Hamburgs neue Ehrenbürgerin

Kirsten Boie: "Außergewöhnlich, aber bodenständig"

| Lesedauer: 6 Minuten
Franziska Coesfeld und Christoph Rybarczyk
Die Hamburger Kinderbuchautorin Kirsten Boie – im Hintergrund ist die von ihr erschaffene Figur des Ritter Trenk zu sehen (Archivbild).

Die Hamburger Kinderbuchautorin Kirsten Boie – im Hintergrund ist die von ihr erschaffene Figur des Ritter Trenk zu sehen (Archivbild).

Foto: dpa

Die Kinder- und Jugendbuchautorin wird Hamburger Ehrenbürgerin. Prominente Stimmen zur Auszeichnung für die 69-Jährige.

Hamburg. Die Hansestadt Hamburg bekommt eine neue Ehrenbürgerin: Die Kinderbuchautorin Kirsten Boie soll die höchste Auszeichnung, die Hamburg zu vergeben hat, erhalten. Das hat der Hamburger Senat am Dienstag beschlossen. "In Anerkennung ihres Wirkens und aufgrund ihres langjährigen, nachhaltigen und persönlichen Engagements für die Stadt Hamburg entschied der Senat auf Vorschlag des Ersten Bürgermeisters, Dr. Kirsten Boie die Ehrenbürgerschaft zu verleihen", teilte die Senatskanzlei am Dienstagmittag mit.

Die 69-jährige Hamburgerin zählt zu den profiliertesten und bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Deutschlands, ihre Werke sind in vielen Kinderzimmern zu finden. Boie hatte vor mehr als 30 Jahren ihr Debüt "Paule ist ein Glücksgriff" veröffentlicht. Seitdem sind rund 100 Bücher von ihr erschienen. Darunter Geschichten über "Ritter Trenk", Seejungmann "Nix", Meerschweinchen King-Kong und die "Möwenweg"-Kinder.

Boie setzt sich seit Jahren stark für die Leseförderung bei Kindern ein. Im August 2018 hatte sie die Hamburger Erklärung "Jedes Kind muss lesen lernen" mitinitiiert und so eine bundesweite Diskussion zum Thema Leseförderung angestoßen.

"Kirsten Boie herausragende Hamburger Persönlichkeit"

„Kirsten Boie ist eine außergewöhnliche Schriftstellerin", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher am Dienstag. Seit mehr als 30 Jahren präge sie die Kindheit junger Leser mit Geschichten, "die begeistern, bewegen und zum Nachdenken anregen. Ihre Bücher geben Kindern Orientierung beim Erwachsenwerden und den Mut, auch in schwierigen Situationen an sich selbst zu glauben."

Ihr Engagement für die Leseförderung in Hamburg und in Deutschland verbinde sie zudem in besonderer Weise mit dem Ziel des Hamburger Senats, Kindern durch frühe Sprachförderung, Lesen und Lernen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Tschentscher: "Kirsten Boie ist eine herausragende Hamburger Persönlichkeit."

Kirsten Boies Bücher in vielen Kinderzimmern

Wenn die Hamburgische Bürgerschaft offiziell zugestimmt hat, soll die Ehrenbürgerwürde mit einem Festakt an Boie im Rathaus verliehen werden. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) erklärte, sie begrüße die Entscheidung des Senats "von ganzem Herzen". Veit sagte: "Ihre Bücher finden sich in vielen Kinderzimmern – auch bei uns zu Hause. Seit Jahrzehnten wachsen Jungen und Mädchen mit ihren erdachten Figuren wie den Kindern aus dem Möwenweg oder dem kleinen Ritter Trenk auf." Über die Geschichten hätten viele Hamburger eine "persönliche Beziehung zu der Autorin" aufgebaut.

Boie selbst äußerte sich am Dienstag nur kurz dazu: "Natürlich habe ich mich sehr über den Vorschlag des Senats an die Bürgerschaft gefreut – vor allem auch, weil er in meinen Augen eine Wertschätzung der Kinderliteratur und Anerkennung der Bedeutung der Leseförderung ausdrückt", sagte die 69-Jährige dem Oetinger-Verlag zufolge. Aus Respekt vor der Entscheidung der Bürgerschaft wolle sie sich vor deren endgültiger Entscheidung allerdings nicht weiter dazu äußern.

Kirsten Boie wurde 1950 in Hamburg geboren, studierte in der Hansestadt und wurde Lehrerin an einem Hamburger Gymnasium. 1983 adoptierte sie gemeinsam mit ihrem Mann ein Kind. Bald darauf begann sie, Kinderbücher zu schreiben. Ihre Bücher und ihr Gesamtwerk wurden mit diversen renommierten Preisen ausgezeichnet. So erhielt Boie etwa 2007 den Deutschen Jugendliteraturpreis und 2008 den Großen Preis der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Hamburgs Politiker begeistert von neuer Ehrenbürgerin

Mit großer Freude nahmen Hamburgs Politiker die Nachricht der neuen Ehrenbürgerin auf. "Ich bin begeistert", sagte Anjes Tjarks, Vorsitzender der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. "Mit Kirsten Boie erhält eine Frau die Ehrenbürgerwürde der Stadt Hamburg, die aus der Mitte der Gesellschaft heraus mit ihrem ehrenamtlichen Engagement Zeichen setzt." Sie sei eben nicht nur eine großartige Kinderbuchautorin, sondern auch eine "bodenständige Hamburgerin, die die Ärmel hochkrempelt und in vielen sozialen Projekten mitmischt", so Tjarks.

Ihn beeindrucke vor allem Boies Engagement für die Leseförderung von Kindern. "Denn Lesen ist Bildung, ist Teilhabe, ist ein Abenteuer", sagte der Grünen-Politiker. "Und das vermittelt Kirsten Boie wie keine andere. Kirsten Boie ist für mich eine bemerkenswerte Hamburgerin ohne viel Schnickschnack und deshalb freue ich mich sehr darüber, dass sie die Ehrenbürgerwürde der Stadt erhalten wird.“

Boie in einer Reihe mit Uwe Seeler und John Neumeier

Auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion reagierte begeistert. "Kirsten Boie ist eine würdige Ehrenbürgerin Hamburgs", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende André Trepoll. Mit mehr als 100 in zahlreiche Sprachen übersetzten Kinder- und Jugendbüchern sei ihr Erfolg als Hamburger Schriftstellerin beispiellos. "Ihre zahlreichen Auszeichnungen und Preise sprechen für sich", sagte Trepoll.

"Ich selbst lese meinen Kindern häufiger aus ‚Wir Kinder aus dem Möwenweg‘ vor. Trotz Digitalisierung ist das Buch gerade für unsere Kinder wichtiger als das Smartphone." Der CDU-Politiker hob zudem hervor, dass Kirsten Boie die Begeisterung für das Lesen und das Eintauchen in bunte und aufregende Welten von klein auf an wecke. "Hamburg kann zu Recht stolz auf Kirsten Boie sein“, so der CDU-Politiker.

Bislang nur vier Frauen unter Hamburgs Ehrenbürgern

Ehrenbürger sind derzeit die Unternehmer Michael Otto und Hannelore Greve sowie Ballett-Chef John Neumeier und HSV-Legende Uwe Seeler. Zu den früheren Ehrenbürgern, die bereits verstorben sind, zählten unter anderem Otto von Bismarck, Johannes Brahms, Helmut und Loki Schmidt, Siegfried Lenz sowie die Unternehmer Alfred Toepfer und Kurt A. Körber.

Seit 1813 wird die höchste Auszeichnung der Stadt Hamburg an Menschen verliehen, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Auffällig ist: Unter den 35 Ehrenbürgern sind bislang nur vier Frauen: Theaterleiterin Ida Ehre (1900–1989), Publizistin Marion Gräfin Dönhoff (1909–2002), Naturschützerin Loki Schmidt (1919–2010) und Mäzenin Hannelore Greve. Mit Kirsten Boie kommt nun eine fünfte Frau hinzu. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) hatte sich bereits im Juni dafür ausgesprochen, dass als nächstes eine Frau die Ehrenbürgerschaft verliehen bekommt.

( mit dpa )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg