Hamburg

JVA Billwerder: Gefangener findet Munition in Wäsche

Ein Gefangener hat in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Billwerder Schrotmunition entdeckt (Symbolbild).

Ein Gefangener hat in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Billwerder Schrotmunition entdeckt (Symbolbild).

Foto: dpa

Die Patronen waren in einer Altkleiderlieferung. Hamburger Justizbehörde hat bereits Konsequenzen gezogen. Kritik von der FDP.

Hamburg. Ein Gefangener hat in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Billwerder sechs Schuss Schrotmunition entdeckt. Die Patronen hätten in einer Sporthose gesteckt, die sich in einer Altkleiderlieferung befand, bestätigte eine Sprecherin der Justizbehörde am Dienstag auf Anfrage.

Der Gefangene arbeite demnach in einem Fertigungsbetrieb, in dem aus Altkleidern Putzlappen hergestellt werden. Der Mann habe die Patronen nach dem Fund am 24. Januar bei der Aufsicht abgeben. "Er wollte damit nichts zu tun haben", sagte die Sprecherin.

Munition in JVA Billwerder – Behörde zieht Konsequenzen

Daraufhin sei der Betrieb sofort geschlossen worden, erklärte die Sprecherin. Bei der Durchsuchung der Räumlichkeiten und der Gefangenen seien kein weitere Munition entdeckt worden. Dennoch sei jetzt mehr Personal in dem Betrieb anwesend und es gebe mehr Kontrollen. Mit der externen Firma, die seit 2009 mit dem Gefängnis Billwerder zusammenarbeitet, führe die Justizbehörde Gespräche über weitere Schutzmaßnahmen. Auch die Polizei sei informiert worden.

Die Justizbehörde verweist darauf, dass es sich bei den Altkleiderlieferungen um große Ballen handelte, die von der externen Firma sehr eng zusammengepresst und von den Gefangenen dann gemeinsam entwirrt und weiterverarbeitet werden. "Wir gehen nicht davon aus, dass man auf diese Weise zielgerichtet einem einzelnen Gefangenen etwas zukommen lassen kann", so die Sprecherin. Ebenso sei es möglich, dass der Vorbesitzer der Sporthose die Munition schlicht in der Tasche vergessen habe oder sie aus anderen Gründen noch darin steckte.

Auch ein Messer in den Altkleidern entdeckt

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll es mit der Firma schon mehrfach Probleme gegeben haben. So seien Messer in den ans Gefängnis gelieferten Altkleiderballen gefunden worden. Laut der Sprecherin handelt es sich dabei um einen einzigen Fall, in dem ein stumpfes Buttermesser zwischen den Altkleidern gefunden wurde.

"Die in die JVA Billwerder gebrachten Altkleider stammen aus verschiedenen Ländern Europas", sagte die Sprecherin der Justizbehörde. Es komme häufiger vor, dass die Gefangenen in dem Fertigungsbetrieb darin noch Alltagsgegenstände finden. "Dennoch ist es geboten, umfassend zu reagieren, wenn ein mögliches Sicherheitsrisiko vorliegt". Es würden dazu auch weitere Gespräche mit der Firma stattfinden.

FDP spricht von "Pannen-Senator Steffen"

Die FDP-Bürgerschaftsfraktion übte am Dienstag scharfe Kritik am "Pannen-Senator Steffen". „Inhaftierte sollen im Gefängnis resozialisiert und nicht weiter kriminalisiert werden", sagte die Vorsitzende und justizpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Anna von Treuenfels. "Wenn scharfe Munition – die absichtlich oder unabsichtlich in einen Altkleidercontainer geworfen wurde – dort hineingelangt, gefährdet das die Insassen und die Justizvollzugsbediensteten."

Von Treuenfels sprach von einem "ungeheuerlichen Vorfall", der eine weitere Panne auf einer ganzen Liste sei. Die FDP fordert, dass die täglichen Kontrollen ausgeweitet und verschärft werden. "Dieser Senator versagt in schöner Regelmäßigkeit und setzt damit das Vertrauen der Bürger in die innere Sicherheit und den Rechtsstaat aufs Spiel“, kritisierte die FDP-Politikerin.