Hamburg

Trotz Winterquartier: Warum sind die Schwäne auf der Alster?

Hamburg: Ein Schwan schwimmt auf dem Isebekkanal.

Hamburg: Ein Schwan schwimmt auf dem Isebekkanal.

Foto: Genevieve Wood / Wood Genevieve

120 Alsterschwäne überwintern eigentlich bis zum Frühjahr am Mühlenteich in Eppendorf. Doch nicht alle halten sich an den Plan.

Hamburg.  Ein einzelner Schwan zieht im Morgengrauen seine Bahnen auf dem Isebekkanal in Höhe des Theaterschiffes. Statt bei den anderen Schwänen im Winterquartier zu sein, hat sich dieses Exemplar außerhalb des Eppendorfer Mühlenteiches auf den Weg gemacht, um Nahrung zu suchen. Ist das nicht ungewöhnlich?

Keinesfalls, denn das Winterquartier der Hamburger Alsterschwäne ist kein geschlossenes Gehege. Freigang ist durchaus üblich. „Es gibt Tiere, die fliegen aus dem Gehege und kommen dann wieder zurück ins Quartier“, sagt Schwanenvater Olaf Nieß.

Schwäne rücken im Winter zusammen

120 Alsterschwäne überwintern bis zum Frühjahr am Mühlenteich in Eppendorf. Ähnlich wie bei Rehen, rücken die Höckerschwäne in der kalten Jahreszeit dichter zusammen. Denn die Gemeinschaft gibt Schutz und Wärme. In einem solchen Verbund können bis zu 200 Tiere zusammenkommen, je nach Örtlichkeit. Abhängig vom Wetter bleiben die Alsterschwäne bis März oder April im Eppendorfer Mühlenteich. Dort können sie im eisfrei gehaltenen Winterquartier bei Minusgraden nicht im Eis festfrieren und werden optimal betreut – ein Luxusdasein führen die Tiere dort dennoch nicht.

„Die haben bei uns kein Rund-um-Sorglos-Paket und liegen im Frühjahr dann vier Zentimeter tiefer im Wasser“, sagt Olaf Nieß und lacht. Er füttert einen Grundstock an einer Getreidemischung, den Rest müssen sich die Tiere selbst suchen. Dann geht es hinaus auf Wiesen und in Wälder, wo sie Blätter finden, oder sie gründeln in der Alster nach Algen und anderen Wasserpflanzen. Bei schönem Wetter marschieren manchmal ganze Schwanentrupps durch den Wald auf der Suche nach Nahrung.

Alsterschwäne sind teilweise flugunfähig

Schwan ist nicht gleich Schwan. „Wir haben einen Mischbestand“, sagt Nieß. Das bedeutet: Manche Tiere können fliegen, andere nicht. Es sind dann die flugfähigen Exemplare, die zwischendurch aus dem Gehege düsen. Andere treibt es gar nicht so weit weg. Die halten sich dann einfach vor dem Zaun der Anlage auf.

Dieser Mischbestand ist etwas Besonderes. Denn in Hamburg kümmern sich Nieß und seine Kollegen auch um die Schwäne, die nicht fliegen können und damit in der freien Natur gar nicht überlebensfähig wären. „Uns erreichen auch Anfragen aus anderen Bundesländern“, so Nieß. Beim Schwanenvater finden sie ihr Zuhause. Denn ausgewildert werden können diese Tiere nicht mehr, und in Hamburg werden sie im Winter optimal versorgt.

Wissenswertes zum Thema Alsterschwäne:

  • Die Alsterschwäne leben seit mehreren Hundert Jahren auf der Alster
  • Die Alsterschwäne gelten als lebende Wahrzeichen Hamburgs
  • In der Regel ziehen die Alsterschwäne im November in ihr Winterquartier, im April kehren sie zurück
  • Eine Legende besagt, dass so lange stolze Schwäne auf der Alster ihre Runden ziehen, Hamburg eine freie und wirtschaftlich erfolgreiche Hansestadt sein wird
  • 1664 wurden die Alsterschwäne vom Hamburger Rat unter einen besonderen Schutz gestellt

Wilde Schwäne gesellen sich dazu

Warum einige Schwäne nicht flugfähig sind, hat unterschiedliche Gründe: „Manchen werden die Flügel nach einer Operation gestutzt, andere haben einen Teil ihrer Flügel nach Hundebissen oder Verkehrsunfällen verloren“, so Nieß. Wenn ein Schwan wiederholt angefahren wird, werden ihm die Flügel gestutzt, damit er nicht mehr in Gefahr gerät. „Das dient dann seiner Sicherheit“, so der Schwanenvater. Wenn es im Winter richtig kalt wird, gesellen sich auch wilde Schwäne zu den Alsterschwänen und suchen dort Schutz und Nahrung.

Verletzte Schwäne durch Hundebisse

Der NABU appelliert an die Hundehalter, ihr Tiere nur in den Bereichen frei laufen zu lassen, in denen das erlaubt ist und sie ansonsten an der Leine zu lassen. Denn immer wieder würden Wasservögel von Hunden attackiert. Das Wassergeflügel weise häufig Bissverletzungen auf. „Das Aufscheuchen durch Hunde ist besonders im Winter schlimm, weil die Vögel bei jeder Flucht wertvolle Energien verlieren“, sagt Marco Sommerfeld, Leiter der NABU-Vogelstation Wedeler Marsch.