Umrüstung

Werden in Hamburg Laternen zu Ladestationen?

Straßenlaternen können auch als Ladestellen für E-Autos genutzt werden.

Straßenlaternen können auch als Ladestellen für E-Autos genutzt werden.

Foto: picture alliance

CDU fordert Umrüstung von 5000 Masten wie in London und Berlin. Nur 0,6 Prozent der Autos in Hamburg elektrisch.

Hamburg.  Die Zahlen sprechen nicht für eine dynamische Verkehrswende hin zur Elektromobilität: Von den im Dezember 2019 in Hamburg angemeldeten fast 916.000 Kraftfahrzeugen (davon rund 800.000 Pkw) waren laut Verkehrsbehörde zuletzt nicht einmal 5600 mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieben ausgestattet. Das sind nur 0,6 Prozent der Kfz-Flotte.

Die Hansestadt verfügt zwar mit rund 1000 Ladepunkten über eine vergleichsweise gute Infrastruktur. Nach einer Untersuchung der Digitalwirtschafts-Plattform „Gründerszene“ hatte Hamburg damit bisher sogar bundesweit die meisten Ladestellen pro Einwohner – zugleich aber sei die Stadt beim Ausbau zuletzt im Vergleichsranking der großen Städte auf den letzten Platz abgesackt. Das Netz wuchs nur noch um etwas weniger als 21 Prozent pro Jahr.

Die Hamburger CDU hat nun einen Vorschlag gemacht, mit dem das Ladenetz schnell und einfach ausgeweitet werden soll. Die Partei regt an, künftig einige Tausend der mehr als 100.000 Hamburger Straßenlaternen zu Ladestellen für E-Autos umzurüsten. Vorbilder sind Städte wie London, Berlin und Dortmund, in denen solche Projekte bereits liefen. In einem Bürgerschafts­antrag fordert die CDU-Fraktion, „die Machbarkeit der Nachrüstung von Straßenlaternen mit Elektroladepunkten für Kraftfahrzeuge (Kfz) zu prüfen“.

London und Berlin als Vorbild

Aufbauend auf den Ergebnissen soll danach „ein Programm zur Umrüstung von Straßenlaternen zu kombinierten Ladepunkten mit dem Ziel aufgelegt werden, bis 2025 mindestens 5000 Straßenlaternen entsprechend um- bzw. nachzurüsten“.

Bisher werde in Hamburg keine einzige Straßenlaterne als Ladestation genutzt, moniert die CDU. „Diese stille Mobilitätsreserve gilt es zu heben. Großstädte wie London und Berlin haben sich dazu längst auf den Weg gemacht“, heißt es in dem Papier. „Unterstützt von Siemens sollen in London bis Ende 2020 1150 Laternen entsprechend umgerüstet werden.“ Die Umrüstung dauere nach Angaben von Siemens nur rund eine Stunde. In Berlin würden seit Anfang 2019 bereits 1600 Straßenlaternen zu Ladestationen aufgewertet.

„Damit die E-Mobilität Fahrt aufnimmt, muss die Ladeinfrastruktur weiter verbessert werden“, sagte CDU-Verkehrspolitiker Dennis Thering. Leider lasse der Senat seit 2018 „den wichtigen Ausbau der Ladeinfrastruktur in Hamburg schleifen“, so der Bürgerschaftsabgeordnete. „Deshalb wollen wir ausgewählte Straßenlaternen zu Ladepunkten ausbauen und so der Elektromobilität neuen Schwung verleihen. Das ist schnell und kostengünstig umsetzbar.“

Es gibt auch Nachteile

Es gibt allerdings auch Nachteile bei der Nutzung von Laternen als Ladestationen, wie etwa aus Berlin zu hören ist. So sei die Leistung der Laternen so schwach, dass der Ladevorgang acht bis 14 Stunden dauere. An Laternen, die keinen direkten Stromanschluss besäßen, sondern über andere Masten verbunden seien, sei das Laden gar nicht möglich.

Auch im Senat hält man wegen derartiger Probleme wenig von der Idee. „Die Stromversorgung der Straßenlaternen reicht für die Versorgung einer nennenswerten Anzahl von Fahrzeugen nicht aus“, sagte Verkehrsbehördensprecher Christian Füldner dem Abendblatt. „Erst recht dann nicht, wenn eine vertretbare Ladezeit erreicht werden soll. Hinzu kommt, dass lediglich die Hälfte der Masten auch tagsüber mit Spannung versorgt ist. Die Anschlüsse sind auf den Bedarf der Beleuchtung ausgelegt – einphasig mit maximal 500 Watt. Für vertretbare Ladezeiten werden etwa 20.000 Watt dreiphasig benötigt.“

Steigende Zahl der Ladevorgänge

Die Behörde setze stattdessen auf das „Bundesmodellprojekt ELBE (Electrify Buildings for EVs)“ mit dem Wohn- und Gewerbebauten, Firmenareale, Parkhäuser und Betriebsgelände mit bis zu 7400 weiteren Ladepunkten für Elektroautos ausgestattet werden sollen. Auch Moia oder der im Frühjahr startende erste rein elektrische Carsharing-Anbieter WeShare von VW sollten die E-Mobilität voranbringen. WeShare wolle mit Supermärkten kooperieren, auf deren Parkplätzen bis zu 1000 E-Autos geladen werden könnten.

Die Zunahme der Elektromobilität lasse sich laut Senat auch an der steigenden Zahl der Ladevorgänge an öffentlichen Ladepunkten erkennen: 2018 seien rund 152.000 Pkw geladen worden – 2019 bis Ende November bereits fast 212.000.