Altona-Nord

Diskussion: Schüler für Freigabe von Cannabis

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit begrüßt die Teilnehmer.

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit begrüßt die Teilnehmer.

Foto: Sebastian Becht

Am Gymnasium Allee hatten Jungwähler die Chance, Politiker im direkten Gespräch mit ihren Fragen zu löchern.

Hamburg.  Dass Schüler für 90 Minuten gespannt zuhören, davon können Lehrer meist nur träumen. Genau das taten die rund 120 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Allee in Altona-Nord am Donnerstag aber. Und zwar bei einer Podiumsdiskussion mit Politikern aller in der Bürgerschaft vertretenen Parteien, die von Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit eröffnet wurde. Im Rahmen der „It’s your choice“-Tour treffen Schüler an 15 Hamburger Schulen auf Politiker – und können sie ausfragen.

Die Veranstalter hoffen darauf, bei den Erstwählern Interesse für Politik zu wecken. „Wenn man heute einen 16-Jährigen dazu bringt, zu wählen, stehen die Chancen gut, dass er das ein Leben lang tut“, sagte Organisator André Mücke, Geschäftsführer der Hamburger Schulmarketing-Agentur DSA youngstar. Für die Schüler sei es wichtig, zu sehen, dass sie ernst genommen würden.

Neuwähler durften Themen bestimmen

So durften die Neuwähler entscheiden, welche Themen behandelt werden sollen. Per „Applausometer“ wählten die Schüler die Themen Verkehr, Klimaschutz, Mietpreise, Bildung, Digitalisierung, Einwanderung, Polizeigesetz, Soziales und mit besonders eindeutigem Beifall die Entkriminalisierung von Cannabis.

Damit ging es dann auch los. Moderator Bernd Fiedler ließ die Schüler abstimmen, ob sie für eine Freigabe des Betäubungsmittels sind. Mit rund 95 Prozent Befürwortern war das eine klare Sache. „Wenn ihr wollt, dass sich da was tut, müsst ihr auch wählen gehen“, sagte Fiedler – passend zum Setting – ganz in lehrerhafter Manier, bevor er den anwesenden Politikern das Wort erteilte.

Schüler erwarten Probleme bei der Wohnungssuche

Mareike Engels (Grüne), Ria Schröder (FDP), Maya Clasen (Linke) und Mathias Petersen (SPD) – der von seiner Parteilinie abwich – sahen grundsätzlich kein Problem mit einer Entkriminalisierung. Dagegen war Andreas Grutzek (CDU). Robert Risch konnte dazu noch nicht befragt werden, da der AfD-Mann zu spät war. Er kam direkt im Anschluss – pünktlich zum Thema Klimaschutz.

Wie zu erwarten war, gingen auch hier die Meinungen auseinander. Während die Vertreter von AfD und CDU beispielsweise gegen eine von den Schülern vorgeschlagene Erhöhung der Mehrwertsteuer für Fleisch waren, schlossen sich Grüne und SPD den Schülern an. Für Linke und die FDP war die Frage zu komplex, um mit Ja oder Nein beantwortet werden zu können. Während Schröder von der FDP die Landwirtschaft stärker mit einbeziehen möchte, verwies die Linke Clasen darauf, man müsse „aufpassen, Geringverdiener nicht zu benachteiligen“.

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Beim Thema Verkehr bemängelte die Schülerin Malina fehlende Parkplätze, da ihre Familie „die Oma schließlich nicht auf dem Gepäckträger abholen kann“. Beim Wohnungsbau gab es tosenden Applaus­ bei der Anmerkung einer Schülerin, die Politiker säßen vor „mehr als 100 Schülern, die demnächst große Probleme haben werden, eine Wohnung zu finden“.

Am Ende zogen viele Schüler eine positive Bilanz. Lediglich ein Kritikpunkt kam gleich mehrfach auf: Die Veranstaltung sei zu kurz gewesen.