Archäologie

Nikolaikirche: Die kleinen Geheimnisse eines Kellers

Kay-Peter Suchowa leitet die Grabung an der Nikolaikirche.

Kay-Peter Suchowa leitet die Grabung an der Nikolaikirche.

Foto: Sebastian Becht

Grabungstagebuch, Teil 2: Ein vielversprechender Schacht unter dem Fußboden. Was der Leiter der Grabung vermutet.

Hamburg. Eigentlich ist die Regel ja ganz einfach: In den oberen Schichten ist das Jüngere – und je tiefer man gräbt, desto älter werden die Funde. Ist ja auch logisch, denn auf den Trümmern oder Resten eines alten Hauses wird das neue gebaut. „Nun aber sind wir an einer Stelle bereits auf mittelalterliche Mauern gestoßen – und ein ganzes Stück tiefer auf Mauern, die aus dem 17. Jahrhundert stammen“, erklärt Kai-Peter Suchowa. Der Archäologe leitet die Grabung an der Nikolaikirche, mit der der Ursprung der Hamburger Neustadt erkundet werden soll, die bis ins späte 12. Jahrhundert zurückreicht.

Die Erklärung der auf den ersten Blick erstaunlichen Reihenfolge der Schichten ist letztlich einfach: ein Keller. „Das neue Haus ist im 17. Jahrhundert errichtet worden. Und auf einer kleinen Fläche hat man dann einen sogenannten Halbkeller gebaut“, sagt Suchowa. Also eine Art Souterrain, das wahrscheinlich als Lager genutzt wurde. Das Haus, das bis zum Großen Brand 1842 an dieser Stelle stand, gehörte zu den größten der Gegend. Es hatte fünf Stockwerke und war etwa 20 Meter hoch, wie man anhand alter Bilder genau weiß.

Archäologen haben kleinen, gemauerten Schacht freigelegt

Der Keller könnte für die Archäologen durchaus noch richtig interessant werden. Denn dort haben sie einen kleinen, gemauerten Schacht freigelegt. Noch ist nicht ganz klar, welchen Zweck er hatte. Aber Suchowa vermutet, dass er der Entwässerung gedient hat. Dann müsste es auch eine Leitung geben. In den kommenden Wochen will sich das Team weiter vorarbeiten, um auch diese Leitung freizulegen – und vielleicht auf spannende Fundstücke zu stoßen. Denn in jeden Schacht und in jede Latrine fallen viele Gegenstände – ob nun, um sie zu entsorgen, oder versehentlich.

Der Keller ist übrigens mit Sandsteinplatten ausgelegt. Sie ragen direkt an eine mittelalterliche Mauer heran, die deutlich an der Größe der Steine zu erkennen ist. Somit ist klar, dass der Fußboden aus jüngerer Zeit stammt. Eine Geologin, die sich die Platten angesehen hat, ist sicher, dass sie aus dem Elbsandstein-Gebirge bei Dresden stammen. Über die direkte Elbe-Verbindung war es ja auch einfach, die Steine nach Hamburg zu schaffen.

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Beim damals direkt benachbarten deutlich kleineren Haus haben die Forscher indes die „Utlucht“ freigelegt. Das ist der niederdeutsche Begriff für eine Art Erker, der typisch war für die damalige Zeit. Lucht bedeutet Öffnung oder Fenster. Es war der Platz, an dem oft die älteren Bewohner der Häuser saßen und das Treiben auf den Straßen beobachteten. Was ja auch heute noch gern gemacht wird.