Hamburg

750 Menschen demonstrieren gegen AfD-Parteitag in Schule

Die AfD wählt in einer Berufsschule ihren Landesvorstand. Die Polizei war mit einer Hundertschaft und Reiterstaffel im Einsatz.

Hamburg. Am Freitagabend hat die AfD ihren Landesparteitag in der Beruflichen Schule für Medien und Kommunikation (BMK) in Wandsbek begonnen. Der Start der zweitägigen Veranstaltung wurde von Protesten begleitet. Den Weg zur Aula säumen Plakate der Schülerinnen und Schüler, die den Parteitag als Anlass für ein Schulfest unter dem Motto „Vielfalt statt Einfalt“ genutzt haben. In der Aula stehen die neuen Wahlkampfplakate der AfD: „Weltoffen: Aber nicht für Banden und Clans!“

Beim Schulfest verkauften Schülerinnen Waffeln, der Theaterkurs führte einen Flashmob auf und die ganze Schule wurde mit politischen Plakaten behängt. „Ein paar von denen musste ich wieder abhängen“, sagt Schulleiter Ralph Walper. Das Schulfest musste wegen der strengen Sicherheitsmaßnahmen eineinhalb Stunden früher enden als geplant. „Wir müssen die Verkehrswege zwischen Schulfest und Parteitag trennen.

Bündnis gegen Rechts hielt Kundgebung ab

Deswegen hätte die Polizei das Schulfest fast ganz verboten“, sagte Walper dem Abendblatt. Walper sorgt sich auch um die Flüchtlinge unter den Schülern. „Die meisten sind durch Gewalterfahrungen traumatisiert. Sie können auch noch abgeschoben werden. Deswegen haben einige Angst vor der Veranstaltung“, sagt Walper. 100 seiner 1650 Schüler sind Flüchtlinge.

Die Polizei war mit 15 Mannschaftswagen und einer Reiterstaffel im Einsatz, um das Schulgelände zu sichern. Nach dem Schulfest räumte die Polizei das Areal und riegelte es mit Absperrungen ab. Auf dem Vorplatz hielt das Hamburger Bündnis gegen Rechts eine Kundgebung ab, an der etwa 150 Menschen teilnahmen. Das Motto lautete: „Unsere Wahl heißt Antifaschismus“. Die Redner forderten: „AfD raus aus den Schulen!“ Damit bezogen sie sich auf ein Internet-Portal der AfD, auf dem Lehrer gemeldet werden können. Die Aula der BMK war schon mehrmals als Tagungsort an die Grünen vermietet worden. Die Schule muss allen Parteien zur Verfügung gestellt werden, wie die Behörde für Schule und Berufsbildung mitteilte.

Eine Demonstration der Antifa mit etwa 600 Teilnehmern zog vom S-Bahnhof Friedrichsberg zum Schulgelände. Um 18.40 Uhr erklärten die Veranstalter die Protestaktion für beendet. Die Demons­tranten hatten die Straße vor der Schule mit Spruchbändern blockiert und waren deswegen immer wieder von der Polizei zurückgedrängt worden. Bis auf einige Bengalos, die gezündet wurden, blieb der Protest aber friedlich.

Dirk Nockemann bezeichnet Protest als Einschüchterungsversuch

Der AfD-Landesvorsitzende Dirk Nockemann hatte die Proteste vor dem Parteitag als Einschüchterungsversuche gegen Parteimitglieder bezeichnet. In seiner Begrüßungsrede sagte er: „In diesem Raum gibt es keine Faschisten. Natürlich wollen auch wir ein vielfältiges und buntes Hamburg.“

Etwa 100 Mitglieder der AfD Hamburg nehmen am Landesparteitag teil. Am Sonnabend soll der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter die Veranstaltung leiten. Die Neuwahl des Hamburger Landesvorstands wird am Nachmittag erwartet. Amtsinhaber Nockemann stellt sich zur Wiederwahl. Bisher ist nicht bekannt, ob es Gegenkandidaten gibt.