Statistisches Jahrbuch 2019

Raucher und Löhne – wo Hamburg Spitze ist

Mehr als jeder Siebte in Hamburg raucht mehr als 20 Zigaretten am Tag.

Mehr als jeder Siebte in Hamburg raucht mehr als 20 Zigaretten am Tag.

Foto: dpa

Das Jahrbuch des Statistischen Bundesamts zeigt, was viele schon immer ahnten: Wir sind die Größten – mit durchschnittlich 1,73 Metern.

Hamburg. Weiblich, jung und ganz gut bezahlt – das sind drei Beobachtungen aus Hamburg, die jetzt statistisch bestätigt werden. Das zuständige Bundesamt mit Sitz in Wiesbaden hat jetzt das Statistische Jahrbuch 2019 veröffentlicht und dabei auch Überraschendes aus der Hansestadt mit ihren 1,831 Millionen Einwohnern zutage gefördert.

Die Hanseaten gehören mit ihren 1,73 Metern nicht nur zu den größten Menschen in Deutschland, sondern sind auch mehrheitlich weiblich. Wie in Schleswig-Holstein beträgt der Frauenanteil 51 und demzufolge der Männeranteil 49 Prozent, das schafft kein anderes Bundesland. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Eine Ursache dürfte darin liegen, dass die Metropolregion Hamburg für junge Frauen besonders attraktiv ist.

Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hatte ergeben, dass Frauen aus der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen häufiger als Männer vom Land in die Metropolregionen und Großstädte ziehen. Tatsächlich ist der neuen Statistik zufolge der Anteil der 25- bis 40-Jährigen in Hamburg nach Berlin am zweithöchsten. Er liegt bei 24,1 Prozent (Bundesdurchschnitt: 19 Prozent). Spitzenreiter bei dem Anteil von Kindern im Alter bis sechs Jahren ist ebenfalls die Hansestadt. Und die Senioren ab 65 Jahren? Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung mit 18,4 Prozent (Bundesdurchschnitt: 21,4 Prozent) ist an Elbe und Alster am geringsten.

Wer in der Boom-Metropole Hamburg arbeitet, verdient im Vergleich zu anderen Bundesländern am meisten. Was bei den hohen Mieten auch notwendig ist. Der Bruttostundenverdienst liegt bei 24,13 Euro (bundesweiter Durchschnitt: 21,92 Euro).

Wenig Geld für Denkmäler, viel für Theater

Nach so ansehnlich bezahlten Stunden können die Hamburger die kulturellen Angebote in der Stadt nutzen. Der Senat lässt sich die öffentlichen Ausgaben für Kultur einiges kosten. Während Sachsen dabei auf Platz 1 liegt und Zielscheibe von Kunsträubern wurde, rangiert Hamburg bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur mit 196 Euro auf Platz 2. Berlin folgt mit 187 Euro auf Platz 3. Unschlagbarer Sieger ist Hamburg bei den Ausgaben für Musik und Theater.

Dafür rangiert die Stadt bei den Schlusslichtern, wenn es um die Ausgaben für den Denkmalschutz geht. Wenn schon, denn schon, heißt es dagegen bei Hamburgs Rauchern. Zwar liegt ihr Anteil bei 22,7 Prozent und damit niedriger als im Nachbarbundesland Mecklenburg-Vorpommern, aber immer hoch höher als in Bayern. Gleichzeitig gibt es nirgendwo in der Bundesrepublik mehr Menschen, die mehr als 20 Zigaretten am Tag rauchen: 15,7 Prozent, also mehr als jeder Siebte ist Kettenraucher. Deutschlandweit ist es nur etwa jeder Elfte.

Ein Zusammenhang mit den extrem hohen stationären Krankenhauskosten in Hamburg ist nicht nachgewiesen. Fakt ist aber: Hamburg hat mit 5408 Euro pro Fall die höchsten Klinikkosten, gefolgt von Bremen und Baden-Württemberg. Die Hamburgische Krankenhausgesellschaft (HKG) begründet die höheren Kosten mit unterschiedlichen regionalen Preisniveaus und damit, dass besonders schwere Fälle aus ganz Deutschland in exzellent ausgestatteten Kliniken in der Hansestadt behandelt würden.

Auch in Wirtschaft und Politik kann Hamburg Überraschendes bieten. Kein anderes Bundesland weist so viele Einfuhren pro Kopf der Bevölkerung auf wie Hamburg: Mit 38.000 Euro fast das Dreifache des deutschlandweiten Mittels. Beachtlich ist auch die Selbstständigenquote, bei der die Hansestadt nach Berlin den zweiten Platz einnimmt. Allerdings bleibt die Schuldenlast ein wichtiges Thema im Rathaus. Die öffentliche Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 17.885 Euro und damit bundesweit auf Platz 2 (durchschnittliche Schulden der Länder pro Kopf: 8763). Das ist aber nur auf den ersten Blick dramatisch – denn Hamburg ist ja Bundesland und Kommune in einem – in den Flächenländern müssten also die Schulden der Städte und Gemeinden noch dazugerechnet werden.

Hamburg bleibt die Stiftungshauptstadt

Nach wie vor extrem hoch ist der Hebesatz für die Gewerbesteuer in Hamburg. Im Jahr 2017 betrug er immerhin 470 Prozent, das erreicht keine andere Stadt in Deutschland. Meistens sind die Hebesätze von Großstädten höher als im Umland, lautet einer der Gründe. Unschlagbar ist die Metropole als deutsche Stiftungshauptstadt.

25 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts wurden 2018 in Hamburg gegründet. Damit haben mittlerweile 1430 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts ihren Sitz in der Freien und Hansestadt. In Hamburg kommen 78 Stiftungen auf 100.000 Einwohner. Der Durchschnitt der Bundesländer liegt bei 28 Stiftungen pro 100.000 Einwohner.

Und auch das noch verrät der neue Statistische Jahrbuch für 2019, und zwar zur Geografie: Hamburg liegt sechs Meter über Normalnull. Tiefer geht es nur noch in Oldenburg, Kiel und Bremerhaven zu.