Wetter

Sturmtief "Wilfried": 46 Einsätze für Hamburger Feuerwehr

Umgestürzte Bäume und überflutete Straßen hielten am Sonntag die Feuerwehr auf Trab. Auch im Norden war an vielen Orten "Land unter".

Hamburg. Umgestürzte Bäume, überflutete Straßen, demolierte Autos – Sturmtief "Wilfried" hat am dritten Adventswochenende in Hamburg und Schleswig-Holstein für starke Gewitter und insbesondere an der Nordsee für schwere Sturmböen gesorgt.

An der Nordsee- und Ostseeküste waren vom Deutschen Wetterdienst (DWD) bis zum späten Sonntagnachmittag und -abend Böen von bis zu 100 Kilometer pro Stunde angesagt worden. Er gab deshalb am Sonntagmorgen eine Starkwind-Warnung für die Nordseeküste heraus. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatte zudem auf die Gefahr einer möglichen Sturmflut an der Nordseeküste hingewiesen. In Nordfriesland waren Pegelstände von bis zu zwei Meter über dem mittleren Hochwasser erwartet worden.

Wetter wird ruhiger

  • Am Montag rechnen die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst mit Temperaturen in Hamburg von bis zu 10 Grad Celsius, in Schleswig-Holstein von bis zu neun Grad.
  • Am Dienstag werden im Norden bis zu 12 Grad erwartet, in Niedersachsen bis zu 15 Grad.
  • Ab Mitte kommender Woche sinken die Temperaturen wieder. Meteorologen vrechnen damit, dass es in Hamburg ab Freitag wieder auf rund fünf Grad abkühlt.

Autos mussten aus dem steigenden Wasser geborgen werden

Allein in Hamburg rückte die Feuerwehr bis Sonntagabend um 19 Uhr zu 46 wetterbedingten Einsätzen aus. Umgestürzte Bäume, Dachabdeckungen, überflutete Straßen und durch den Wind beschädigte Baugerüste beschäftigten die Helfer. Betroffen waren die Stadtteile City, St. Pauli, Ohlsdorf, Lemsahl-Mellingstedt und Eidelstedt. Verletzte habe es aber nicht gegeben, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Auch im Kreis Steinburg waren Bäume auf geparkte Autos gestürzt. Verletzte oder größere Unfälle habe es zunächst aber nicht gegeben, hieß es.

Auf einer Baustelle an der Pinneberger Chaussee im Stadtteil Hamburg-Eidelstedt drohte eine frisch gemauerte Mauer im 3. Obergeschoss umzustürzen, konnte aber durch die Feuerwehr gesichert werden. Am Museumshafen Övelgönne mussten wegen des drohenden Hochwassers drei PKW aus dem steigenden Wasser geborgen werden.

Baum drohte in eine Telefonleitung zu stürzen

Unter den Sturmeinsätzen war auch ein Einsatz in Hamburg-Duvenstedt: Ein etwa 20 Meter hoher Baum hatte sich aus seiner Verwurzelung gelöst und drohte in eine Telefonleitung der Telekom zu stürzen. Die Feuerwehr rückte mit zwei Löschfahrzeugen und einem Rüstwagen aus. In Niendorf brach eine große Birke ab und stürzte quer über die Fahrbahn des Märkerweges. Am Flughafen starteten Flieger durch und setzten erneut zur Landung an, kleinere Flugzeuge wackelten beim Landeanflug.

Am Abend waren die Straßen an der Fischauktionshalle in Hamburg überschwemmt. Autos auf St. Pauli wurden daher abgeschleppt, hieß es bei der Polizei. Der Scheitel sei gegen 18.20 Uhr mit 1,81 Meter über dem mittleren Hochwasser in St. Pauli erreicht worden und damit habe es eine Sturmflut gegeben, sagte Ludwig Schenk vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) BSH.

Wissenswertes zu Sturmfluten in Hamburg:

  • Sturmfluten an der Nordseeküste wirken sich regelmäßig auf Hamburg aus
  • Dann tritt in Hamburg die Elbe, die zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven in die Nordsee mündet, über die Ufer
  • Am häufigsten überflutet bei Hochwasser werden in Hamburg der Fischmarkt sowie der Bereich im Museumshaven Övelgönne
  • In Hamburg werden Sturmfluten in drei Klassen eingeteilt
  • Als Sturmflut gilt in Hamburg ein Pegelstand von 1,5 bis 2,5 Meter über dem mittlerem Hochwasser (MHW)
  • Als schwere Sturmflut gilt ein Pegelstand der Elbe von 2,5 bis 3,5 Meter über MHW
  • Als sehr schwere Sturmflut gilt ein Pegelstand von mehr als 3,5 Meter über MHW
  • Über Wasserstände und drohende Sturmfluten informiert das Hamburger Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
  • Vor Sturmfluten wird in Hamburg mit lauten Böllerschüssen gewarnt
  • Autofahrer sind dann angehalten, ihre Fahrzeuge aus den betreffenden Gebieten zu entfernen
  • Die folgenschwerste Sturmflut ereignete sich in Hamburg in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962
  • Damals kam es vor allem im Gebiet der Unterelbe zu zahlreichen Deichbrüchen. Hamburgweit kamen insgesamt 315 Menschen ums Leben

Sturmfluten an der Küste

An mehreren Orten an der nordfriesischen Küste gab es ebenfalls Sturmfluten. So wurde das mittlere Hochwasser in Husum um 2,40 Meter überschritten, im Eidersperrwerk um 2,12 Meter und in Dagebüll um 2,06 Meter.

In Dagebüll wurde nach Angaben des Bürgermeisters Kurt Hinrichsen ein Auto zerstört, das nach seinen Angaben im Halteverbot auf der Mole geparkt war und so bei der Flut „ins Schwimmen“ kam. Der Anleger für die Schiffe nach Föhr und Amrum stand demnach zu großen Teilen unter Wasser.

Behinderungen bei der Bahn

Die Züge fahren wegen des Wetters teilweise verspätet. Von den Behinderungen ist vor allem der Norden Schleswig-Holsteins betroffen.