Fridays for Future

300 Menschen bei Hamburger Spontandemo gegen Siemens

Luisa Neubauer spricht bei der kurzfristig von Fridays for Future organisierten Demonstration gegen Siemens in Hamburg.

Luisa Neubauer spricht bei der kurzfristig von Fridays for Future organisierten Demonstration gegen Siemens in Hamburg.

Foto: HA

Luisa Neubauer verlangt "Haltung" von Unternehmen wie Siemens. Wegen ihres Engagements erhält sie Morddrohungen.

Hamburg. Nach der Entscheidung von Siemens, an der Lieferung einer Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien festzuhalten, hat Fridays for Future am Montag Proteste in zahlreichen deutschen Städten organisiert. Auch in Hamburg demonstrierten am Nachmittag laut Polizei bis zu 300 Menschen, darunter die bekannte Klimaaktivistin Luisa Neubauer, vor dem Hamburger Standort am Berliner Tor – erwartet worden waren nur 50 Teilnehmer. Laut Neubauer wurden die Proteste gegen Siemens kurzfristig organisiert.

„Der Konzern bricht sein Versprechen, bis 2030 klimaneutral zu sein, und unterstützt die Sabotage des Pariser Abkommens“, sagte Jesko Hennig von Fridays for Future bei der Demonstration in Hamburg. Kurzfristige Gewinne würden über die Interessen der Menschheit gestellt.

Neubauer sagte bei der Demonstration: "Joe Kaeser weiß, was sein Vorhaben für die Menschheit, das Great Barrier Reef, das Trinkwasser bedeutet." Siemens und andere Konzerne müssten "Haltung zeigen", so Neubauer weiter. Sie kündigte an, Fridays for Future werde weiter "haarscharf auf jedes Unternehmen schauen", das dazu beitrage, die Klimaziele zu verfehlen.

Neubauer sagte auf Abendblatt-Anfrage, sie habe aufgrund ihres Engagements bereits Morddrohungen erhalten und entsprechend Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ob sie, wie zuletzt hieß, Personenschutz bekommt, wollte die Klimaaktivistin nicht kommentieren.

Siemens hält an Vertrag mit australischem Kohlekraftwerk fest

Siemens-Chef Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, hatte am späten Sonntagabend via Twitter mitgeteilt, dass der Konzern an der Lieferung der Zugsignalanlage festhalten werde. In einem auf der Website der Siemens AG veröffentlichten Statement spricht er außerdem seine Anteilnahme für die Australier aus, die Verwandte, Freunde oder ihr Zuhause wegen der Buschbrände verloren haben.

Der deutsche Großkonzern hatte im Juli 2019 den Auftrag für die Schienensignalanlage der Adani-Mine im australischen Bundesstaat Queensland unterzeichnet. Siemens-Chef Kaeser kündigte Mitte Dezember an, die Beteiligung an dem Projekt auf den Prüfstand zu stellen. Zuvor war er nach eigenen Angaben nicht über den „sehr kleinen“ Auftrag mit einem Volumen von 18 Millionen Euro informiert gewesen.

Siemens müsse zu vertraglichen Pflichten stehen

Die Entscheidung, an der Lieferung festzuhalten, begründete er damit, dass Siemens zu seinen vertraglichen Pflichten stehen müsse. Noch am Freitag hatte sich der Manager mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer getroffen. Diese kritisierte die Entscheidung am Sonntagabend als „unentschuldbaren Fehler“.

Er habe sich gegen das Pariser Klimaschutzabkommen, gegen die zukünftigen Generationen und „nicht zuletzt gegen die Klimaschutz-Reputation von Siemens“ entschieden. Darum werde am Montag vor Siemens-Sitzen in zahlreichen Städten gegen die „desaströse Entscheidung“ protestiert. Bereits am Freitag hatte Fridays for Future nach eigenen Angaben in mehr als 30 Städten gegen das Unternehmen demonstriert.

Proteste bei Siemens-Hauptversammlung geplant

Neubauers Mitstreiter Nick Heubeck kündigte im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk an: „Der Protest wird auf jeden Fall
weitergehen.“ Auch bei der Hauptversammlung von Siemens am 5. Februar in München werde es Demonstrationen geben. „Siemens muss sich bewusst sein, und das soll auch ein Zeichen an die anderen Unternehmen in Deutschland sein, dass man eben nicht öffentlich zu Klimaschutz stehen kann und dann trotzdem Entscheidungen treffen kann, die nicht in dieses Jahrhundert passen“, sagte er.

Umweltschützer warnen, die Verbrennung der Kohle aus der australischen Carmichael-Mine in Indien und China werde die Klimaerwärmung verschlimmern. Zudem seien in Australien zahlreiche Tierarten durch die Mine bedroht. Die Mine soll eine der größten Kohleförderstätten der Welt werden und langfristig bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle jährlich produzieren.

Der australische Premierminister Scott Morrison betreibt eine Pro-Kohle-Politik und unterstützt energisch das Carmichael-Projekt. Australien ist der größte Kohle-Exporteur der Welt.