Hamburg

Baustelle Bismarckstraße: Abwasserautobahn fertiggestellt

Umweltsenator Jens Kerstan und Hamburg-Wasser-Chefin Nathalie Leroy im neuen Überlaufbecken und Transportsiel unter der Bismarckstraße.

Umweltsenator Jens Kerstan und Hamburg-Wasser-Chefin Nathalie Leroy im neuen Überlaufbecken und Transportsiel unter der Bismarckstraße.

Foto: Michael Rauhe

Hamburg Wasser verkündet Ende der Bauarbeiten am Bismarckstraßensiel. Mischwasser fließt künftig zur Elbe.

Hamburg. Seit 2017 baut Hamburg Wasser an der Bismarckstraße zwischen Mansteinstraße und Weidenstieg ein neues Abwassersiel. Während oben Lärm und Straßensperrungen bei den Anwohnern die Nerven strapazieren, entsteht unterirdisch der letzte Teil eines Transportsielnetzes. Wie auf einer Abwasserautobahn fließt dort das Mischwasser, das bei Starkregen nicht mehr von der „normalen“ Kanalisation aufgenommen werden kann, zum Klärwerk an der Hafenstraße.

Die Maßnahme ist Teil des Innenstadt-Entlastungsprogramms: einer Gewässerschutzmaßnahme, die verhindern soll, dass Regen- und Haushaltsabwasser in die umliegenden Gewässer fließen und diese verunreinigen, in diesem Fall in die Isebek.

Abwasserautobahn Bismarckstraße: Siele schützen Fische

Zwei Sielstränge sind seit 2011 im Rahmen des Innenstadt-Entlastungsprogramms entstanden: Das 1,7 Kilometer lange Transportsiel Wallring, das vom Stephansplatz unter dem Holstenwall zur Elbe führt, und das Transportsiel Isebek, das durch das knapp 900 Meter lange Bismarckstraßensiel erweitert wurde und vom Weidestieg zur Hafenstraße führt. Mit dem sogenannten Innenstadt-Entlastungsprogramm reagiert Hamburg nicht nur auf den Klimawandel, sondern auch auf das Wachsen der Stadt: Durch Nachverdichtung und Neubau ist die Flächenversiegelung in Hamburg seit 1984 um 39 Prozent gestiegen.

„Der Sielausbau ist Gewässerschutz, denn im Mischwasser sind organische Stoffe enthalten, die in der Alster oder den Fleeten zu Fischsterben und schlechter Badequalität führen können“, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Mittwochmorgen auf einer Veranstaltung zum Abschluss der Sielarbeiten in der Bismarckstraße. Ebenso schütze der Ausbau aber auch vor überlaufenden Kellern und Straßen.

Hamburg Wasser: An Zielbaugruben Belästigungen unvermeidbar

Die Gewässerschutzmaßnahmen hätten schon zu großen Erfolgen geführt, verkündete Kerstan. Wäre in der Vergangenheit bis zu 70-mal pro Jahr verdrecktes Wasser in die Gewässer gelangt, geschehe das jetzt nur noch 15- bis 20-mal pro Jahr. Bei der Alster wären die Überläufe von 50-mal auf einmal pro Jahr gesunken, bei der Bille von dreimal im Jahr auf dreimal innerhalb von zwei bis drei Jahren.

Der Bau der Transportsiele sei eine große technische Herausforderung gewesen, ergänzte Hamburg-Wasser-Geschäftsführerin Nathalie Leroy.„Alles wurde unterirdisch und ohne die Anwohner zu stören im Bohrvertrieb errichtet, nur an den Zielbaugruben wie hier an der Bismarckstraße konnten wir Belästigungen nicht vermeiden.“ Die seit 2011 entstandenen neuen Transportsiele wären 6,2 Kilometer lang, hätten eine Speicherkapazität von 17.600 Kubikmetern und würden die Gewässer von 22.000 Kubikmeter Mischwasser entlasten. Die Kosten hierfür bezifferte Leroy mit 85 Millionen Euro.

685 Millionen Euro in neue Siele investiert

Mit dem Bau des Bismarckstraßensiels endet nicht nur das Innenstadt-Entlastungsprogramm, sondern auch ein vor 30 Jahren begonnenes Maßnahmenpaket zum Gewässerschutz. So wurde von 1990 bis 2005 das Alster-Entlastungsprogramm durchgeführt, weshalb die Alster heute Badequalität hat. Außerdem wurden von 1994 bis 2004 Maßnahmen zur Entlastung der Elbe und von 2000 bis 2015 zur Entlastung der Bille durchgeführt.

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Insgesamt entstanden durch die Programme 25,4 Kilometer zusätzliche Siel-Autobahnen, zehn neue Rückhaltebecken und 215.000 Kubikmeter Speichervolumen – „das entspricht etwa der Hälfte der Binnenalster“, so Leroy. Ohne diese Maßnahmen, die insgesamt 685 Millionen Euro gekostet haben, wären 3,8 Millionen Kubikmeter Mischwasser in die Hamburger Gewässer gelangt – ein Volumen, das dem Inhalt der Außenalster gleich kommt.

Die Anwohner der Bismarckstraße sind mit dem Abschluss der Sielbaumaßnahmen noch nicht erlöst. Nach dem Abrücken der Arbeiter von Hamburg Wasser will der Bezirk Eimsbüttel die Straße instandsetzen und umgestalten.