Stadtentwicklung

Gebiet um Rödingsmarkt soll schöner werden – dank Studenten

Studenten, Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft und Bezirks-Mitarbeiter an der Schaartorbrücke.

Studenten, Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft und Bezirks-Mitarbeiter an der Schaartorbrücke.

Foto: Thorsten Ahlf

Für die Achse zwischen Rathaus und Elbe sollen Masterstudenten beim 7. Bülau-Wettbewerb innovative Ideen entwickeln.

Hamburg.  Das Alsterfleet ist seit dem 19. Jahrhundert der wichtigste Wasserablauf von der Alster in die Elbe, parallel dazu verläuft über den Alten Wall und den Rödingsmarkt die kürzeste Verbindung zwischen Rathaus und Baumwall. Nicht zuletzt wegen der Elbphilharmonie ist die Bedeutung der Strecke gestiegen. Attraktiv ist sie allerdings nicht. Und das soll sich ändern. Der Umbau des ehemaligen Vereins-und-Westbank-Komplexes mit dem Bucerius Kunst Forum am Alten Wall ist nur der Anfang. Für den weiteren Straßenverlauf, der am Side-Hotel zum Rödingsmarkt führt, wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt. Und für den sich anschließenden Bereich bis zum Baumwall läuft der 7. Bülau-Wettbewerb, der von der Patriotischen Gesellschaft von 1765 initiiert wurde und sich an Masterstudenten richtet.

90 Studierende aus Architektur, Stadt-, Verkehrs- und Landschaftsplanung aus Deutschland und Österreich sollen unkonventionelle, intelligente und fantasievolle Ideen für die Fläche zwischen Graskeller und Binnenhafenbrücke, Rödingsmarkt und Fleet entwickeln. „Die Vorschläge haben nicht den Anspruch, verwirklicht zu werden“, sagt Willfried Maier, erster Vorsitzender der Patriotischen Gesellschaft. „Wir möchten aber generell mit den Ergebnissen unserer Wettbewerbe den Diskurs über innovative Gestaltungs- und Nutzungsperspektiven für öffentliche Räume, städtische Infrastruktur und Architektur anstoßen.“

Ziei ist, Aufenthaltsqualität zu schaffen

Rund um das Alsterfleet liegen die Schwerpunkte auf der Gestaltung des Straßenraums und der Verkehrsflächen am Rödingsmarkt (dazu gehören die Parkplätze unter dem U-Bahn-Viadukt), auf der Wasserkante des denkmalgeschützten Alsterfleets, der Aufwertung zweier kleiner Grünflächen – und insbesondere auf dem Parkhaus Rödingsmarkt. Wohnbebauung ist ausdrücklich erwünscht.

Auf einem Rundgang haben sich die Masterstudenten in Begleitung von Mitarbeitern des Bezirksamts und Mitgliedern der Patriotischen Gesellschaft das Wettbewerbsgelände angeschaut. Der Weg führt sie unter der Schaartorbrücke und den übers Wasser ragenden Wohnhäusern an der Straße Herrlichkeit und an den mächtigen Stützen der Klinik Fleetinsel entlang. Es ist nicht zu übersehen: Zum Verweilen lädt die Strecke, trotz ihrer exponierten Lage direkt am Wasser, nicht ein. „Hier fehlen Grünflächen“, sagt eine Studentin aus Wien angesichts des vielen Backsteins und Betons. „An diesem Ort Aufenthaltsqualität zu schaffen ist schwer. Aber man kann Lösungen finden.“

Besonderheiten des Orts

Bernd Ockert und Helmuth Schulze-Trautmann von der Patriotischen Gesellschaft weisen die Studenten auf die Besonderheiten des Orts hin: auf das denkmalgeschützte Stellahaus und den modernen Hadi-Teherani-Bau daneben, hinter dessen Glasfassade ein historisches Bestandsgebäude liegt, auf die denkmalgeschützten Kaimauern und die Liegeplätze der Schuten und die Parkplätze der Schleusenwächter, die erhalten bleiben müssen – und auf das Parkhaus Rödingsmarkt, das wegen seiner Vollständigkeit mit Tankstelle, Werkstatt, Waschanlage und seiner besonderen Gestaltung als das bemerkenswerteste Hamburger Parkhaus gilt.

Das Gebäude wurde 1965 nach Plänen des Architekten Peter Neve für die Sprinkenhof AG errichtet. Von außen ist es eher schlicht und funktional gestaltet, mit einem hohen, offenen Sockelgeschoss und darüber horizontal gegliederte weiß gekachelte Brüstungsflächen. Wie spektakulär es im Inneren ist, sehen die Studenten bei der Besichtigung: Die Parkgeschosse werden über eine grafisch wirkende spindelförmige Rampe von einem Lichthof aus erschlossen. In dessen flacher Kuppel sind runde Glasbausteine eingelassen, durch die diffuses Licht fällt, was eine fast sakrale Wirkung erzeugt. „Wegen der besonderen Atmosphäre finden hier seit Jahrzehnten immer wieder Film- und Werbeaufnahmen statt“, sagt Ockert. Denkmalgeschützt sei das Parkhaus nicht, aber eine Unterschutzstellung werde diskutiert.

Parkhaus unter Denkmalschutz stellen

Tatsächlich plädiert der Denkmalverein dafür, das Parkhaus nicht nur zeitnah unter Schutz zu stellen, sondern auch zu prüfen, inwiefern das Gebäude durch Aufstockungen „weitergebaut“ werden könne. Er verweist darauf, dass Masterstudenten aus Karlsruhe bereits 2018 in einem Projekt gezeigt hätten, wie vielfältig die Möglichkeiten einer Aufstockung für Wohnen seien. Jetzt sind die Teilnehmer des Bülau-Wettbewerbs dran. Die Vorgabe, das Parkhaus zu erhalten, haben sie nicht. „Ich gehe aber nicht automatisch davon aus, dass es komplett abgerissen wird“, sagt Oberbaudirektor Franz-Josef Höing. „Vielleicht lassen sich Teile davon erhalten.“ Das Parkhaus sei ein Schlüsselelement. „Im Inneren hat es eine hohe räumliche Qualität, aber von außen wird es dem Standort nicht gerecht. Ich bin gespannt, was den Studenten dazu einfällt.“

Höing hatte das Areal um das Alsterfleet als Wettbewerbsgelände vorgeschlagen. „Die Strecke zwischen Altem Wall und Rödingsmarkt ist interessant, aber noch nicht oft diskutiert. Sie ist heute bei den Menschen nicht als Laufstrecke präsent – dabei war dort früher eine sehr lebendige Zone.“ Mittlerweile seien Fußgänger nur noch Randfiguren. Der Rödingsmarkt werde vom ruhenden Verkehr geprägt. Die Studenten sollen sich mit den Fragen beschäftigen, ob ausgerechnet hier Autos stehen müssten, und wie man mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer schaffen könne.

Das könnte Sie auch interessieren:

Die Bülau-Wettbewerbe sind nach dem Erbauer des Hauses der Patriotischen Gesellschaft benannt und beschäftigen sich mit Gebieten von gesamtstädtischer Bedeutung. Jeder Wettbewerb sei eine Chance für die Stadt, so Franz-Josef Höing. „Wir wollen die Ergebnisse nutzen, um uns an-, aber vielleicht auch aufregen zu lassen.“

Mario Pohling und Martina Trapani, die gerade ihr Masterstudium in Berlin abgeschlossen haben, freuen sich auf die Aufgabe. „An diesem Ort kommt viel zusammen: alte Geschichte, Bauwerke aus mehreren Jahrhunderten, die Verkehrshistorie, das Fleet – aber auch die großen Straßen. Hier den gewünschten Wohnungsbau und Plätze der Begegnung zu schaffen, ist eine spannende Herausforderung.“