Hamburg

Patientendaten an falsche Empfänger – AK Altona betroffen

Sensible Patientendaten werden in großer Zahl an falsche Empfänger verschickt – auch in Hamburg. (Symbolfoto)

Sensible Patientendaten werden in großer Zahl an falsche Empfänger verschickt – auch in Hamburg. (Symbolfoto)

Foto: picture alliance / imageBROKER

Fehlversendungen bei Kliniken, Arztpraxen und Laboren. Hamburger Therapeutin erhielt mehrfach ihr unbekannte Patientendaten.

Hamburg. In Deutschland werden sensible Patientendaten in großer Zahl an falsche Empfänger verschickt. Das ergab eine Umfrage des NDR unter den Datenschutzbehörden der Bundesländer. in Hamburg untersucht der Datenschutzbeauftrage Johannes Caspar derzeit einen besonders gravierenden Fall: Eine Häufung von Fehlsendungen bei der Asklepios Klinik Altona.

Die Asklepios Klinik Altona hatte nach Angaben des NDR seit 2013 insgesamt elf Briefe mit vertraulichen Patientendaten fälschlich an eine Hamburger Psychotherapeutin verschickt, die besagte Patienten nicht kannte. Obwohl die Therapeutin die Klinik mehrmals darauf hinwies, erhielt sie weiterhin Post.

Falsche Therapeutin in Hamburg erhielt Patientendaten

„Nach den uns bisher vorliegenden Erkenntnissen wurde wiederholt versehentlich die falsche Therapeutin aus dem Klinik-Verzeichnis ausgewählt. Dabei gab es wohl zum Beispiel Verwechslungen aufgrund von Namensähnlichkeiten bzw. Namensgleichheiten", heißt es von der Klinik gegenüber dem NDR. "Menschliches Versagen" sei die Ursache.

Caspar spricht von einem „hohen Datenschutzrisiko“ für „sehr, sehr wesentliche Daten von Betroffenen“. Der Asklepios Klinik Altona könnte nach der noch laufenden Prüfung des besonders gravierenden Falles ein hohes Bußgeld drohen. Diese Bußgelder könnten den „Vermeidungsdruck“ bei Unternehmen erhöhen, sagte Caspar dem NDR. „Nur so bekommt man am Ende eine Änderung der Situation hin und wird dann entsprechend auch ernst genommen.“

Kliniken, Arztpraxen, Labore und Abrechnungsstellen betroffen

Egal ob in Kliniken, Arztpraxen, Laboren oder Abrechnungsstellen – nach Angaben der Landesdatenschützer kommen Datenpannen in fast allen Bereichen des Gesundheitswesens vor. Ursache sei in der Regel menschliches Versagen durch falsche Adressierung oder Kuvertierung, Verwechslung von Patienten und Ärzten oder Tippfehler – Fehlversendungen stellen den größten Anteil der gemeldeten Datenschutzverletzungen im Gesundheitswesen dar.

Wissenswertes zum Thema Datenschutz:

  • Der Begriff „Datenschutz“ entstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
  • Die Verarbeitung personenbezogener Daten ist nur unter Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen erlaubt
  • Betroffene dürfen die Löschung der sie betreffenden personenbezogenen Daten fordern
  • Betroffene haben ein Auskunftsrecht zu personenbezogenen Daten und können zudem der Nutzung ihrer Daten widersprechen
  • Das Datenschutzrecht schützt ausschließlich personenbezogene Daten
  • Die neue Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) gilt seit dem 25. Mai 2018

Seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung im Mai 2018 verzeichneten die Datenschutzbehörden der Länder nach Informationen des NDR mindestens rund 850 Datenpannen durch Fehlversendungen von Patientendaten. Von sechs Bundesländern sind darüber hinaus keine Daten bekannt, so dass die Dunkelziffer nach Einschätzungen der Behörden sehr hoch sei. In Norddeutschland wurden mindestens 134 Fehlversendungen gemeldet (72 in Hamburg, 41 in Schleswig-Holstein, 21 in Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern konnten keine Angaben machen). Spitzenreiter ist Bayern mit 383 Fällen.