Auktion im Vier Jahreszeiten

Wenn ein Schluck Wein schon mal 100 Euro kostet

Edle Weine sind sein Geschäft. Jens Krau von Koppe & Partner hatte eine Magnumflasche Lafite Rothschild zur Auktion mitgebracht. Die anderen Raritäten lagern in Bremen.

Edle Weine sind sein Geschäft. Jens Krau von Koppe & Partner hatte eine Magnumflasche Lafite Rothschild zur Auktion mitgebracht. Die anderen Raritäten lagern in Bremen.

Foto: Marcelo Hernandez

Flaschen für mehr als 1000 Euro sind hier keine Seltenheit. „Bieterkampf" um einen ganz besonderen Tropfen.

Hamburg.  Die Kunden aus Asien dürfen sich schon bald auf neue Raritäten freuen, denn Bernd Riepenau war am Freitag auf Einkaufstour im Vier Jahreszeiten. Im Kleinen Festsaal des Luxushotels am Neuen Jungfernstieg hatte Koppe & Partner aus Bremen zur Weinauktion eingeladen. Dort wurden Flaschen für insgesamt 940.000 Euro versteigert.

Einen beträchtlichen Anteil an dieser beeindruckenden Summe – mehr als 100.000 Euro – hatte Bernd Riepenau. Der Weinexperte aus Kaltenkirchen hat einen eigenen Showroom in Hongkong: „Wir haben zahlreiche Kunden im asiatischen Raum und die sind bereit, sehr viel Geld für edle Weine auszugeben und vertrauen dabei auf meine Expertise“, sagte Riepenau, Geschäftsführender Gesellschafter der Riepenau Fine & Rare GmbH am Rande der Auktion dem Abendblatt.

Heute wird meist im Internet gehandelt

Um Punkt 10 Uhr eröffnete Michael Unger – einer der Gesellschafter von Koppe & Partner – die Auktion. Angespannte Stille herrschte im Saal, etwa 20 Damen und Herren hatten Platz genommen. Die Zeiten haben sich geändert: „Wir sind seit 24 Jahren mit unserer Auktion im Vier Jahreszeiten. Es gab Zeiten, da haben wir den Großen Festsaal gemietet, und es kamen bis zu 240 Kunden. Aber heute wird meist im Internet gehandelt, auch bei uns“, sagte Jens Krau, einer der Gesellschafter.

Bis zum vergangenen Mittwoch hatten die Kunden Zeit, ihre Gebote online abzugeben. Und dann konnte auch nicht mehr nachgebessert werden. Auktionator Wulf rief jedes vorliegende Gebot auf, und dann kam die Stunde der Händler- und Sammler im Kleinen Festsaal. Jeder Besucher musste sich am Eingang registrieren lassen: „Wer uns nicht persönlich bekannt ist, der muss einen Personalausweis vorlegen“, sagt Heiner Lobenberg, auch einer der Gesellschafter des Weinauktionshauses, der für den Einlass verantwortlich war. Nachdem diese Hürde genommen war, bekam jeder Gast ein Plastikschild mit schwarzer Nummer, um mitbieten zu können.

Wenn sich kein Arm hob, dann verkündete Wulf Unger, der Bruder von Michael, die Nummer des Onlinegebots, welches in diesem Moment den Zuschlag erhalten hatte. Ein unbekannter Bieter bekam auch den Zuschlag für die erste Flasche, die unter den Auktionshammer kam. Das war ein 1971er Moët & Chandon Dom Perignon. Mindestgebot 1500 Euro, der demnächst für 1850 Euro im wohltemperierten Weinkeller eines Liebhabers stehen wird.

14.000 Euro für sechs Magnumflaschen

Es waren an diesem Tag die Herren mit der Nummer 7 und der Nummer 13, die Weine für Beträge einkauften, die für den normalen Konsumenten schwindelerregend sind. Das Schild mit der schwarzen 13 hatte Bernd Riepenau erhalten und die Nummer 7 ein Salzburger. Innerhalb von gefühlt fünf Minuten hatte der österreichische Weinimporteur rund 14.000 Euro für sechs Magnumflaschen ausgegeben, darunter 1990er Château Margaux, 1er Cru Classe und ein 1993er Château Petrus Pomerol.

Das war aber nur ein Bruchteil dessen, was der Geschäftsmann am Ende des Tages ausgegeben hatte. Unzählige edle Tropfen ersteigerte der Österreicher: „Ich bin im Auftrag meiner Kunden hier. Vor dieser Auktion habe ich die besten Weine aus dem Katalog ausgewählt, und jetzt habe ich ihre Wünsche im Gepäck. Natürlich habe ich auch immer ein Limit, das ich nicht überschreiten darf“, sagte der Händler, der zwischendurch immer mal den Saal verlies, um zu telefonieren. Vielleicht mit seinem Auftraggeber, für den er einen Weinkeller in Kitzbühel einrichten soll, dafür hat der Salzburger Weinexperte nach eigenen Angaben drei Millionen Euro zur Verfügung.

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Welches Budget der Herr um die 40 in Begleitung einer Dame in Reihe 1 mit der Nummer 1 zur Verfügung hatte, ist nicht bekannt. Aber es schien sich dabei eher um einen privaten Sammler zu handeln, und der ließ sich auch auf einen kleinen „Bieterkampf“ mit der Nummer 7 – dem Salzburger - ein. Es war die Position 644 im Katalog. Sechs Flaschen Château Lafleur Pensees de Lafleur. Mindestgebot 600 Euro. Auktionator Michael Unger ging in 20-Euro-Schritten vor, und schließlich stieg die 7 aus, und die Nummer 1 konnte sich das Paket für 740 Euro sichern.

Mit Spannung wurde der Aufruf des Loses 1311 erwartet. Der Höhepunkt der Auktion, im Katalog eindeutig angepriesen mit „Mehr geht nicht!!!“. Das waren sechs Magnumflaschen Château Latour, Jahrgang 1982, Pauillac, 1er Cru Classe. Dafür sind Sammler offensichtlich bereit, den Preis eines Mittelklassewagens zu bezahlen. Das Mindestgebot für diese Rarität waren 16.200 Euro. Im Saal wollte keiner mitbieten, schließlich kam ein Onlinegebot zum Zuge, und der edle Wein erzielte 23.500 Euro – zuzüglich eines „Aufgelds“ von zehn Prozent.