Archäoskop

Hamburg hat jetzt ein Fernrohr in die Vergangenheit

Einweihung eines Archäoskops durch (v.l.) Senator Dr. Carsten Brosta, Dr.Katja Conradi und Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss auf dem Domplatz in Hamburg am 04.12.2019. Foto: Thorsten Ahlf / Funke Foto Services

Einweihung eines Archäoskops durch (v.l.) Senator Dr. Carsten Brosta, Dr.Katja Conradi und Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss auf dem Domplatz in Hamburg am 04.12.2019. Foto: Thorsten Ahlf / Funke Foto Services

Foto: Thorsten Ahlf

Am Domplatz mitten in der City wurde ein multimediales Gerät eingeweiht, das einen Blick ins Hamburg des Jahres 840 ermöglicht.

Hamburg. In Form und Farbe erinnert das brandneue Gerät ein wenig an die Telefonsäulen der Telekom, die so kaum noch im Stadtbild zu finden sind. Doch tatsächlich ist am Mittwoch auf dem Domplatz etwas eingeweiht worden, was es in Hamburg bislang so noch nicht gibt: Das sogenannte Archäoskop. Mit der multimedialen Säule können Passanten eine Zeitreise antreten – 1200 Jahre zurück in die Zeit der Hammaburg, der Keimzelle Hamburgs.

Auch, wer es mit der digitalen Welt nicht so hat, muss sich nicht scheuen, das moderne Gerät, das aus Frankreich stammt, zu benutzen. Eine extra Erklärtafel gibt es zwar nicht, aber diese ist auch nicht nötig. Über ein Bedienfeld wählt der Nutzer die Sprache aus – Deutsch oder Englisch – und startet dann den drei Minuten und 40 Sekunden langen 3D-Film. Man guckt durch eine Virtual-Reality-Brille, die höhenverstellbar ist und damit auf jede Körpergröße eingestellt werden kann. Die Säule ist zudem 360-Grad schwenkbar, um verschiedene Blickwinkel zu ermöglichen.

Blick zurück in das 9. Jahrhundert

Zu Beginn des Films geht der Blick vom Weltall auf Hamburg, weiter auf den Domplatz und schließlich in einer Zeitreise zurück ins 9. Jahrhundert – zur Hammaburg im Jahr 840. Alle Gebäude sind aus Holz, den Ziegelstein hätten die Hamburger damals noch nicht für das Bauen entdeckt, sagte der Landesarchäologe und Direktor des Archäoloigischen Museums, Rainer-Maria Weiss, bei der Präsentation. Das Hamburger Rathaus und die Elbphilharmonie sind als graue Schemen eingeblendet – um dem Betrachter die Orientierung zu erleichtern.

In virtueller Realität betritt der Nutzer den rekonstruierten Domplatz, wie er sich vor Jahrhunderten dem Besucher dargeboten hätte. Mit Hilfe neuester Animationstechnologie werden die historischen Schichten des heutigen Domplatzes freigelegt, visualisiert und erklärt. Die Animationen werden akustisch untermalt, ein Sprecher erläutert das Gezeigte.

Archäologen sind Stammgäste am Domplatz

Die Experten des Archäologischen Museums haben den Mythos rund um die Entstehungsgeschichte der Hansestadt in mehreren Ausgrabungen gelüftet. „Wir Archäologen sind ja häufig am Domplatz. Wir haben über Jahrzehnte den ganzen Platz aufgegraben“, sagte Rainer-Maria Weiss. „Wir graben und forschen und irgendwann platzen wir vor Wissen, das muss ja raus“, sagte er. Es habe eine Ausstellung zur Hammaburg gegeben, Bücher seien geschrieben worden und nun sei das Archäoskop eine neue Möglichkeit, mit digitalen Medien Wissen zu vermitteln. Bislang gebe im Schatten von St. Petri nur wenige Hinweise auf die einstige historische Bedeutung des Platzes. Die kleine bronzefarbene Tafel auf dem Platz werde nämlich leicht übersehen, sagt Weiss.

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Und so fragten sich Besucher, was das für graue Wälle und weiße Quader seien auf dem Platz. „Man sucht nach Informationen“, sagte Weiss. Die grauen Wälle aus Stahl nehmen die Kontur des Ringwall der Hammaburg auf. Die großen weißen Sitzwürfel, die nachts leuchten, wurden dort aufgestellt, wo einst die einzelnen Säulen des Mariendoms standen, der ab 1245 im frühgotischen Stil erreichtet und 1805 wieder abgerissen wurde.

BürgerStiftung finanzierte das Projekt

Kultursenator Carsten Brosda sagte bei der Einweihung: „Das Archäologische Museum präsentiert mit dem Archäoskop eine weitere innovative Form der Vermittlung und erzählt spielerisch, interessant und anschaulich die spannende Entstehungsgeschichte der Hammaburg. So macht Wissenserwerb Spaß und wird zum Erlebnis.“ Er dankte der BürgerStiftung Hamburg für ihre großzügige Unterstützung. Finanziert wurde das Projekt mit 60.000 Euro von der „Stiftung Hamburg Verbundenheit“, einer Treuhandstiftung unter dem Dach der BürgerStiftung Hamburg. Diese hat ihren Sitz am Domplatz und fühlt sich eng mit Hamburg und seiner Geschichte verbunden.