Transplantationen

Warum ein Hamburger für ein neues Organspenderecht kämpft

Dennis Günther-Gemeinhardt aus Rahlstedt hat ein Spenderherz – und kämpft für ein neues Organspenderecht.

Dennis Günther-Gemeinhardt aus Rahlstedt hat ein Spenderherz – und kämpft für ein neues Organspenderecht.

Foto: Privat

Dennis T. Günther-Gemeinhardt wirbt für die Widerspruchslösung von Gesundheitsminister Jens Spahn. Seine Argumente.

Hamburg. Der Mann hat, man darf das sagen, eine Mission. Seit Monaten wirbt Dennis T. Günther-Gemeinhardt für sein großes Ziel: Der Bundestag soll am Donnerstag die Organspende neu regeln. Im Endspurt reiste der Rahlstedter in die Hauptstadt, um Abgeordnete zu überzeugen, für den gemeinsamen Entwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu stimmen.

Beide Politiker kämpfen mit einem parteiübergreifenden Unterstützerkreis für die doppelte Widerspruchslösung. Wer zu Lebzeiten nicht einer Organspende widerspricht – ob über ein Online-Register oder in einer Erklärung gegenüber Verwandten oder Freunden – wäre dann Spender. Günther-Gemeinhardt traf Befürworter wie den Hamburger CDU-Abgeordneten Christoph Ploß und Gegner wie die Grünen Co-Chefin Annalena Baerbock, die für eine Reform der jetzigen Entscheidungsregelung wirbt.

"Seit der Organspende fühle ich mich wie Neugeboren"

„Wir brauchen die Widerspruchslösung“, sagt Günther-Gemeinhardt. Nur so könne die Zahl der Transplantationen steigen. Der 40-Jährige spricht aus eigener leidvoller Erfahrung. Bereits mit 20 hatte er mehrere Herzinfarkte, die sein Herz so schädigten, dass auch Bypass-Operationen nicht mehr halfen. Er kämpfte um sein Leben, musste reanimiert werden, lag über drei Monate auf der Intensivstation: „Meine Herzleistung lag nur noch bei fünf Prozent. Ich war so schwach, dass ich kaum noch die Zahnbürste heben konnte.“ Im Januar 2008 setzte ihm UKE-Herzchirurg Prof. Hermann Reichenspurner ein Spenderherz ein.

„Seitdem fühle ich mich wie neugeboren“, sagt Günther-Gemeinhardt. Mit anderen Transplantierten startete er die Online-Petition „Leben retten: Einführung der Widerspruchslösung“ über die Plattform change.org. Inzwischen haben sich über 151.000 Internet-User dieser Petition angeschlossen.

„Die Widerspruchslösung ist mir buchstäblich eine Herzensangelegenheit“, sagt Günther-Gemeinhardt. Er habe Verständnis für jeden, der eine Organspende für sich ablehne, aber es sei zumutbar, dieses dann auch zu bekunden. Zu oft käme es vor, dass ein Spenderausweis nicht ausgefüllt werde oder im Fall der Fälle nicht auffindbar sei.

Ein Spenderorgan altert schon durch die Medikamente

Günther-Gemeinhardt fürchtet, dass Deutschland die Stiftung Eurotransplant, die die Organ international verteilt, auf Sicht verlassen müsse, wenn sich der Bundestag gegen den Spahn-Entwurf entscheiden sollte: „Auf Dauer werden es andere Länder, in denen die Widerspruchslösung längst gilt, nicht hinnehmen, dass wir viel zu wenig Organe spenden.“

Günther-Gemeinhardt kämpft auch aus eigenem Interesse für eine Neu-Regelung. Denn irgendwann wird auch er voraussichtlich wieder ein Herz brauchen. Ein Spenderorgan altert schon durch die Medikamente, die ein Transplantierter nehmen muss, deutlich schneller: Der Rahlstedter schluckt jeden Tag 14 Tabletten, auch gegen Abstoßungsreaktionen. Dennoch ist er so fit, dass er Mega-Partys am Hühnerposten veranstalten kann: „Ich treibe viel Sport, mir geht es blendend.“

Der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß war nach dem Gespräch mit dem Rahlstedter tief beeindruckt: „Solche Treffen wie mit Dennis Günther-Gemeinhardt zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, dass wir im Bundestag die doppelte Widerspruchslösung beschließen. Auch in Hamburger Krankenhäusern warten zahlreiche Kinder und Erwachsene auf ein Spenderorgan, um zu überleben. Eine doppelte Widerspruchslösung würde diesen Menschen helfen, Tausende Leben retten und trotzdem niemanden zur Organspende zwingen.“