Antrag auf Negativliste

"Original Play": Drohen Kitas in Hamburg Konsequenzen?

Wie viel Körperkontakt zwischen Erwachsenen und Kindern ist in Kitas erlaubt? Darum geht es bei dem Streit um Original Play (Symbolbild).

Wie viel Körperkontakt zwischen Erwachsenen und Kindern ist in Kitas erlaubt? Darum geht es bei dem Streit um Original Play (Symbolbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Georg Wendt / picture alliance / dpa

FDP und AfD werden wegen der umstrittenen pädagogische Methode "Original Play" aktiv. Dabei geht es auch um Kita-Gutscheine.

Hamburg.  Nachdem vor einigen Wochen bekannt wurde, dass an einigen Hamburger Kitas das umstrittene pädagogische Konzept „Original Play“ (ursprüngliches Spiel) praktiziert wurde, fordern die Hamburger FDP und AfD in der Bürgerschaft den Senat auf, daraus Konsequenzen zu ziehen.

In einem Antrag, der am Mittwoch auf der Tagesordnung des Parlaments steht, fordern die Liberalen die Einrichtung einer Fachgruppe aus Kita-Trägern, Pädagogen, Pädiatern und Kinderpsychologen. Sie solle eine „Negativliste“ ausarbeiten, welche „pädagogische Konzepte ohne Mehrwert oder gar Schädlichkeit für Kinder enthält“, so der Antrag. Zweitens solle der Senat prüfen, inwieweit es möglich ist, Einrichtungen vom Kita-Gutscheinsystem auszuschließen, wenn diese Konzepte anwenden, die auf der Negativliste stehen.

FDP: Original Play grenzüberschreitend

„Wir müssen als Gesellschaft alles tun, damit unsere Kinder sicher betreut und angstfrei aufwachsen können“, sagte Daniel Oetzel, familienpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. „Deshalb darf es in Kitas für vorgeblich ‚pädagogische‘, tatsächlich aber schädliche und grenzüberschreitende Konzepte keinen Platz geben. Dazu zählt in jedem Fall ‚Original Play‘, aber auch andere Konzepte können in diese Kategorie fallen.“ Die Sozialbehörde habe es bislang versäumt, klare Kriterien vorzulegen, anhand derer sich die Kita-Träger bereits im Vorfeld orientieren können. Daher fordere man den Senat nun dazu auf.

Infos rund um Original Play:

  • Der US-Amerikaner O. Fred Donaldson hat die Methode "Original Play entwickelt
  • O. Fred Donaldson wird unter anderem wegen falscher Angaben zu seiner Person und seiner Ausbildung immer wieder scharf kritisiert.
  • Donaldson gibt an, die Methode weltweit mit Kindern, aber auch mit Wildtieren angewandt zu haben.
  • Auf der Original-Play-Website heißt es über Donaldson: „Seine Spielgefährt*innen sind Kinder mit besonderen Bedürfnissen, Bandenmitglieder, Flüchtlinge und Straßenkinder, Gefängnisinsass*innen, Krebspatient*innen, Delfine, Wale, Löwen, Grizzlybären, Wölfe, Paviane und Schmetterlinge.

Wie berichtet, wurde von dem US-Amerikaner Fred Donaldson entwickelt und setzt, angelehnt an das Herumtollen junger Wildtiere, auf sehr engen Körperkontakt von Erwachsenen und Kindern. Dabei kommen in der Regel auch externe Erwachsene zum Einsatz. Ein großer Kita-Träger im Westen der Stadt hatte gegenüber dem Abendblatt eingeräumt, dass die Methode bis Juli 2018 zeitweise an vier Einrichtungen angeboten wurde.

AfD fordert Verbot von Original Play an Kitas

In Hamburg und Berlin war es wegen sogar zur Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit „Original Play“ gekommen. Die Ermittlungen waren jedoch eingestellt worden. Der betreffende Hamburger Erzieher hatte die Vorwürfe gegenüber dem Abendblatt zurückgewiesen.

Der städtische Kita-Betreiber Elbkinder hält die Praxis hingegen ebenso für pädagogisch völlig ungeeignet wie auch die Sozialbehörde als Fachaufsicht. Nachdem sie 2017 erstmals eine Beschwerde über einen „Original Play“-Workshop an einer Hamburger Kita erhalten hatte, hatte sie alle Betreiber nochmals auf die Regeln für die Beschäftigung externer Mitarbeiter hingewiesen, aber nicht explizit vor „Original Play“ gewarnt. Grund: „Es handelt sich bei ,Original Play’ nicht um eine verbotene Praxis“, erklärte die Behörde damals.

Das will die AfD-Fraktion in der Bürgerschaft ändern. Sie beantragt, das Pädagogikkonzepts „Original Play“ zu verbieten. „Das Spiel ‚Original Play‘ verstört Kinder und ermöglicht sexuelle Übergriffe, was eindeutig abzulehnen ist“, sagt Harald Feineis, familienpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion. „Die Kontaktaufnahme zu fremden Erwachsenen ist in dieser Form kein harmloses Kinderspiel, sondern eine Einladung, bei der Pädophilie Tür und Tor geöffnet werden. Es genügt nicht, wenn der Senat das Konzept ablehnt – einzig ein Verbot verhindert künftige Missbrauchsfälle.“