"Sauwohl"

Nach Shitstorm: Neue Ausstellung in Miniatur Wunderland

Plakate mit Frauen an Melkmaschinen sorgten 2019 für Empörung bei Bauern. Nun zeigen die Brauns eine Ausstellung zur Schweinemast.

Hamburg. Am Dienstagmorgen stehen Frederik und Gerrit Braun friedlich Seit an Seit mit Vertretern des Bauernverbands Schleswig-Holstein und des Vereins PROVIEH in einem kleinen Ausstellungsraum, in dem von heute an die Sonderausstellung „Sauwohl“ gezeigt wird. Die Stimmung ist versöhnlich.

Dabei war der Ton zwischen ihnen im Sommer 2019 alles andere als harmonisch. Die Macher des Miniatur Wunderlandes hatten damals mit vier Fotomotiven gegen Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft schockiert – Babys, die auf Förderbändern zum Schreddern in den Tod rutschen, nackte Frauen, deren Brüste an Melkmaschinen angeschlossen sind, Gruppen nackter Menschen in einem vergitterten Viehtransporter und Menschen in einer Mastanlage.

Industrielle Schweinemast bis Bio-Hof im MiWuLa

„Diese Bilder sind die Ursache für diese Ausstellung“, sagt Frederik Braun. Auf fünf Tischen werden Höfe mit Schweinemast präsentiert – in der ganzen Bandbreite unterschiedlicher Haltungsformen – von industrieller Schweinemast bis zum Demeter-Hof mit Bio-Schweinemast nach höchsten Tierwohl-Standards. Züge fahren in der Ausstellung nicht, aber den Braun-Brüder geht es in diesem Fall nicht um eine weitere Attraktion ihrer Miniaturwelt, sondern sie wollen eine Botschaft rüberbringen: Es liegt an den Verbrauchern, die Landwirtschaft zu verändern.

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Bio-Wurst wenig gefragt im Miniatur Wunderland

„Wir haben im Bistro dasselbe Problem wie draußen – die Menschen wollen so billig wie möglich essen. Wir haben sehr günstige Preise, es soll ja auch für Familien bezahlbar sein“, sagt Frederik Braun. Als man Bio-Currywurst und Bio-Schnitzel für nur einen Euro Aufpreis auf die Karte gesetzt habe, seien trotzdem nur drei bis fünf Prozent der Gäste bereit gewesen, die Biovariante zu wählen.

Ein Aufsteller mit dem Hinweis auf den Tischen habe schon mehr Menschen zum Umdenken gebracht. „Das Ergebnis waren etwa zehn Prozent Bio-Bestellungen“, so Frederik Braun, der sagt, das Unternehmen bezuschusse die Bio-Gerichte.

Provokative Plakate der Brauns

„Wir dachten, wir müssen dem Verbraucher deutlich machen, wie das Fleisch hergestellt wird“, sagt er weiter. Deshalb habe man damals die provokativen Fotos im Bahnhof Knuffingen aufgestellt. 1,8 Millionen Menschen hätten die Bilder gesehen und nicht alle hätten sie gut gefunden.

Daraus sei schließlich die Idee für die Sonderausstellung entstanden. Man müsse seinen Fleischkonsum überdenken, sagt Frederik Braun, der sich selbst dabei ertappt hatte, zwei bis dreimal pro Tag Fleisch zu essen. „Früher gab es einen Sonntagsbraten.“ Er habe seinen Fleischkonsum inzwischen überdacht.

Bauernverband dankbar für Ausstellung "Sauwohl"

Der Landwirt Dietrich Pritschau, der auch im Bauernverband Schleswig-Holstein aktiv ist, sagt bei der Ausstellungseröffnung: „Wir sind dankbar, weil diese Ausstellung ein guter Weg ist, den Verbraucher auf das Thema aufmerksam zu machen.“

Auf einer Tafel haben die Ausstellungsmacher eindrucksvolle Zahlen aufgelistet: Ein Mensch in Deutschland isst im Lauf seines Lebens durchschnittlich vier Rinder und vier Schafe, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühnchen.