, ging es im Prozess um eine Betrugssumme von rund 170.000 Euro, die das Duo unter sich aufgeteilt hat. Ihre Masche: Sie erfanden fiktive Hilfefälle von Familien, die gar nicht existierten.

Betrug im Jugendamt: Mitarbeiter-Duo erbeutete 300.000 Euro

Begonnen haben die Betrügereien bereits im Jahr 2003. Zur Anklage kamen schließlich aber nur knapp 50 Fälle zwischen 2011 und 2015. Im Sommer desselben Jahres schöpften erstmals Mitarbeiter von M. im Jugendamt Hamburg-Mitte Verdacht, im November 2016 schließlich flog das Betrüger-Duo auf. „Es ging den beiden Männern, die sich über Jahre in der Kriminalität eingerichtet haben, ums Geld“, sagte der Richter zum Motiv. Bei M. wäre später auch noch „eine Art Kick“ dazu gekommen. Bereits während der Verhandlung hatte M. ausgesagt, dass alles ganz einfach gewesen sei, weil es im System keine Kontrollen gegeben und über Jahre niemand etwas mitbekommen habe.

Auch der Richter betonte noch einmal, „dass es nach Erkenntnissen des Gerichts keine weiteren Mittäter im Jugendamt gegeben habe“.

Nach Schilderung der Angeklagten haben sie sich einfach Familien ausgedacht und für diese einen umfangreichen Hilfebedarf erfunden. Sie hießen Alexander Meerbaum, Martino da Costa oder Mira Gonzales. Sieben Monate alte Zwillinge, elf- und zwölfjährige Schwestern und eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die Hilfe im Alltag brauchten. Oder ein 13 und 16 Jahre altes Brüderpaar, das in Obhut genommen wurde und wofür dann Pflegesätze abgerechnet wurden. Die Hilfen dauerten manchmal nur einige Wochen, manchmal Monate und im längsten Fall drei Jahre. Dafür wurden Rechnungen in Höhe von knapp 3000 bis zu 113.425,20 Euro gestellt. M. regelte den internen Papierkram, zeichnete die Rechnungen ab, das Geld wurde anschließend von der Abteilung Wirtschaftliche Jugendhilfe (WJH) im Bezirksamt angewiesen, landete meist auf dem Konto von H. und wurde dann geteilt.

Neue IT-Programme sollen Wiederholung verhindern

„Die Wirtschaftliche Jugendhilfe hat keine weitergehende Prüfung unternommen, ob es die Empfänger der Gelder überhaupt gab“, sagte der Richter. Durch verschiedene Maßnahmen wie etwa eine Sensibilisierung der Mitarbeiter auch bei Passwörtern und deren Neuvergabe hat der Bezirk mittlerweile sichergestellt, dass derartige Betrügereien nicht mehr möglich sind. „Und in unserem neuen IT-Programm finden automatische Abgleiche statt, sodass es ausgeschlossen ist, Familien ohne gültige Meldeadresse einfach zu erfinden“, sagt Sprecherin Sorina Weiland.

M. und H. betonten in ihren Schlussworten, dass sie sich bei allen Mitarbeitern entschuldigen und alles tun werden, um den Schaden wiedergutzumachen. „Es ist mir immer noch unerklärlich, was ich getan habe“, sagte M. „Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich das Vertrauen meiner Mitarbeiter und Vorgesetzten missbraucht habe. Mein Leben liegt in Scherben, ich habe mich in den vergangenen drei Jahren intensiv mit meinen Taten auseinandergesetzt und hoffe, dass es jetzt wieder bergauf geht.“