Hamburg

Schranke soll Autoverkehr auf Friedhof Ohlsdorf vermindern

Viele Autofahrer nutzen den Friedhof als Abkürzung und halten sich oftmals auch nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung (Archivbild).

Viele Autofahrer nutzen den Friedhof als Abkürzung und halten sich oftmals auch nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung (Archivbild).

Foto: Andreas Laible

Das Schrankensystem soll Pendler davon abhalten, den Parkfriedhof als Abkürzung zu nutzen. Wer die Schranken passieren darf.

Hamburg. Ein Schrankensystem soll künftig den Autoverkehr auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf reduzieren. Das habe der Aufsichtsrat der Hamburger Friedhöfe beschlossen, teilte die Umweltbehörde am Freitag mit.

Die Autoschranken auf der Mittelallee zwischen Ida-Ehre- und Kirschenallee sollen Pendler davon abhalten, den Friedhof als Abkürzung zu nutzen. Besucher, Linienbusse, Mitarbeiter von Friedhofsbetrieben, Radfahrer und Fußgänger sollen sie aber passieren können. Teilnehmer von Trauerfeiern haben die Möglichkeit, über ein elektronisches Rufsystem die Schranken öffnen zu lassen. Eine völlige Sperrung der 389 Hektar großen Anlage für den Autoverkehr – wie auf anderen Großfriedhöfen weltweit – soll es nicht geben.

Schranken auf dem Friedhof Ohlsdorf gegen Pendler

"Ein Friedhof soll ein Ort der Trauer, des Gedenkens und der Ruhe sein", sagte Umwelt-Staatsrat und Aufsichtsratsvorsitzender Hamburger Friedhöfe, Michael Pollmann. „Aus der Bürgerbeteiligung zur Zukunft des Friedhofs wissen wir, dass der eigentlich verbotene Durchgangsverkehr in Ohlsdorf für viele ein großes Ärgernis ist."

Mit der Schranke unterbinde man den Durchgangsverkehr der Pendler wirksam. Pollmann: "Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern sowie den umliegenden friedhofsbezogenen Betrieben zeigen mir, dass allgemein großes Verständnis dafür herrscht, wenn nun dieser Weg beschritten werden."

Bürgermeister verkündete im März Aus der Friedhofs-Maut

Ohlsdorf ist nach eigenen Angaben der größte Parkfriedhof der Welt. Rund 5000 Pkw fahren jeden Tag über und durch den Ohlsdorfer Friedhof. Zwei Drittel der Fahrer nutzen nach einer Erhebung aus dem Jahr 2015 die Strecke nur als Abkürzung, ohne ein Grab zu besuchen. Zur Reduzierung des eigentlich verbotenen Durchgangsverkehrs hatte die Friedhofsverwaltung auch erwogen, eine Maut zu erheben. Zur Debatte stand noch Anfang des Jahres, ein Entgelt von 0,50 Euro für Friedhofsbesucher ins Auge zu fassen. Für „Durchfahrer“, die weniger als 30 Minuten auf dem Friedhof sind, sollte ein höheres Entgelt erhoben werden.

Größter Friedhof Europas in Ohlsdorf
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Doch schnell regte sich Widerstand gegen die Maut-Idee innerhalb anderer Bürgerschaftsfraktionen. Mitte März hatte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) das Aus für die Friedhofs-Maut in Ohlsdorf verkündet. Im Oktober standen drei Vorschläge in Sachen Durchgangsverkehr auf dem Friedhof Ohlsdorf zur Diskussion.

Drei Vorschläge für Ohlsdorf-Durchfahrt:

  • 1. Die zeitweilige Schließung von drei der vier Zufahrten beispielsweise vormittags. Gegner dieser Lösung sehen vor allem negative Folgen für anliegende Gewerbebetriebe.
  • 2. Die Kappung der Durchfahrt durch Einrichtung einer Schranke am zentralen Punkt in der Mitte des Friedhofs. So wäre die Durchfahrt nur noch für entsprechend Berechtigte wie beispielsweise HVV oder Friedhofsgewerbe möglich.
  • 3. Der Einbau einer rund 100 Meter langen Bodenwellen-Strecke, den alle Durchfahrer passieren müssten. Diese zielt darauf ab, die Durchfahrt stark zu verlangsamen und damit unattraktiv zu machen.