Hamburger Landesparteitag

AfD-Mann Walczak nennt Siemens-Chef "Gesinnungsterrorist"

Krzysztof Walczak, stellvertretender Vorsitzender der AfD Hamburg, beschimpfte Joe Kaeser und Siemens als "Schande für Deutschland".

Krzysztof Walczak, stellvertretender Vorsitzender der AfD Hamburg, beschimpfte Joe Kaeser und Siemens als "Schande für Deutschland".

Foto: Sebastian Willnow / picture alliance/dpa

Hamburgs stellvertretender Landeschef greift den Konzern scharf an. Zuvor offenbart die Partei Angst vor den eigenen Mitgliedern.

Hamburg. Das Hamburger AfD-Landesvorstandsmitglied Krzysztof Walczak hat Siemens-Chef Joe Kaeser als „linksradikalen Gesinnungsterroristen“ bezeichnet. Hintergrund war das Angebot Kaesers an die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer, einen Sitz im Aufsichtsgremium der künftigen Siemens Energy AG zu übernehmen.

„Der Mann, der Frau Neubauer im Aufsichtsrat von Siemens möchte, der unserer Partei Nationalismus bescheinigt, der Andersdenkende verhaften lassen möchte, geriert sich als Gralshüter des deutschen Wohlstandes“, sagte Walczak (25) am Sonnabend beim Landesparteitag der AfD, der ihn anschließend zum stellvertretenden Landesvorsitzenden wählte. Dabei habe Kaeser 2017 fast 7000 Arbeitsplätze bei Siemens streichen müssen. „Herr Kaeser und Siemens sind eine Schande für Deutschland“, sagte Walczak.

Angst vor eigenen Mitgliedern? AfD schließt Medien aus

Im Mittelpunkt des Landesparteitages, der am Freitag begonnen hatte, stand die Wahl des Landesvorstandes. Zuvor wollte der amtierende Vorstand einen Rechenschaftsbericht ablegen

Für die Aussprache darüber schloss der Parteitag die Presse aus. Der Bürgerschaftsabgeordnete Detlef Ehlebracht begründete seinen Antrag damit, dass einzelne Parteitagsmitglieder die Öffentlichkeit nutzen könnten, um der Partei sechs Wochen vor der Bürgerschaftswahl Schaden zuzufügen.

Nockemann als Hamburger AfD-Chef wiedergewählt

Ex-Innensenator Dirk Nockemann wurde als Landesvorsitzender im Amt bestätigt. Der 61-Jährige erhielt 93 Jastimmen, zwölf Parteimitglieder stimmten gegen ihn, eines enthielt sich. Das entspricht einer Zustimmung von knapp 88 Prozent. Nockemann, der seit 2017 an der Spitze der Hamburger AfD steht, hatte keinen Gegenkandidaten, nachdem der frühere Bürgerschaftsabgeordnete Bodo Adolphi seine Bewerbung kurzfristig zurückgezogen hatte.

Zum ersten Stellvertreter bestimmte der Parteitag den Co-Fraktionsvorsitzenden Alexander Wolf, der 80 Jastimmen bei 26 Gegenstimmen erhielt. Auch hier gab es keinen Gegenkandidaten.

Der Parteitag hatte am Freitagabend begleitet von lautstarken Protesten in der Beruflichen Schule für Medien und Kommunikation in Dulsberg begonnen.