Legendärer Abend

Himmlische Stimmen verzaubern bei Märchen im Michel

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4000 Zuschauer erleben bei der Veranstaltung zugunsten des Abendblatt-Vereins "Kinder helfen Kindern" bewegende Auftritte.

Hamburg. Wenn am Tannenbaum im Kirchenraum die Lichter erstrahlen und die glockenhellen Stimmen der Lucia-Mädchen aus Lettland erklingen, die engelsgleich, in weißen Gewändern und mit lockigem Haar, in Norddeutschlands bekannteste Barockkirche einziehen, dann wird das Märchen im Michel wahr. 4000 Hamburger – 2000 am Abend, 2000 am Nachmittag – haben sich mit der traditionellen und beliebten Benefizveranstaltung zugunsten der Abendblatt-Initiative "Kinder helfen Kindern" auf Weihnachten einstimmen lassen.

Hauptpastor Alexander Röder hob die besondere Stimmung hervor, die am Tag des Ereignisses – es fand zum 27. Mal statt – bereits morgens auf dem Kirchhof zu spüren sei. Und die nahm auch drinnen, im bis auf den letzten Platz besetzten Michel, jeder wahr: als die Latvian Voices zu hören waren, aber auch als der wunderbare Neue Knabenchor Hamburg (Leitung: Jens Bauditz) von der Staatlichen Jugendmusikschule traditionelle Adventslieder von Händel bis Bach präsentierte und schließlich das populäre "Carol of the Bells" anstimmte.

Janin Ullmann erstmals bei Märchen im Michel dabei

Ganz still war es, als die Vorleser ihre Auftritte hatten: neben "Urgestein" Eberhard "Möbi" Möbius trugen auch Isabella Vértes-Schütter, Intendantin des Ernst Deutsch Theaters, Schauspielerin Pheline Roggan und Moderatorin Janin Ullmann weihnachtliche Geschichten vor. Ihren bereits zweiten Auftritt an diesem Tag hatte Schülerin Pauline Martin. Die Zwölfjährige hatte auch bei der Märchenveranstaltung am Nachmittag, die für Kinder ab vier Jahren konzipiert ist, die Geschichte "Das siebte Ei" von Jonas Gimmler vorgelesen.

Mit einer schönen Tradition, dem gemeinsamen "O du fröhliche", das auf den Segen durch Hauptpastor Röder folgte, zogen die Besucher hinaus in die Nacht. Beseelt und fröhlich.

2000 Hamburger schon am Nachmittag bei Märchen im Michel

Bereits am Nachmittag waren knapp 2000 Hamburger in Norddeutschlands bekannteste Barockkirche gekommen, darunter viele Kinder mit ihren Eltern und Großeltern, um sich gut eine Stunde lang den himmlischen Stimmen der Chorkinder zu lauschen und den Zauber von Weihnachten zu spüren.

Gemeinsam mit Hauptpastor Alexander Röder führte Ohnsorg-Schauspielerin Sandra Keck charmant durch das stimmungsvolle Programm. "Die Märchenveranstaltung am Nachmittag ist besonders zauberhaft, weil sie von Kindern für Kinder gemacht wird", sagte Sandra Keck. Und wenn die Jüngsten bestimmen, dann dürfen natürlich Rolf Zuckowskis Weihnachtsklassiker wie "Es schneit" oder "Kleine Kinder, große Kinder" nicht fehlen.

Beides stimmten die 55 Alsterfrösche, die sich zu einem lebendigen, bunten "Adventskalender" formatiert hatten, an. "Für uns ist das einer der bewegendsten Auftritte des Jahres", sagte Chorleiterin Siggi Hennig, die mit ihren jungen Sängerinnen und Sängern für einen absoluten Stimmungshöhepunkt sorgte: Bei der "Weihnachtsbäckerei" klatschten alle Besucher und sangen, ob groß oder klein, textsicher und stimmgewaltig mit.

Wintermärchen eines Fünftklässlers

Ruhiger war es, als die zwölf Jahre alte Pauline Martin die Geschichte "Das siebte Ei" vorlas – und sollte sie aufgeregt gewesen sein, man hat es nicht bemerkt, so souverän und gekonnt trug die Schülerin das Wintermärchen vor, das in einer Hamburger Bäckerei beginnt und von dort aus in ein königliches Schloss nach Frankreich führt.

Jonas Gimmler, damals Fünftklässler, hatte die zauberhafte Geschichte erdacht und damit im vergangenen Jahr den Schreibwettbewerb der Hamburger Märchentage gewonnen, die auch vom Abendblatt-Verein unterstützt werden. Dieser hilft mit dem Erlös aus den rund 4000 verkauften Eintrittskarten – sowohl die Nachmittagsveranstaltung wie auch das abendliche Konzert im Michel waren binnen kürzester Zeit ausverkauft – neben Kindern in Not vor allem alleinerziehenden Müttern in der Stadt und den Hamburger Märchentagen.

Lucia-Sängerinnen mit glockenhellen Stimmen

Schon nachmittags zeigten selbstverständlich auch wieder die Lucia-Sängerinnen der A-cappella-Gruppe Latvian Voices, warum sie zu Recht zahlreiche internationale Musikwettbewerbe gewonnen haben und zu den bekanntesten kulturellen Botschaftern Lettlands zählen. Mit ihren glockenhellen, feinen Stimmen zogen sie, wie schon in den Vorjahren, die Zuhörer in ihren Bann.

Neu dabei war in diesem Jahr der Mädchenchor Hamburg von der Staatlichen Jugendmusikschule. Die 13 bis 24 Jahre alten Sängerinnen begeisterten mit einem ganz eigenen Arrangement des Liedes "O du stille Zeit". "Dass wir so verteilt stehend in dieser wundervollen Kirche singen durften, das hat das Klangerlebnis für die Zuhörer hoffentlich noch verstärkt", sagte Chorleiterin Gesa Werhahn. Mit einem gemeinsamen "O du fröhliche" war auch diese erste Märchenveranstaltung stimmungsvoll zu Ende gegangen.