Porträt

Hadi Teherani – der gläserne Architekt, der Hamburg prägte

 Der Architekt Hadi Teherani in seinem Büro am Elbberg – überflüssig zu erwähnen, dass er in einem Glasbau arbeitet. 

Der Architekt Hadi Teherani in seinem Büro am Elbberg – überflüssig zu erwähnen, dass er in einem Glasbau arbeitet. 

Foto: Sebastian Becht

Der Hamburger ist 65 Jahre alt. Aber Rente? Aufhören will er noch lange nicht – sein Vorbild arbeitete noch mit 104.

Hamburg.  Eine Zehn-Pfennig-Münze ist für einige der prägnantesten Gebäude in Hamburg verantwortlich. Die habe Hadi Teherani geworfen, um ihm die Studienwahl abzunehmen. Werbegrafik in Hamburg oder Architektur in Braunschweig. So jedenfalls erzählt es der Mann, dessen Name zur Marke wurde. Am 2. Februar 1954 im Iran geboren, mit sechs Jahren nach Hamburg gezogen und von hier aus die Welt erobert.

Heute wird der Architekt und Designer Teherani 65 Jahre alt und kann auf eine Karriere zurückblicken, die ihn mit seinen glasgeprägten Gebäuden wie den Tanzenden Türmen oder dem Berliner Bogen bis weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt gemacht hat. Um über sein Leben zu sprechen, empfängt der Kaufmannssohn im dunkelblauen Anzug aus Samt, mit funkelnder Rolex am Arm im Lofthaus am Elbberg. Von hier aus steuert er auf vier Etagen mit rund 100 Architekten, Produktdesignern und Bauingenieuren sein Imperium mit Büros in Frankfurt, München, Indien und dem Iran.

Erstes Büro in Köln

Nach dem Studium in Braunschweig sammelt Teherani 1984 als Mitarbeiter im Planungsbüro von Prof. Joachim Schürmann in Köln erste Berufserfahrungen beim Neubau des Bundestages in Bonn. Eine Zeit, die ihn prägt. „Alles was ich kann, habe ich von Schürmann gelernt, obwohl ich nichts so mache wie er“, sagt Teherani noch heute. Nach dreieinhalb Jahren macht sich der junge Architekt selbstständig und mietet gleich noch eine freie Ladenfläche unter seinem neuen Büro in Köln. Dort verkauft er edle Kleidung, um auf diesem Weg einflussreiche Menschen kennenzulernen. Ein Gespür, wie er an finanzstarke Investoren kommt, hat er schon damals.

Als der 34 Jahre alte Jungarchitekt mit seinem neu gekauften Porsche 356 beim Schneider in Hamburg Stoffe für den Laden kaufen will, trifft er dann auch den Mann, der ihm etwas später zu seinem ersten großen Auftrag verhelfen sollte. Von da an geht es steil bergauf. Der schräge Glaspalast für ein Luxus-Autohaus am Friedrich-Ebert-Damm wird zum Aushängeschild für das in Hamburg neu gegründete Büro „BRT Architekten“.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Jens Bothe und Kai Richter baut Teherani fortan, mithilfe von finanzstarken Bauherren, an vielen prägnanten Orten Hamburgs Gebäude aus Glas und Stahl. Inspiriert von den Londoner Architekten Richard Rogers und Norman Foster entwirft Teherani „fili­gran-technische Glaskonstruktionen, die auf ihr Umfeld reagieren, durch ihre Form wirken und an Orten entstehen, die überraschen“, wie es seine Anhänger formulieren.

Für ihn ist steinernes Bauen kein Zukunftsmodell

Sein Anspruch sind Gebäude, die nicht nur funktional sind, sondern auch „emotional ansprechen“ und das „Kontorhaus fürs 21. Jahrhundert“ neu interpretieren. Aber es gibt auch immer wieder Kritik am kompromisslos modernen, gläsern-technoiden Baustil. Gerade weil seine Gebäude so im Fokus der Öffentlichkeit stehen, haben einige das Gefühl, Hamburg würde zur Glasstadt. Für Teherani aber ist das steinerne Bauen kein Zukunftsmodell. „Hamburg ist eine offene Stadt“, sagt er heute und lässt seinen Blick durch die gläserne Bürowand über die Elbe schweifen.

Viele Bauherren jedenfalls sind begeistert von der modernen Bauweise und in den 90er- und Nuller-Jahren kann sich das meistbeschäftigte Architekturbüro der Hansestadt vor Aufträgen kaum retten. Doch als der damalige russische Staatspräsident Dmitri Medwedew den Oberbürgermeister Moskaus entlässt, verliert Teherani für ihn wichtige Baugenehmigungen. Was folgt, ist eine schwere finanzielle Krise, die letztendlich auch zum Ende der langjährigen Partnerschaft zwischen Bothe, Richter und Teherani führt.

„Erneuerung ist die größte Kraft, aus der ich schöpfe“, sagt Teherani heute. Und so dauert es auch nicht lange, bis er wieder auf den Beinen steht. Diesmal zwar allein, aber nicht weniger erfolgreich. Für Architekten sind es schwierige Zeiten, in denen die gestalterische Freiheit durch ein enger werdendes Korsett aus Sachzwängen eingeschränkt wird. Teherani lässt sich aber auch angesichts von Bebauungsplänen mit Zielfestsetzung oder Denkmalschutz- wie Klimadebatten nicht davon abbringen, kreative Bewegungsräume zu finden und Unikate zu verwirklichen. Das möchte er auch bei seinem aktuellesten Projekt in Hamburg wieder unter Beweis stellen. „Das Deutschlandhaus wird trotz der Rahmenbedingungen viele überraschen, wenn es fertig ist“, sagt Teherani.

Die Arbeit ist seine Leidenschaft

Auf sein berufliches Leben zurückschauend, bereut er nichts. „Ich würde alles genau so wieder machen“, sagt Teherani. Er blicke auf ein erfülltes Leben zurück und sei ein glücklicher Mensch. Privat gab es Frauen, Kinder nicht. „Das Erlebnis habe ich leider nicht gehabt“, sagt er mit leiser, kaum hörbarer Stimme. Er zweifele daran, dass seine berufliche Laufbahn mit Kindern vereinbar sei. Die Arbeit ist seine Leidenschaft, betont er, und erfordere fast seine gesamte Zeit.

Hin und wieder findet er ein paar Stunden, um seine Eltern und zwei Brüder im Norden Hamburgs zu besuchen. Gar nicht so einfach, denn auch mit 65 Jahren möchte er keinen Gang zurückschalten. Aufhören will er erst, wenn es gesundheitlich nicht anders geht. Einer seiner Vorbilder: Oscar Niemeyer. Der Architekt hat mit 98 Jahren noch mal geheiratet und bis zum Lebensende mit 104 Jahren gearbeitet.